Meine Meinung: "Bild"s Kampf ist unnötig

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Kommentar - "Das wird mal wohl noch sagen dürfen", titelt heute die "Bild" und erklärt sich selbst zum Kämpfer für die Meinungsfreiheit. Das ist unnötig: Die Meinungsfreiheit in Deutschland blüht geradezu.

Von Henrik Schmitz

Was ist eigentlich los in diesem Land? Thilo Sarrazin schreibt ein Buch, das in jedem Laden zu kaufen ist. Er tritt in Talkshows auf und gibt Interviews in großen Zeitungen wie "Die Welt" und die "Zeit". In Internetforen melden sich massenhaft Befürworter von Thilo Sarrazin und seinen Thesen und auch prominente Fürsprecher wie Henryk M. Broder oder Arnulf Baring erhalten Raum, sich zu äußern. Anders ausgedrückt: Sie haben die Freiheit, ihre Meinung zu sagen. Die Meinungsfreiheit in Deutschland blüht geradezu. Trotzdem erklärt sich die "Bild" nun selbst zum Kämpfer für die Meinungsfreiheit, die das Boulevardblatt offenbar ebenso bedroht sieht, wie viele Menschen in diesem Land. Über diese Ignoranz und Dummheit kann man sich nur wundern. Wenn "Bild" kämpfen will, dann besser in Weißrussland, im Iran oder in China.

"Wer nichts gelernt hat, soll hinterher nicht jammern, dass er keinen Job bekommt", "Wer Arbeit ablehnt, verdient keine Stütze", "Zu viele junge Ausländer sind kriminell". Diese und andere Aussagen, die man in Deutschland angeblich nicht sagen dürfe, druckte "Bild" auf Seite 1 und 2 seiner Samstagsausgabe. "Darf man denn nicht mehr seine Meinung sagen?", fragt die Boulevardzeitung dazu ganz unschuldig. Die klare Antwort lautet: "Doch, darf man."

Von wegen Sprechverbot

Aussagen, wie die von "Bild" zitierten, fallen nicht nur an jedem Stammtisch, sie sind auch massenhaft publiziert - nicht nur bei "Bild" selbst, sondern auch bei anderen Zeitungen und im Rundfunk. "Bild" ignoriert das und erblödet sich nicht zu schreiben: "Die Tatsache, dass 600 Journalisten zur ersten Vorstellung von Thilo Sarrazins Buch kamen, dass diese Präsentation live im Fernsehen übertragen wurde, macht klar, dass es Sprechverbote bei uns gibt." Da darf sich also ein Mann live im Fernsehen äußern, 600 Journalisten begleiten den Auftritt und schreiben anschließend über Sarrazins Thesen in ihren Blättern und die "Bild" spricht da von "Sprechverbot"? Es kommt ja häufiger vor, dass "Bild" Stuss schreibt, aber so ein Oberstuss war selten. Nein, liebe "Bild", über ein Sprechverbot kann sich Sarrazin nun wirklich nicht beklagen. Sprechverbot wäre gewesen, wenn die Medien Sarrazins Thesen verschwiegen hätten. Das haben sie wahrlich nicht.

Was "Bild" und andere aber begreifen sollten ist, dass die Meinungsfreiheit auch für die gilt, die eine jeweils andere Meinung haben. Eine Meinung, die vielleicht deshalb anders ist, weil es in Medien und Politik durchaus noch Menschen gibt, denen die Vereinfachung von komplexen Themen und Zusammenhängen im wahrsten Sinne des Wortes "zu einfach" ist. Es ist aber geradezu Pflicht und Aufgabe von Politikern und Medien, dort aufzuklären, wo Aufklärung nötig ist und Widerspruch zu üben, wo Widerspruch nötig ist.

Das Problem mit Sarrazin ist ja nicht, dass er nicht mit vielen seiner Aussagen – das Thema Vererbung von Intelligenz mal nicht mitgezählt – Recht hat. Das Problem ist, dass er eine Stimmung erzeugt, die eher zur Spaltung denn zur Integration beiträgt. Sarrazin, der die Dinge vermutlich wesentlich differenzierter betrachtet als die meisten derer, die ihm nun applaudieren, hätte das wissen müssen. Zudem ist "Wahrheit" mehr als die Summe richtiger Aussagen. Richtig ist zum Beispiel auch, dass Ausländer oft diskriminiert werden, wenn sie sich um einen Ausbildungsplatz bewerben oder sie eine Wohnung anmieten wollen. Richtig ist auch, dass auch in deutschen sozial schwachen Milieus viele Jugendlichen kriminell werden, Menschen in der U-Bahn anpöbeln und ihre Frauen schlecht behandeln. Wer eine These hat, findet immer eine Statistik, mit der er seine These "belegen" kann.

Die Grenzen der Meinungsfreiheit

Gelungene Integration erreicht man nicht allein durch Deutschkurse, Burkaverbote oder härtere Abschiebungsregeln, sondern etwa auch durch mehr Ganztagsschulen, islamischen Religionsunterricht durch deutsche Lehrer und Abbau von Diskriminierung bei der Vergabe von Arbeitsplätzen. Dass sich die Hamburger kürzlich gegen das längere gemeinsame Lernen ausgesprochen haben, war aus Sicht guter Integrationspolitik übrigens denkbar ungünstig. Deutschland muss seine Migranten fordern, es muss sie aber auch fördern. Das Fordern wiederum kommt zu kurz, wenn man wie beispielsweise Renate Künast nur das "Wir wollten Arbeiter und haben Menschen bekommen"-Mantra abnudelt, das übrigens auch eine starke Vereinfachung der komplexen Materie Integration darstellt und dazu dient, an die moralischen Werte derer zu appellieren, die die Grünen wählen.

Noch eines zum Thema Meinungsfreiheit. Gerade in Internetforen wird häufig behauptet, es finde eine Zensur statt, wenn gelegentlich Nutzerkommentare nicht publiziert werden. Dies ist ein Irrtum. Übersehen wird nämlich, dass die in Artikel 5 des Grundgesetzes festgelegte Meinungsfreiheit ihre Grenzen hat, unter anderem im Recht der persönlichen Ehre. Was aber manche Menschen an "Meinung" äußern, geht weit über die Grenzen von Beleidigungen hinaus. Der Internetpionier Jaron Lanier sprach in diesem Zusammenhang zuletzt von der "Meute im Netz". Wer anonym sei, müsse keine Konsequenzen fürchten und erhalte dennoch unmittelbare Genugtuung, sagte Lanier. "Da wird ein biologischer Schalter umgelegt, und es entsteht eine richtige Meute. Das lässt sich auch in anderen Lebensbereichen beobachten. Wann immer sich Menschen mit einem starken gemeinsamen Glaubenssystem zusammenschließen, tritt meistens das Schlechteste zutage." Wenn man dieser Schlechtigkeit kein Forum bietet, hat das mit Sprechverboten oder Zensur herzlich wenig zu tun. Das begreift sogar die "Bild", die auf ihrem Onlineportal auch längst nicht alles freischaltet, was die Nutzer so schreiben. Was das Thema Integration angeht, ist Laniers Aussage aber natürlich auch aus anderer Perspektive durchaus interessant.


Henrik Schmitz ist Redakteur bei evangelisch.de und betreut die Ressorts Medien und Kultur
 

Kommentare

Verfasst von Gast am 14. September 2010 - 21:03.

Kritik leicht gemacht

Hallo Herr Schmitz, da haben Sie es sich ja ziemlich leicht gemacht: auf die...

Hallo Herr Schmitz,
da haben Sie es sich ja ziemlich leicht gemacht: auf die BILD einzuhauen, das ist ja spätestens seit BILDblog allgemeiner Konsens.

Und das Beispiel Weissrussland oder China ist ja ziemlich weit hergeholt - Sie wissen doch auch, dass politische Korrektheit anderes geht. Nämlich über Tabus. Und da fällt einem doch eher die Mediensituation in Berlusconis Italien oder in Russland ein. Ganz offiziell sind das "lupenreine" Demokratien - was aber nicht heißt, dass man hier alles so ohne weiteres öffentlich sagen darf. Meine Sorge ist, dass wir auf einem Weg in diese Richtung schreiten, wenn wir unbequeme Menschen wie Herrn Sarrazin so behandeln. Macht es Ihnen keine Sorge, dass die Medien die Menschen so aufgepeitscht haben, dass Herr Sarrazin Polizeischutz benötigt, wenn er irgendwo auftritt? Mir schon. Ich dachte, so etwas bräuchten nur echte System-Kritiker wie Roberto Saviano.

Ich finde, Sie haben Ihre Expertise als Medienredakteur echt verschwendet mit diesem Artikel. Warum bohren Sie nicht etwas tiefer?

Verfasst von HenrikSchmitz am 15. September 2010 - 10:37.
Kommentar auf: Kritik leicht gemacht

Ich bin demnächst in Italien,

Ich bin demnächst in Italien, dann schaue ich mal, ob ich dort auch etwas...

Ich bin demnächst in Italien, dann schaue ich mal, ob ich dort auch etwas bohre. Es stimmt natürlich, dass man relativ leicht immer auf Bild hauen kann, aber in diesem Fall fand ich das angemessen, weil dieser angebliche Kampf für die Meinungsfreiheit wirklich sehr dreist war.

Beste Grüße

Henrik Schmitz

Verfasst von Steffen am 6. September 2010 - 6:44.

Endlich mal ein richtig guter

Endlich mal ein richtig guter Kommentar!! Danke! Wir sollten nicht vergessen,...

Endlich mal ein richtig guter Kommentar!! Danke!

Wir sollten nicht vergessen, dass es Bild war, die diese gesamte Veranstaltung Inszeniert hat: Erst werden ein paar Thesen gedruckt, dann wird der Empörung über die Thesen Raum gegeben, dann der Empörung über die Empörung...

Eine genauere Analyse dieser Inszenierung lohnt sicherlich! Nach meinem Eindruck wurde der Skandal künstlich erzeugt und zwar nicht von Sarrazin, sondern von BILD, die damit natürlich eines erreichen: beste Verkaufszahlen... 

 

Verfasst von Maria Magdalena am 5. September 2010 - 15:06.

Verlogene Eliten

 @ Hendrik Schmitz War es nicht sogar eine Kommunistin (und nicht die BILD...

 @ Hendrik Schmitz

War es nicht sogar eine Kommunistin (und nicht die BILD), die den klugen Satz gesagt hat: "Freiheit ist immer die Freiheit der anders denkenden"? Und ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie SPD und CDU sich des Themas annehmen? Politically correct, versteht sich.

In der heutigen Welt am Sonntag hat die Politikwissenschaftlerin und Autorin Cora Stephan folgenden Kommentar veröffentlicht. Lesenswert!

Unsere verlogene Elite

Cora Stephan erklärt die große Zustimmung, die Thilo Sarrazin in der Bevölkerung erfährt, mit dem Unmut über ein Sozialsystem, das es Migranten zu leicht macht

Von Cora Stephan

Wenn Deutschland ein Einwanderungsland werden will, muss es noch üben. Mit einer "Debattenkultur", in der Fernsehmoderatoren als heilige Inquisition den freien Gedankenaustausch brutal unterbinden, mit einer politischen Führung, die sich untertänigst bei allen entschuldigt, die sich von ausgeübter Meinungsfreiheit womöglich beleidigt fühlen könnten, ist jedenfalls kein Staat zu machen. Das lockt keine Fachkraft zu uns - und die Deutschen selbst, die man ja so eigentlich nicht mehr nennen darf, fühlen sich der Political Correctness geopfert. Wenn wir schon vom guten Ruf Deutschlands reden, dann hat ihm nicht Thilo Sarrazin den Rest gegeben, sondern Politik und öffentliche Meinung. Was bitte ist von einem Land zu halten, dessen Elite das Hantieren mit Zahlen als "unmenschlich" und "gefühlskalt" empfindet? Wo eine Landesministerin verkündet, sie kenne ihre Migranten, die müsse man eben mit "kultursensibler Sprache" und Wärme "in die Mitte" nehmen? Wo der Bundespräsident die Integration für eine Frage der Teilnahme an "Integrationskursen" hält und wo in einem seriösen Blatt wie der "Zeit" gefordert wird, wichtige Debatten nicht während des Ramadan zu führen, weil "Menschen mit Migrationshintergrund" dann andere Sorgen hätten? Da lachen doch die Hühner. Und die Inder.

Wer seinen Kopf benutzt, weiß, dass man in diesem Land viel für die Integration der Hinzugekommenen getan hat und dass nun auch einmal die anderen dran sind. Die Wahrheit ist den Menschen zuzumuten. Denn das Grundproblem, das Thilo Sarrazin anspricht, ist ja nicht neu: Bislang haben die Anreize überwogen, die einen Zuzug nicht in Arbeit, sondern in das Sozialsystem attraktiv machen. Ausländer mit jener so dringend benötigten naturwissenschaftlich-technischen Intelligenz, die hier etwas werden und gestalten wollen, lockt das nicht. Stattdessen gibt es eine auffällige Minderheit mit überwiegend türkischem oder arabischem Hintergrund, die dieses Land, seine Bevölkerung, deren Kultur, Religion und Lebensweise verachten. Warum man diese autoritär-patriarchalisch geprägte Bevölkerungsgruppe umarmend "in die Mitte" nehmen will, ist mir schleierhaft. Die will nicht umarmt werden. Die ist auch kein Opfer und schon gar nicht dumm. Kinderreiche Migranten, die "hartzen", können zumindest eines: rechnen. Es reichen die Grundrechenarten, um zu erkennen, dass sich Arbeiten nicht lohnt - zumal in der öffentlichen Rhetorik "Leistung" nicht gerade angesehen ist.

Deutschland fehlt es an Selbstachtung. Warum sollten kleine Machos Respekt vor einem Land haben, in dem die Menschen fürchten, als ausländerfeindlich und rassistisch zu gelten, wenn sie primär an die eigenen Wertvorstellungen denken - und erst danach an den Ramadan? Wozu Respekt vor einem Land haben, in dem niemand Grenzen zieht? In dem "Leistungsträger" verachtet und "Leistungsempfänger" heilig gesprochen werden? Und in dem man glaubt, Bildung sei durch mehr Geld zu bekommen, und nicht vielmehr durch eine Umgebung, in der Produktivität, Leistung und Herausforderung den Alltag bestimmen - kurz: in der gearbeitet wird? Doch man beugt sich nun mal hierzulande lieber über Opfer, als sich um die Ehrgeizigen zu bemühen, die "Leistungsträger".

Nein, an der Fertilität der "Falschen" wird dieses Land nicht zugrunde gehen, da hat Sarrazin sich gründlich verrannt. Gewiss aber ist für eine erfolgreiche Integration schlecht gerüstet, wer sich einer paternalistischen Kultur zugehörig fühlt, in der das Individuum nichts, die Familie oder die (Glaubens-)Gemeinschaft alles ist. Die individuelle Zurechnung von Erfolg ist die Bedingung für jenen Aufstiegswillen, von dem wir hier mehr benötigen. Irgendjemand muss den Wohlstand schaffen, den Politiker verteilen möchten. Doch das macht wenig Spaß, wenn man schon bei gemäßigtem Wohlstand als einer der "Reichen" gilt, denen man nehmen muss.

Thilo Sarrazin ist der Racheengel der frustrierten Mittelschicht - die hohen Zustimmungsraten für ihn spiegeln den Unmut der arbeitenden Bevölkerung. Sie hätte alles Recht der Welt, gekränkt und beleidigt zu sein. Nicht nur Sarrazins Äußerungen sind "für viele Menschen in diesem Land nur verletzend", wie Angela Merkel wissen ließ. Auch der Kanzlerin Ignoranz all den anderen gegenüber. Und diese Menschen erzürnt nicht nur, dass mit Sarrazin ein Sündenbock zum Opfer gebracht wurde - sondern auch, dass im Zuge der Hatz auf ihn zivilisatorische und politische Grundwerte auf der Strecke geblieben sind.

Die Bundeskanzlerin gerierte sich als Oberzensorin, obwohl sie das Buch des Autors gar nicht gelesen hatte, empfahl hernach dem Vorstand der Bundesbank öffentlich, sich von Thilo Sarrazin zu trennen, und lobte zum Schluss dessen "unabhängige Entscheidung". Sollte das ein Scherz sein? Und was ist von einem Bundespräsidenten zu halten, der sich eilfertig als Erfüllungsgehilfe annonciert? Langsam ahnt man, was Altbundespräsident Köhler dazu bewogen haben könnte, den Bettel hinzuschmeißen. Soviel Arroganz gegenüber den Regeln der Demokratie hat man hierzulande selten erlebt. Und jetzt möchte unsere verlogene Elite, nachdem der Provokateur entfernt ist, endlich über das "Megathema der nächsten Jahre" diskutieren: über Integration.

Man fasst es nicht. Müssten wir nicht langsam einmal über die Kriterien diskutieren, die über Zuzug entscheiden sollten? Müssten wir nicht endlich damit beginnen, ein Einwanderungsland zu werden? Übrigens: Wir sind schon weiter, als die politische Betulichkeit es wahrnimmt. Das selbstbewusste Auftreten der Vorzeigemuslimas in der Debatte hat gezeigt, dass jemand mit Migrationshintergrund längst nicht mehr das Opfer ist, das man umhätscheln muss. Auch wenn sie sich gerne beleidigt geben: Falsche Rücksichtnahme auf ein so starkes Gegenüber ist nicht nötig.

Die Autorin ist Politikwissenschaftlerin, Historikerin und Verfasserin von Krimis
 

Maria Magdalena

Verfasst von TobiasGoldkamp am 5. September 2010 - 10:54.

So geht es nicht

Die Beschimpfung der Bild-Zeitung führt nicht weiter. Immerhin soll...

Die Beschimpfung der Bild-Zeitung führt nicht weiter.

Immerhin soll Sarrazin sein öffentliches Amt verlieren und aus der Partei geworfen werden. Das sind schon erhebliche Eingriffe, die geeignet sind, die Meinungsfreiheit zu beschädigen.

Wir sollten religiöse und kulturelle Faktoren in der Integrationsdebatte berücksichtigen. Dies ist bisher nicht ausreichend passiert.

Dass, wie von Sarrazin behauptet, auch genetische Einflüsse eine nennenswerte Rolle spielen, erkenne ich nicht. Aber auch das darf untersucht werden.

Tobias Goldkamp
http://goldkamp.de

Verfasst von Gast am 5. September 2010 - 14:57.
Kommentar auf: So geht es nicht

Natürlich helfen

Natürlich helfen Beschimpfungen der Bildzeitung weiter! In gewisserweise haben...

Natürlich helfen Beschimpfungen der Bildzeitung weiter! In gewisserweise haben die eine Verantwortung insbesondere als meistgelesenes Medium in Deutschland (Auflage und Klickzahlen). Frei nach Wickert: Gauner muss man Gauner nennen können.

Verfasst von systemix am 5. September 2010 - 8:40.

Meinungsfreiheit a la BILD

Ehe hier nun die Diskussion in die geistigen Niederungen eines Thilo Sarrazin...

Ehe hier nun die Diskussion in die geistigen Niederungen eines Thilo Sarrazin abgleitet, soll eines anderen Autors gedacht werden, der die BILD-Zeitung so bezeichnete: "Der tägliche Volksgerichtshof...", so schrieb vor Jahrzehnten Günter Wallraff.  Er muss es wissen, schließlich arbeitete er in der Hannoveraner Bild-Redaktion. Nun als Angehöriger der "älteren" Generation sind mir durchaus noch die Hetzkampagnen gegen Rudi Dutschke in Erinnerung.

Es ist kein Wunder, dass der entlassene Bundesbankvorständler von dieser Gazette zur Ikone stilisiert wird. Es passt wunderbar in das klassische Schema der Volksverhetzung. Die Sündenböcke sind schnell benannt und wechseln lediglich ihren Namen. Die Politik, deren vorrangigstes Ziel es ist, das Handeln an den Meinungsumfragen auszurichten, kommt mit einem Kanzlerinvorschlag, den schon eine andere Dame einmal äußerte, die glücklose Gesundheitsministerin Trulla Schmidt, nämlich HARTZ IV-Empfänger zur Altenpflege zwangszuverpflichten. Quelle: Bild am Sonntag. Tja, nun wird es doch sehr interessant. Wer fordert da Meinungsfreiheit? Das gleiche Organ, welches mittels gezielter Kampagnen die Bevölkerung verdummt um daraus seinen Profit zu ziehen. Die Meinungsfreiheit der BILD hat nur eines zum Ziel: die Meinungsmanipulation gegen Proteste anderer durchzusetzen. Wer anderer Meinung ist, der will die Meinungsfreiheit untergraben. Da spielt es keine Rolle, ob mit diesem Schlagwort ein Straftatsbestand gem. § 130 StGB (Volksverhetzung) bemäntelt werden soll.

Erschreckend an dieser Vorgehensweise ist vielmehr, dass gerade die Neonazis immer dann, wenn sie argumentativ in die Ecke gedrängt werden meinen, sie dürften ja nicht einmal mehr ihre Meinung äußern. Daran sähe man, dass es in Deutschland kein Meinungsfreiheit gäbe. Im nächsten Satz wird dann ungeschminkt davon gesprochen, dass die Demokratie schädlich für das deutsche Volk sei. Schädlich ist es aber vor allem, wenn Grundrechte instrumentalisiert werden, um dem Volk "Zucker" zu geben und ihre dunkelsten Triebe zu kitzeln. Eine Spezialtät der BILD-Zeitung.

Verfasst von systemix am 5. September 2010 - 8:40.

Meinungsfreiheit a la BILD

Ehe hier nun die Diskussion in die geistigen Niederungen eines Thilo Sarrazin...

Ehe hier nun die Diskussion in die geistigen Niederungen eines Thilo Sarrazin abgleitet, soll eines anderen Autors gedacht werden, der die BILD-Zeitung so bezeichnete: "Der tägliche Volksgerichtshof...", so schrieb vor Jahrzehnten Günter Wallraff.  Er muss es wissen, schließlich arbeitete er in der Hannoveraner Bild-Redaktion. Nun als Angehöriger der "älteren" Generation sind mir durchaus noch die Hetzkampagnen gegen Rudi Dutschke in Erinnerung.

Es ist kein Wunder, dass der entlassene Bundesbankvorständler von dieser Gazette zur Ikone stilisiert wird. Es passt wunderbar in das klassische Schema der Volksverhetzung. Die Sündenböcke sind schnell benannt und wechseln lediglich ihren Namen. Die Politik, deren vorrangigstes Ziel es ist, das Handeln an den Meinungsumfragen auszurichten, kommt mit einem Kanzlerinvorschlag, den schon eine andere Dame einmal äußerte, die glücklose Gesundheitsministerin Trulla Schmidt, nämlich HARTZ IV-Empfänger zur Altenpflege zwangszuverpflichten. Quelle: Bild am Sonntag. Tja, nun wird es doch sehr interessant. Wer fordert da Meinungsfreiheit? Das gleiche Organ, welches mittels gezielter Kampagnen die Bevölkerung verdummt um daraus seinen Profit zu ziehen. Die Meinungsfreiheit der BILD hat nur eines zum Ziel: die Meinungsmanipulation gegen Proteste anderer durchzusetzen. Wer anderer Meinung ist, der will die Meinungsfreiheit untergraben. Da spielt es keine Rolle, ob mit diesem Schlagwort ein Straftatsbestand gem. § 130 StGB (Volksverhetzung) bemäntelt werden soll.

Erschreckend an dieser Vorgehensweise ist vielmehr, dass gerade die Neonazis immer dann, wenn sie argumentativ in die Ecke gedrängt werden meinen, sie dürften ja nicht einmal mehr ihre Meinung äußern. Daran sähe man, dass es in Deutschland kein Meinungsfreiheit gäbe. Im nächsten Satz wird dann ungeschminkt davon gesprochen, dass die Demokratie schädlich für das deutsche Volk sei. Schädlich ist es aber vor allem, wenn Grundrechte instrumentalisiert werden, um dem Volk "Zucker" zu geben und ihre dunkelsten Triebe zu kitzeln. Eine Spezialtät der BILD-Zeitung.

Verfasst von Ingo1971 am 5. September 2010 - 0:52.

 >>Das Problem ist, dass er

 >>Das Problem ist, dass er eine Stimmung erzeugt, die eher zur...

 >>Das Problem ist, dass er eine Stimmung erzeugt, die eher zur Spaltung denn zur Integration beiträgt. Sarrazin, der die Dinge vermutlich wesentlich differenzierter betrachtet als die meisten derer, die ihm nun applaudieren, hätte das wissen müssen.<<

Also mit dem ersten Interview und seinem Buch alleine hat er bestimmt keine solche Stimmung erzeugt. 

>>Gelungene Integration erreicht man nicht allein durch Deutschkurse, Burkaverbote oder härtere Abschiebungsregeln, sondern etwa auch durch mehr Ganztagsschulen, islamischen Religionsunterricht durch deutsche Lehrer und Abbau von Diskriminierung bei der Vergabe von Arbeitsplätzen.<<

Siehe Berlin. Die meisten Kitas pro Schüler. Die meisten Lehrer pro Schüler, die meisten Schulen pro Schüler, die höchsten Ausgaben pro Schüler. Pisa unten. Integration unten.

Wer Sarrazin zugehört hätte der wüsste nun das die üblichen Maßnahmen statistisch gar nicht fruchtbar sich darlegen und nur noch dadurch aufrecht erhalten bleiben weil sie das Gewissen beruhigen.

Das war es doch was er sagen wollte. 

>>Noch eines zum Thema Meinungsfreiheit. Gerade in Internetforen wird häufig behauptet, es finde eine Zensur statt, wenn gelegentlich Nutzerkommentare nicht publiziert werden.<<

Wenn wegen Deinem Kommentar hier Deine Karriere ruiniert ist und Du entlassen wirst würde ich das schon eine Art Zensur nennen.

Ansonsten bekäme das Wort Freiheit in Meinungsfreiheit einen schalen Beigeschmack für mich.

Was kommt danach? Gefängnis für den der die falsche Meinung sagt. Aber sagen durfte er es also war es Meinungsfreiheit?

Meinungsfreiheit ist wenn man seine Meinung kund tut und das gesagte keine persönlichen Konsequenzen hat es sei denn man verstößt dabei gegen irgendwelche grundsätzlichen Rechte.

Das müsste aber für mich von Richtern fest gestellt werden und nicht von der Presse und ist auch von Fall zu Fall sehr individuell.

>>Was aber manche Menschen an "Meinung" äußern, geht weit über die Grenzen von Beleidigungen hinaus.<<

Stimmt. Was man über Sarrazin gesagt hat war echt unter aller Kanone.

 

 

 

 

 

 

 

“Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.” - Dietrich Bonhoeffer

Verfasst von HenrikSchmitz am 5. September 2010 - 7:51.

Natürlich gibt es keine

Natürlich gibt es keine Meinungsfreiheit, wenn man allein für eine...

Natürlich gibt es keine Meinungsfreiheit, wenn man allein für eine Meinung ins Gefängnis kommt (vorausgesetzt, sie bewegt sich im Rahmen der Gesetze, es gibt auch Holocaustleugner zum Beispiel).

Allerdings muss jeder wissen, was er in welcher Position tut und darf sich anschließend nicht über die Konsequenzen wundern. Die Bundesbank versteht sich als neutrales Verfassungsorgan, sie wirkt als deutsche Institution nach Außen. Der Bundesbank kann und darf es daher nicht egal sein, wenn ihre Vorstandsmitglieder Dinge äußern, die den Ruf der Bank beschädigen. Ob Sarrazin zu weit gegangen ist, das muss intensiv geprüft werden, notfalls von einem hoffentlich neutralen Verwaltungsgericht. Bislang war es ja gute Tradition, dass sich Bundesbänker mit Aussagen zu gesellschaftlichen Entwicklungen zurückgehalten haben.

Ich beispielsweise arbeite bei einem christlichen Internetportal. Ich hätte (nur als Gedankenspiel) die Freiheit zu sagen, Jesus hat es nie gegeben, der Hinduismus ist die wahre Lehre usw. Mit Recht würde dann aber wohl mein Arbeitgeber sagen, dass ich mir besser eine andere Stelle suchen soll.

Verfasst von Ingo1971 am 13. September 2010 - 21:04.
Kommentar auf: Natürlich gibt es keine

>>Der Bundesbank kann und

>>Der Bundesbank kann und darf es daher nicht egal sein, wenn ihre...

>>Der Bundesbank kann und darf es daher nicht egal sein, wenn ihre Vorstandsmitglieder Dinge äußern, die den Ruf der Bank beschädigen. << 

Wo wurde denn da ein Ruf geschädigt? Ein Großteil der Bürger in unserem Land steht hinter Sarrazin und seinen Thesen. Und die bezahlen auch die Bundesbänker.

Und sanktioniert hatte man ihn schon vorher.

 

“Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.” - Dietrich Bonhoeffer

Verfasst von HenrikSchmitz am 4. September 2010 - 16:59.

Sehr sehenswertes Video

Das hier finde ich sehr lustig und durchaus treffend :-)  

Das hier finde ich sehr lustig und durchaus treffend :-)

 

Verfasst von Gast am 4. September 2010 - 15:09.

wie wahr, wie wahr. "Bild dir

wie wahr, wie wahr. "Bild dir deine Meinung." Und zwar die von Bild. Andere...

wie wahr, wie wahr. "Bild dir deine Meinung." Und zwar die von Bild. Andere machen es auch - nur raffinierter; schwer durchschaubar auch für die Intelligenten. Und da wird es gefährlich ...

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