Die bibeltreue Mission des Christian Wulff

Christian Wulff (CDU)

Der Bundespräsidenten-Kandidat von Union und FDP, Christian Wulff, vor dem Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. Würde er das Amt des Bundespräsidenten für eine "bibeltreue Mission" nutzen? Foto: dpa/Rainer Jensen

Bundespräsidentenwah - Christian Wulff ist "erzchristlich" und "kungelt mit den Evangelikalen". So lauteten am Freitag Überschriften des "Tagesspiegel" und von "Zeit Online". Grund für die Zeilen: Der niedersächsische Ministerpräsident und CDU-Anwärter für das Amt des Bundespräsidenten ist Mitglied des Kuratoriums von Pro Christ.

Von Lilith Becker

Schon seit die politischen Parteien ihre Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten verkündet haben ist klar: Der Grundtenor der Berichterstattung wendet sich gegen den CDU-Kandidaten Christian Wulff. Dass sich Kandidaten für öffentliche Ämter von der Allgemeinheit durchleuchten lassen müssen, steht ebenso fest. Doch welche Qualität nimmt die Diskussion um Christian Wulff als geeigneten Kandidaten nun an? Er bewege sich in fragwürdigen Kreisen, heißt es am Freitag in so angesehenen Medien wie dem "Tagesspiegel" und "Zeit Online". Sie sind nicht die ersten, die das Engagement des Christian Wulff bedenklich finden.

Esoterische Umtriebe in Deutschland

Schon am 4. Juni 2010 entdeckte die Feuilleton-Rundschau von "Spiegel Online" folgenden Blog-Eintrag: "Christian Wulff gehört zum Kuratorium von 'Pro Christ', einer evangelikalen Missionierungsbewegung. Somit darf man eigentlich vermuten, dass er das Amt des Bundespräsidenten zur bibeltreuen Mission nutzen könnte." Und weiter: "Wer Ulrich Parzanys (Hauptprediger von 'Pro Christ') Reden kennt, der sieht sich mit allem konfrontiert, was fundamentalistischen christlichen Glauben ausmacht. Kreationismus, Schwulenhetze und strikte Ablehnung von Abtreibungen gehören zu seinen Lieblingsthemen." Quelle der Meldung ist das Blog "Esowatch". Es hat sich zur Aufgabe gemacht, esoterische Umtriebe in der deutschen Gesellschaft zu beobachten.

"Religiöse Wahnideen und Schwulenhetze"

Über "Spiegel Online" verbreitet, führte der Blogeintrag bei "Esowatch" zu einer Facebook-Gruppe mit Namen "Wulff im Schafspelz - Nein, danke!", die von der Giordano-Bruno-Stiftung gegründet wurde. Der Vorstandssprecher der Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, erklärte: "Wie soll eine Bevölkerung, die zu mehr als einem Drittel aus konfessionsfreien Menschen besteht und die sich sogar zur Hälfte als 'nicht-religiös' einstuft, einem Mann vertrauen können, der sich im Kuratorium der bibeltreuen, missionarischen Organisation 'Pro Christ' engagiert? Ein Bundespräsident, der Gruppierungen unterstützt, die aufgrund religiöser Wahnideen die Evolutionstheorie leugnen und Schwulenhetze betreiben, ist völlig untragbar!"

Auch im Deutschlandradio Kultur war Wulffs Zugehörigkeit bei Pro Christ schon Thema. In einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Sender plädierte die Theologin Kirsten Dietrich für einen Rückzug Wulffs aus dem Kuratorium von Pro Christ, weil sie den Verein für eine fundamentalistische Bewegung hält. Im niedersächsischen Landtag meldete sich die Linken-Fraktionschef Krezentia Flauger zu Wort und forderte Wulffs Rücktritt.

Kritik an Pro Christ "nicht nachvollziehbar"

Wulff steht im Sperrfeuer und der Verein Pro Christ mit ihm. Reinhard Hempelmann allerdings hält Pro Christ für unbedenklich. Er ist so etwas wie der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Als Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen hält er die Vorwürfe für "nicht nachvollziehbar". Die EKD arbeite seit der Gründung von Pro Christ 1993 mit dem Verein zusammen. Zahlreiche evangelische Bischöfe wie der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber seien dort Mitglied. Zudem gehörten neben Wulff auch andere Politiker, wie der SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel, dem Kuratorium von Pro Christ an. "Die evangelische Kirche ist ein bunter Haufen. Genauso auch Pro Christ. Ich halte den Verein für grundsätzlich unproblematisch", sagt Reinhard Hempelmann.

Auch der Kirchenamtspräsident der EKD, Hermann Barth, nahm Pro Christ vor den pauschalen Angriffen in Schutz. Gegenüber dem epd sagte er, die Angriffe gegen Pro Christ seien "eine unerträgliche Diskreditierung und Diffamierung".

Wie realistisch sind die Befürchtungen wirklich, dass Wulff das höchste Staatsamt für eine bibeltreue Mission nutzen würde? Oder handelt es sich nicht doch eher um eine Wahlkampf-Kampagne der Wulff-Gegner? Die Nutzer von Facebook diskutieren jedenfalls eifrig über den "Zeit Online"-Artikel, und die meisten halten das Ganze für eine Farce. Ein ironischer Kommentar der Diskussion bringt die Stimmung dann auch auf den Punkt: "Wenn jetzt noch rauskommt, dass das C in CDU für christlich steht ..."


Lilith Becker ist Absolventin der evangelischen Journalistenschule in Berlin und freie Journalistin in Frankfurt.

Kommentare

Verfasst von Herta am 10. November 2011 - 20:37.

Religiöse Wahnideen?

Die Veranstaltung Pro Christ ist doch harmlos. Und wer nicht dafür ist, geht...

Die Veranstaltung Pro Christ ist doch harmlos. Und wer nicht dafür ist, geht einfach nicht hin. So einfach ist das. Ich bleibe neuerdings auch zuhause - aber aus anderen persönlichen Gründen.
Der Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Herr Hempelmann, hat Recht, denn er hält die Vorwürfe für "nicht nachvollziehbar". Die EKD arbeite seit der Gründung von Pro Christ 1993 mit dem Verein zusammen..

Atheisten mögen nichts Christliches und Biblisches, das erfahre ich fast in jedem beliebigen Forum und aus unterschiedlichen Medien aller Couleur.
Gender Mainstreaim ist angesagt.

Verfasst von systemix am 26. Juni 2010 - 21:52.

S M D & Co

Mir ist es völlig wurst, wo sich der Herr Wulff engagiert. Er ist daf...

Mir ist es völlig wurst, wo sich der Herr Wulff engagiert. Er ist dafür bekannt sich in allem und jedem einzuklinken, wenn es seiner Profilierung dient. Der Traumschwiegersohn hannöverscher Mütter dürfte bei den glaubens- und sittenstrengen Evangelikalen ob seines Lebenswandels eher selbst in Erklärungsnot  geraten.

Was das Treiben eines Ulrich Parzany angeht toleriere ich seine Ansichten nicht. Evangelium und Schwulenhetze stehen sich konträr gegenüber. Ansonsten darf er getrost in seinen SMD Erinnerungen (hat nichts mit den Halbleiterbauteilen zu tun) schwelgen und den Kreationismus pflegen. Ich ziehe Kreativität vor. Dass sich Würdenträger der Landeskirche bei Pro Christ engagieren, sollte deren Privatsache sein. Ich kannte auch mal so einen schwärmerischen Theologen, der meinte damit mehr Besucher zum Gottesdienst heranziehen zu können. Wenn dadurch eine lebendige Gemeinde entsteht, von mir aus gern. Aber Eiferer, die Ausgrenzung predigen, sollten sich fernhalten. Sie haben weder etwas in der Kirche, noch in einer Demokratie verloren.

 

Verfasst von marianne.henric... am 26. Juni 2010 - 21:38.

besser

Die Welt wurde ánders,besser aussehen,gäbe es mehr Politiker,die...

Die Welt wurde ánders,besser aussehen,gäbe es mehr Politiker,die ihre Bibeltreue weltansichten in ihr politisches treiben versuchen wurden um zu setzen.Es ist mutig(anmutig)um G´´ttes Wort als bestimmend für denken und tun zu bekennen.

Marianne Henrici

Verfasst von chmue am 26. Juni 2010 - 13:01.

 Ich freue mich, daß es

 Ich freue mich, daß es ProChrist gibt und hoffe Hr. Wulff bleibt im...

 Ich freue mich, daß es ProChrist gibt und hoffe Hr. Wulff bleibt im Kuratorium und hält der Propaganda gegen ihn und ProChrist von atheistischer, aber wie im Artikel steht sogar "christlicher" Seite stand.

Warum unsere Landeskirchen nicht mehr mit ProChrist zusammenarbeiten sollen verstehe nicht (vorallem, weil die Landeskirchen den Großteil der ProChrist Befürworter und Unterstützer ausmachen), es ist erstaunlich, was ProCHrist alles auf die Beine stellt, wievielen Menschen durch die wunderbaren Predigten von Ulrich Parzany geholfen wurden. Wie viele Menschen haben durch ProCHrist (und JesusHouse) Jesus gefunden, das ist einfach wunderbar.

Die Kritik im Kommentar verstehe ich nicht, es handelt sich wieder einmal über bestimmte Kreise in den Landeskirchen, die Aufmerksamkeit erhaschen wollen, weil sie sonst meinen nicht mehr gehört zu werden.

ProChrist hilft die Grenzen zwischen den Konfessionen zu überwinden und unsere Gemeinsamkeiten werden hervorgehoben, und eben nicht die Unterschiede. Die Botschaften sind allesamt biblisch fundiert und von guten Theologen geschrieben. Hier bekommt man Evangelium, eine gute Nachricht, vermittelt.

Ich kann nur ProChrist viel Segen wünschen und freue mich, wenn mit JesusHouse 2011 und ProChrist 2013 der ProChrist Verein geballt in Stuttgart auftreten wird.

 

Verfasst von Nightfall am 26. Juni 2010 - 12:21.

Ich möchte Herrn Wulff keine

Ich möchte Herrn Wulff keine gefährlichen Tendenzen unterstellen,...

Ich möchte Herrn Wulff keine gefährlichen Tendenzen unterstellen, aber der Verein ProChrist e.V. sollte endlich kritischer gesehen werden. Wenn man sich beispielsweise die zentrale Rolle von Herrn Parzany ansieht und dann einmal seine theologischen Grundüberzeugungen betrachtet, so ist eine solche Veranstaltung für die EKD und ihre Gliedkirchen mehr als nur nicht tragbar.

Der theologische Grundtenor von proChrist ist doch deutlich zu singulär Evangelikal als dass sich Landeskirchen daran beteiligen sollten. Den Willen zur weltanschaulichen Offenheit, welcher unsere Landeskirchen prägt, kann ich dort nicht erkennen.

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