Jesuszeichnung: Satire darf nicht alles!

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Kommentar - Das aktuelle Cover der "Titanic" sorgt bei Christen für Empörung. Tatsächlich verletzt die Zeichnung religiöse Gefühle. Satire darf das. Sie muss es aber nicht mutwillig tun.

Von Henrik Schmitz

Das aktuelle Cover der "Titanic" zeigt einen Priester, der an der Lendengegend des am Kreuz hängenden Jesus Christus hantiert. Über 100 Beschwerden von Menschen, die durch die Zeichnung ihre religiösen Gefühle verletzt sehen, gingen beim Presserat ein. Die Frage, ob Satire alles darf, stellt sich erneut.
Um es kurz zu machen. Satire darf natürlich nicht alles. Als Meinungsäußerung ist sie nach Artikel 5 des Grundgesetzes zwar weitgehend geschützt, hat ihre Grenzen aber unter anderem im Persönlichkeitsrecht. Was das "Titanic"-Cover angeht, sind solche Rechtsverletzungen allerdings nicht zu erkennen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Missbrauchsdebatte dürfte wohl kaum ein Richter in der Zeichnung eine juristische Grenzüberschreitung erkennen. Aber darum geht es auch nicht. Denn ob Satire alles darf, ist weniger eine juristische, denn eine ethische Frage.

Eine Frage, die nur schwer zu beantworten ist, weil sie tief in den Bereich der Empfindungen und Gefühle hineinreicht und kaum argumentativ zu fassen ist. Wann jemand seine Gefühle verletzt sieht, ist sehr individuell. Und kaum zu klären ist, ob jemand "zu Recht" verletzt ist, weil jeweils andere Wert- und Moralvorstellungen zum Tragen kommen. Der eine stützt sich eher auf die Bibel, der andere bevorzugt das Grundgesetz.

Die Hände der Gläubigen

In der Debatte um das "Titanic"-Cover kommen Argumente zum Tragen, die bereits beim Streit über die Karikaturen über den Propheten Mohammed in der dänischen Zeitung "Jyllands Posten" 2005 eine Rolle spielten. Der Philosoph Paolo Flores d'Arcais argumentierte damals, die Grenzen der Meinungsfreiheit dürften nicht durch die religiösen Gefühle einer sich als verletzt bekennenden gesellschaftlichen Gruppe definiert werden. "Wenn man es zum Prinzip macht, dass kein religiöser Glaube verletzt werden darf, dann werden die Schlüssel dieser Freiheit in die Hände des Gläubigen und seiner Empfindlichkeit gelegt. Mit der offensichtlichen und paradoxen Folge, dass die Grenzen der Meinungsfreiheit umso enger werden, je stärker sich diese Empfindlichkeit - die bis zum Fanatismus gehen kann – äußert", schrieb er damals. Und fügte hinzu: "Wenn die Empfindlichkeit gegenüber Beleidigungen zum Kriterium würde, um die Meinungsfreiheit zu begrenzen, dann wäre jedermann ermutigt, seine Allmachtsfantasien auszuleben und sein natürliches Unbehagen an Kritik zum Ressentiment, zur Wut und schließlich zum Fanatismus zu steigern."

Eine Argumentation, der man sich nur sehr schwer entziehen kann. Tatsächlich wäre es unangebracht, beispielsweise die Gesetze so zu ändern, dass Religion von Satire ausgenommen werden muss. Religion ist einfach zu wichtig, als dass sie nicht auch kritisiert werden dürfte – und sei es in der Form der Satire. Die Trennung von Kirche und Staat ist eine Errungenschaft, die nicht allein den Einfluss der Kirche im Staat begrenzt, sondern umgekehrt eben auch die Kirche vor dem Einfluss des Staates schützt. Dies bedeutet aber auch, dass für Religion und Kirche in Sachen Meinungsäußerung keine Sonderregeln gelten dürfen. Jedenfalls keine, die über die bereits bestehenden Regeln wie etwa das Verbot der Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft hinausgehen.

Staatliche Gerichtsbarkeit

Der Presserat aber, der sich nun mit dem "Titanic"-Cover befasst, ist keine staatliche Gerichtsbarkeit. Er ist eine Ethikkommission und hat somit andere Wertmaßstäbe. Eine Rüge durch den Presserat hat nichts mir Zensur zutun, auch die Meinungsfreiheit wird durch eine Rüge nicht eingeschränkt, da ein Veröffentlichungsverbot mit ihr nicht einhergeht. Aus ethischer Sicht ist das "Titanic"-Cover wie Religionssatire allgemein durchaus problematisch. Natürlich gibt es Christen, die sich durch das Cover verletzt sehen. Ein Priester beim angedeuteten Oralverkehr mit einem am Kreuz hängenden Jesus Christus? Die Verballhornung eines solchen Symbols ist mindestens grenzwertig, der Presserat wird entscheiden müssen, ob sie auch grenzüberschreitend ist.

Wer aber die Zeichnung mit dem Hinweis auf die Meinungsfreiheit verteidigt, sollte sich zumindest auch die Frage stellen, welcher Verlust an Freiheit damit einhergeht, wenn - tolerant! - darauf verzichtet würde, Jesus Christus oder katholische Priester derart zu karikieren. Wer solche Zeichnungen veröffentlicht, muss sich bewusst sein, dass er damit Menschen bis ins Mark treffen kann. Dazu hat er das Recht. Aber auch das Recht, darauf zu verzichten. Etwas mehr Rücksicht mit religiösen Gefühlen egal welcher Natur wäre manchmal bei allem Sinn für Humor durchaus auch ein Gewinn.


Henrik Schmitz ist Redakteur bei evangelisch.de und betreut die Ressorts Medien und Kultur
 

Kommentare

Verfasst von Gast am 16. April 2010 - 12:01.

Religion - Symbole - Karikatur - ich fühl mich verletzt?

Ich weiss zwar nicht, was ihr alle habt. Will man auch die skeptische Seite...

Ich weiss zwar nicht, was ihr alle habt. Will man auch die skeptische Seite anhören oder leben wir wieder im Mittelalter. Ich bin Atheist und bin glaub ich der glücklichste Mensch auf dem Planeten, weil es arm ist, wenn man sich an auch(nur wesentlich früher) erfunde bildhafte Geschichten glaubt. Eins weiss ich mit Sicherheit, Hendrik Schmitz ist leider stark polarisierend und dadurch für mich alles andere als hilfreich. Klar, Glauben ist menschlich. Aber, nur gut, dass solche Leute in evangelischen Nischen arbeiten können, und nicht an allgemeiner Front. Nicht persönlich nehmen Herr Schmitz, aber es ist mir persönlich zu einfach. Er hat ja wie es scheint, auch ein kleinwenig Spass dabei, das er immer solche Verschwörer-Dinger schreibt. Oder bekommen Sie nicht die großen Aufträge, und wollen trotzdem provozieren, in dem Sie den Glauben und die entgültige Wahrheit gepachtet haben?

Ach, und noch was, warum vermischt man Dan Brown mit dem aktuellen bestehenden Wissen. Dan Brown ist ein Romanautor, und mixt NUR Geschichtswissen mit Fiktion. Darf er doch, die Leser sind die Dummen, wenn sie solches Wissen benchmarken. Das in der Geschichte so einiges nicht ans Tageslicht kam, lag wohl eher an Machtzentren, und leider gehört die Kirche da auch ganz oben auf die Liste, was Unterbindung und Flaschwissen angeht. Ich appeliere lieber an den gesunden Menschenverstand, aber der scheint ja eher zu schwinden....und das bei allen.

Schaut euch doch alle bitte mal die restlichen Weltreligionen an....und geht der Sache mal nach, was alle gemeinsam haben...dann merkt ihr ziemlich schnell, das JEDE Religion aus der Naturphilosophie abstammt und es einfach nur durch ein riesiges Fragezeichen am Himmel dazuführte, dass ein Kalender und somit Regelmäßigkeiten in den Jahreszeiten abgeleitet werden konnte und dieses Wissen zur Macht führte...es geht aber leider nur um die Sonne...Und dieses umgeformte Wissen wird dafür verwendet, dass sich ganze Länder/Kontinente/Glaubensgemeinschaftem das Recht rausnehmen andere Menschen killen zu dürfen, nur weil sie sich in ihrer Ehre und ihrer Glaubensansicht erniedrigt fühlen und wütend werden. Das findet hier auch statt, und das ist echt armselig. Ihr seid doch die Evangelisten und wir befinden uns durch Euch mitten in einem Religionskrieg, wie vor 400 Jahren. Ist das Quatsch, oder nicht!

Ich hab mir im Jahr 2002 die Frage gestellt, was muss ich irgendwann mal meinen kindern erklären, wenn sie mich fragen, Papa, wie war das damals...Kirche, Islam und das verbreitete gefährliche Halbwissen.....hmm...ich für meinen Teil kann erklären, dass ich keinerlei Bindung an irgendeine Glaubensgemeinschaft wertlege, weil ich es nicht unterstützen kann. sonst wäre ich ja ein Mensch, der keine eigene Meinung hat und das macht und denkt,was man ihm sagt!

Verfasst von Gast am 9. April 2010 - 10:48.

Das Eine und das Andere.

Wenn Menschen in der Wissenschaft und Theologie keine ausreichenden Antworten...

Wenn Menschen in der Wissenschaft und Theologie keine ausreichenden Antworten finden sollten, die Ihre Fragen wie z.B.: "Wer bin ich? Was bin ich? Woher komme ich? etc..." beantworten, dann ist es meines Erachtens gut, wenn sie für sich einen "Glauben" finden. Aber bitte ohne Religion und ohne andere Menschen damit zu "belästigen"!

(Ein Mensch alleine kann intelligent handeln, eine Menschenmenge dagegen ist enorm anfällig für Irrationalität.)

Ich selbst sehe mich als Opfer der kirchlichen Institutionen. Weshalb ich dies so sehe möchte ich kurz erläutern.

Mein Vater ist nichtpraktizierender Katholik. Meine Mutter praktizierende Evangelikale. Ich wurde evangelisch erzogen. Nach und nach erkannte ich für mich, dass in der Wissenschaft und Theologie offensichtlich mehr Wahrheit liegt, als es voraussichtlich in Religionen jemals möglich sein wird.

Auf der einen Seite hadere ich jedoch mit der Konfrontation der theologischen Studien und den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die ich für vernünftig erachte und nach denen ich mich richten möchte, dies auch sehr häufig tue, und auf der anderen Seite, mit dem Automatismus, den von Kind an eingetrichterten christlich- moralischen Lehren.

Nicht immer wenn ich vernünftig handle, fühle ich mich gut, da es enorm viele Handlungen gibt, die zwar vernünftig sind, jedoch von der christlich- moralischen Lehre als „böse“ bezeichnet werden.
Aber ich fühle mich nie gut, wenn ich christlich- moralisch korrekt gehandelt habe, wenn es gegen jede Vernunft verstößt.

Aus diesem Grund kann ich und möchte ich sagen und fordern:
Mein Leben wurde durch verabscheuungswürdige Religion versaut! Kinder und Jugendliche, aber besonders Kinder, sollten von Religion ferngehalten werden, damit sie sich, wenn ihr Verstand im jungen Erwachsenenalter reif genug ist, selbst ein Bild machen können und dann entscheiden sollen, welchen Weg sie gehen möchten!

Und solange Eltern und kirchliche Institutionen, ihre nahezu vernunftfreie Lehren, Kindern und Jugendlichen aufzwängen, sollte die Satire auch alle Mittel einsetzen dürfen, um diese Missstände aufzudecken und ins lächerliche zu ziehen!

Verfasst von Gast am 8. April 2010 - 23:51.

Von Unzucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein

So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe,...

So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.
Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört.
Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung.
Denn das sollt ihr wissen, daß kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger - das sind Götzdendiener - ein Erbteil hat im Reich Christi.
Laßt euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams.
Darum seid nicht ihre Mitgenossen.
Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts...
Epheser 5, 1-8

Verfasst von Gast am 8. April 2010 - 20:11.

aua!

Selbst 1 Millionen Titanic Hefte könnten nicht so ein Leid erzeugen, wie es...

Selbst 1 Millionen Titanic Hefte könnten nicht so ein Leid erzeugen, wie es auch nur 1 Missbrauchsopfer erfahren hat. Statt sich aufzuregen, sollte die Katholiken lieber ihren Saustall ausmisten und wie halbwegs normale Menschen leben!

Verfasst von Gast am 8. April 2010 - 15:39.

Verletzung religiöser Gefühle

Meine religiösen Gefühle sind nicht durch das Erscheinen dieses Titanic-Titels...

Meine religiösen Gefühle sind nicht durch das Erscheinen dieses Titanic-Titels verletzt worden, sondern ein paar Wochen früher, als scheibchenweise herauskam, was katholische Priester da mit Kindern getrieben hatten. Meine religiösen Gefühle verletzt, wenn ich das Verhalten des Bischofs Mixa betrachte, wenn ich als Kommentar zum Osterauftritt des Papstes vernehme, man lasse sich nicht vom "Geschwätz des Augenblicks" beeindrucken. Meine religiösen Gefühle sind verletzt, wenn ich sehe, dass es der Kirche statt um die Menschen um sich selbst geht, so weit, dass sie um Verbrechen in ihren Reihen eine Omerta geschaffen hat wie die Mafia.
All das hinterlässt bei mir den Eindruck der Blasphemie.
Und nun interpretiere ich einmal die Titanic-Karikatur, die überhaupt nicht lustig ist, sondern bitter ernst. "Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan" - diesen Jesussatz setzt die Titanic ins Bild. Sie sagt: Wer Kinder schändet, der schändet Jesus! Sie setzt das spezifisch Blasphemische ins Bild, das kirchliche Apologeten offenbar immer noch nicht verstanden haben, wenn sie herumreden von 68ern und sexueller Liberalisierung, dass auch andere, Odenwaldschule...usw.
Es ist so ein Ding mit den sog. religiösen Gefühlen. Oft scheint mir, dass es irregeleitete Gefühle sind, fern dem Lebendigen, angesiedelt in einer platonischen Gespensterwelt.
Wir können es ja einmal testen. Ach, sage ich, hätten jene Schweinepriester es doch bloß gemacht, wie die Titanic es zeigt, hätten sie sich, wenn's sie ankam, doch eines der zahllosen Kruzifixe gegriffen und nicht ein Kind... Na, religiöse Gefühle verletzt?

Verfasst von Gast am 8. April 2010 - 19:02.

Meine religiösen Gefühle sind

Meine religiösen Gefühle sind zwar nicht verletzt durch das Titanic-Cover und...

Meine religiösen Gefühle sind zwar nicht verletzt durch das Titanic-Cover und die harsche Kritik des Kommentators vor mir. Aber es gibt mir schon zu denken, wie in unserem Land mit religiösen Symbolen Schindluder getrieben wird - in vielen Bereichen. Ich denke, dass das unserem Land und seinen Menschen auf Dauer schadet.

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