Innovation - Wenn Technik-Gurus einen Ausblick auf die Trends des Jahres 2010 wagen, ist ein Thema stets heiß gehandelt: das mobile Netz. Surfen per Multimedia-Handy oder Netbook ist angesagt wie nie. Google und Apple heizen nun den Kampf um die kauffreudigen Kunden weiter an. Der Suchmaschinen-Primus will gegen die iPhone-Macher punkten und hat am Dienstagabend mit dem "Nexus One" sein erstes eigenes Handy vorgestellt. Apple legt nach und stellt laut US-Medien den lang erwarteten Tablet-Computer Ende Januar vor, um ihn Ende März auf den Markt zu bringen. Die Rivalität zwischen den Konzernen, die lange befreundet waren, wird damit immer deutlicher.
Apple ist die unangefochtene Nummer 1 im Taschen-Internet. Der Computerhersteller hat mit dem iPhone und dem Multimedia-Player iPod Touch gezeigt, wie das Surfen auch unterwegs und auf einem kleinen Bildschirm Spaß macht. Perfekt designte Hardware, perfekt abgestimmte Software - das ist der Apple-Weg. Der Tablet-Computer wäre der Versuch, einen weiteren Meilenstein zu setzen.
Trotz Apples üblicher Geheimniskrämerei wollen amerikanische Blogs und Medien Details in Erfahrung gebracht haben. Kernstück des Gerätes ist demnach ein berührungsempfindlicher Bildschirm. Mit einer Diagonale von zehn bis elf Zoll (rund 25 bis 28 Zentimeter) ist er größer als der des E-Book-Lesegerätes Kindle. Da der Tablett-förmige Computer - wie in dieser Geräteklasse üblich - keine Tastatur hat, ist er aber handlicher als die meisten Notebooks. Das Gerät koste zwischen 700 und 1.000 Dollar, berichtete das "Wall Street Journal".
Direktzugang zu Apples Online-Läden
Beobachter vermuten, dass Apple sein noch namenloses Gerät mit einem Direktzugang zu seinen beiden Online-Läden ausstattet. Im "App Store" könnten die Käufer dann kleine Zusatzprogramme herunterladen, die das Tablett zum Allzweckwerkzeug machen. Und mit dem "iTunes Store" wird das Gerät multimedial.
Denn in den virtuellen Geschäft gibt es mehr als Musik und Videos. Immer mehr Medienhäuser nutzen die Plattform als Kiosk und verkaufen darüber Zeitungen oder Magazine in digitaler Form. "Solche Inhalte würden von einem größeren Bildschirm profitieren", sagt Carolina Milanesi, Marktforscherin bei Gartner. Das Gerät wäre Notebook, iPod und E-Reader in einem - eine attraktive Mischung für Technik-Fans.
Apple verdient daran dreifach: an Geräten sowie der Provision beim Verkauf von Software und Medieninhalten. Google setzt auf ein anderes Geschäftsmodell: Der Suchmaschinen-Konzern macht den allergrößten Teil seines Umsatzes mit Anzeigen. Um die wachsende Zahl der mobilen Surfer zu erreichen, brachte Google daher Ende 2007 das offene, kostenlose Betriebssystem Android auf den Markt. Das Kalkül: Je mehr Hersteller Geräte mit der Software verkaufen, desto öfter klicken die Nutzer auf Werbung in Google-Diensten - was wiederum das Kerngeschäft befeuert.
Google-Handy kein echter Einstieg ins Hardware-Geschäft
Nun bringt der Konzern mit dem "Nexus One" erstmals ein eigenes Gerät auf den Markt, zunächst in den USA. Das Gerät ist allerdings auf den zweiten Blick kein 100%iges "Google Phone". Weil der Internetkonzern keine Erfahrungen im Hardware-Geschäft hat, arbeitet er mit HTC zusammen. Der taiwanesische Hersteller fertigt das Gerät in seinen Fabriken und wird Berichten zufolge auch den Kundenservice übernehmen. Eine solche Abteilung müsste Google erst aufwendig aufbauen. Ein echter Einstieg ins Hardwaregeschäft sieht anders aus.
Mit "Nexus One" setzt Google dennoch Maßstäbe: Der Prozessor ist mit einem Gigahertz stärker als alle bisherigen Android-Modelle - und auch als das iPhone. Auch Grafik und Akku-Laufzeit kommen bei den ersten Testern gut weg. Die Software ist Google pur - die bislang unveröffentlichte Version 2.1 des Betriebssystem enthält alle Dienste des Konzerns samt der kostenlosen Auto-Navigation. Google will das Nexus in den USA über einen eigens eingerichteten Webshop ohne Vertrag für 529 Dollar verkaufen, mit Zwei-Jahres- Vertrag von T-Mobile USA kostet das Handy 179 Dollar, also knapp unterhalb des Preises für die neueste iPhone 3Gs. Die Preise für Deutschland stehen noch nicht fest. Kunden hierzulande müssen sich aber noch etwas gedulden, bevor sie mit dem "Nexus One" telefonieren können. Google und sein hiesiger Partner Vodafone wollen das multifunktionale Handy im Frühjahr in Europa auf den Markt bringen.
"Google will zeigen, was Android-Telefone können", bewertet Ralf Kaumanns, Mitautor des Buches "Die Google-Ökonomie", den Schritt. Der Konzern setze damit die anderen Android-Hersteller unter Druck, die Lücke zum iPhone werde somit kleiner. Dass Google Apple damit seine loyalen Fans abspenstig machen kann, glaubt der Unternehmensberater jedoch nicht: "Apple ist und bleibt der Meister des Fachs."
Die Rivalität zwischen den Konzernen heizt das trotzdem an. Apple wehrt sich auf seine eigene Weise: Der Konzern hat am Montag laut einem Bericht des "Wall Street Journal" für 275 Millionen Dollar die Firma Quattro Wireless gekauft. Sie betreibt eine Werbe-Plattform für mobile Geräte - eigentlich Googles Kerngeschäft.




Kommentare
RE: Neue Geräte: Apple und Google kämpfen ums mobile Internet
Hallo Herr Kerkmann,
aus Suchmaschinensicht, würde ich sagen ist die Hardware vollkommen egal. Es geht ja darum wer in Zukunft die Werbung vermarkten darf. Nachdem Apple nun einen Onlinevermarkter für Mobilwerbung gekauft hat, ist Google mit seinem Adsense Programm in der Zwickmühle.
Denn Google muss in den Mobilen Markt investieren, dort ist wie sie ja schreiben die Zukunft. Aber es gibt ein großes Problem der verkleinert Monitor, wie um Himmelswillen soll man seinen Content dort übersichtlich aufbereiten und trotzdem die Werbung an präsenter Stelle positionieren.
Typische TKP Kampagnen kann man in diesem Umfeld nicht mehr fahren, da die Anzeigefläche zu klein ist. Es bleibt für kommerzielle Anbieter also nur der Ausweg über einen Keywordvermarkter der diese Anzeigen optimal belegt und somit den größtmöglichen Gewinn einbringt. (also zum Vermarkte Apple oder Google.)
Nun ist für den kommerziellen Content Anbieter die Frage, welcher der beiden (google oder apple) kann mir auf meinen wenigen Werbeplätzen den maximalen Profit bringen?
Hier wird der gewinnen der seine Nutzer am besten kennt, und das kann man nur indem man seinem Nutzer eine Art Visitenkarte gibt. Also eine ID oä. Und hier ist eine dauerhafte Software ID doch eine bessere Lösung als ein Cookie oder ähnliches.
Ergo wer die Softwaremacht beherrscht kann besser vermarkten, und wird so mehr Werbeplätze bekommen.
Man brauch also kein Google Handy sonder nur Googlesoftware auf irgendeinem Handy.
PS: Auch ich versuche es mit einer Mobilen Variante im Netz Fuß zu fassen hier aber nur mit Google. Besuchen sie mit ihrem Iphone doch einfach unsere Kundendienst Homepage. Dort sollten sie dann eine für den Mobilen Inhalt aufgearbeitet Internetseite finden.