KZ-Gedenkstätte als Weltkulturerbe?

Lagertor an der Gedenkstätte des KZ Buchenwald

Lagertor an der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald mit der Inschrift "Jedem das Seine". Foto: G. Seifert

Weimar - Thüringer Historiker und Politiker haben eine Aufnahme der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar in die Liste der Weltkulturerbestätten gefordert.

ekm online Gerhard Seifert

Orte wie die Wartburg und seit wenigen Tagen das Oberharzer Wasserregal oder die Grachten in Amsterdam gehören zu den insgesamt 911 von der Unesco anerkannten Weltkulturerbestätten. Geehrt werden damit besondere Kulturleistungen und Naturphänomene.

Nun haben Thüringer Historiker und Politiker eine Aufnahme der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald in die Liste der Weltkulturerbestätten gefordert. Das KZ Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar lässt sich wohl kaum als Naturphänomen oder besondere Kulturleistung einordnen. Für Gedenkstättenleiter Volkhard Knigge geht es aber darum, die Erinnerungsarbeit, die mit dem Konzentrationslager verbunden ist, zum Weltkulturerbe zu erklären. Knigge verweist auch darauf, dass das Nazi-Vernichtungslager Auschwitz bereits seit 1979 zur Liste der Welterbestätten gehört.

Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf hat sich ebenfalls für einen Welterbeeintrag ausgesprochen. Damit käme die ganze Stadtgeschichte Weimars in den Blick. Der Jenaer Historiker Professor Lutz Niethammer betont in einem Interview mit der „Thüringer Allgemeinen“ die doppelte Geschichte Buchenwalds als Konzentrationslager und sowjetisches Speziallager nach 1945. Er verstehe die Welterbeliste als Appell des Weltgewissens an die jeweiligen Verantwortlichen, auf diese Orte ein besonderes Auge zu haben. Seiner Ansicht nach sollte ein Eintrag bei der Unesco erfolgen.

Anders sieht das der Oberbürgermeister der polnischen Stadt Oswiecim, Janusz Marszalek. Die Stadt liegt in unmittelbarer Nähe von Auschwitz. Er rät zu einer eigenen Unesco-Liste für Orte der Schande, wie sie die Konzentrationslager darstellen. „Gedenktafeln sind gut für Dichterhäuser, aber nicht für frühere Wohnungen von Mördern“ sagt der Oberbürgermeister in einem Gespräch mit der „Thüringer Allgemeinen“. Der Eintrag von Auschwitz in die Weltkulturerbeliste sei von der damaligen kommunistischen Regierung in Polen ohne Einbeziehung der Bevölkerung betrieben worden.

Das Konzentrationslager Buchenwald war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden. Es wurde zwischen Juli 1937 und April 1945 auf dem Ettersberg bei Weimar als Arbeitslager betrieben. Insgesamt waren in diesem Zeitraum etwa 250.000 Menschen aus allen Ländern Europas im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Die Zahl der Todesopfer wird auf etwa 56.000 geschätzt, darunter 11.000 Juden. Nach 1945 wurde das Gelände von der sowjetischen Besatzungsmacht als Speziallager Nr. 2 genutzt. Es existierte bis 1950 und forderte 7.000 Todesopfer. Auf dem Gelände des ehemaligen Lagers ließ die Regierung der DDR 1958 die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eröffnen. Heute finden sich in der 1991 neugestalteten Gedenkstätte Buchenwald viele Ausstellungen zur Geschichte des Konzentrationslagers.
 

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