Standpunkt - Es ist sicher kein Zufall, dass dieser Engel ausgerechnet im Advent angeflattert kommt. Schließlich haben Engel in der Vorweihnachtszeit Hochkonjunktur. Es ist ein Engel, der Maria die Geburt eines Kindes ankündigt. Es ist ein Engel, der Josef dazu bringt, bei seiner Verlobten zu bleiben, anstatt sie heimlich zu verlassen. Es ist ein Engel, der Josef im Traum erscheint und die junge Familie motiviert, nach Ägypten zu fliehen, um die eigene Haut zu retten.
Zu jener illustren Runde gesellt sich in diesen Tagen nun ein Engel, der statt des geläufigen "Fürchte dich nicht!" die Botschaft der international tätigen Tierschutzorganisation Peta verkündet: "Adoptieren statt kaufen". Es ist ein Engel für Tiere. Und er ist splitterfasernackt.
Ein makelloser Körper, ebenso symmetrisch wie synthetisch mit einem Heiligenschein über dem aufrechten Haupt. Dazu ein Paar weiße Flügel und ein Kreuz. Ausgerechnet ein Kreuz, verdeckt das Nötigste. In bester Playboy-Manier wird das Top-Model Joanna Krupa hier mit den Mitteln der modernen Werbeästhetik in Szene gesetzt.
Wichtig ist die Botschaft
Ob Engel wirklich so aussehen? Ich weiß es nicht. In der Bibel werden sie entweder gar nicht näher beschrieben, oder sie werden als junge Männer in langen weißen Gewändern dargestellt. Was ist richtig? Flügel und Heiligenschein oder weißes Gewand? Es ist egal. Denn das Aussehen der Engel ist nicht entscheidend. Wichtig ist ihr Auftrag. Denn in der Bibel sind Engel allesamt Botschafter, die im Namen des Herrn unterwegs sind.
Eine Botschaft hat Joanna Krupa auch: "Adoptieren statt kaufen." Sie setzt sich dafür ein, dass Menschen ihre Tiere aus dem Tierheim adoptieren, statt sie in der Zoohandlung oder vom Züchter zu kaufen. Denn dort, so das Model, gehe es nur um Kommerz - zu Lasten der Tiere.
Nun, ich glaube sehr wohl, dass auch Menschen zu Engeln werden können. Meinetwegen auch für Tiere, wenn diese Plakataktion denn hilft, gebeutelten Tieren ein neues Zuhause zu geben. Aber weshalb man sich dafür ausziehen und ablichten lassen muss, wie es sonst nur bei den Anti-Pelz-Kampagnen mit dem Motto "Lieber nackt als Pelz" der Fall ist, das leuchtet mir überhaupt nicht ein. Und ein Kreuz, das ausschließlich dazu dient, Brust und Schambein zu verdecken, lässt mich als Christ vor Scham im Boden versinken.
Bernd Tiggemann ist Online-Redakteur der Evangelischen Kirche von Westfalen.




Kommentare
gegen das Züchten und Vermehren von Tieren !!!
Nur wer ein Tier aus dem Tierschutz zu sich holt, anstatt das Geschäft mit der "Ware Tier" durch Nachfrage weiter zu fördern, hilft Tierelend auf lange Sicht zu verringern. Wer ein Tier aus einem Tierheim holt, gibt ihm eine neue Chance auf Glück. Gerettete Tiere bringen große Freude in ein Zuhause, weil sie Ihnen niemals vergessen, was Sie für sie getan haben.
www.tierheimlinks.de
RE: Ein Engel für Tiere? Kampagne als religiöser Drahtseilakt
Das Anliegen des Tierschutzes halte ich für richtig. Hier muß zwar generell der Wurm dem Fisch schmecken, und nicht dem Angler, aber selbst dann hätte die vielleicht noch was mehr anhaben können als... Flügel!
Wer auf der Suche nach Engeln ist, wird bei solchen Figuren nicht fündig, nicht bei Jahresend-Flügelpuppen wie sie in der DDR hießen. Veerwiesen sei hier auf den hebräischen begriff Mal`lach, was Bote heißt. Abraham, Lot und Gideon zB. begegnen Engel durch Mitmenschen durch (zB.Gen18).
Aquino
RE: Ein Engel für Tiere? Kampagne als religiöser Drahtseilakt
Ich sehe das nicht so. Wie mein Vorkommentator.
Her Tiggemann hat schon recht. Es ist eine einzige "Sex sells" Aktion. Und im Verhältnis zur Anti-Pelz Kampagne auch völlig ungerechtfertigt. Warum sich ausziehen, wenn man einen Hund adoptieren soll?
Da sehe ich es völlig zurecht, wenn die katholische Kirche sich brüskiert. Nur weil wir evangelisch sind, heißt das nicht, dass wir Gottes Idee von der Schöpfung weniger ehren sollen. Da sollte es keinen Unterschied machen ob wir kath. oder ev. sind.
So ein Plakat führt einen eindeutig in Versuchung an etwas anderes zu denken als an eine Tier-Adaption und ist dadurch eindeutig nicht gerechtfertigt!
RE: Ein Engel für Tiere? Kampagne als religiöser Drahtseilakt
Hallo,
also ich finde die Aktion gelungen. Dass die katholische Kirche natürlich brüskiert reagiert ist doch allzu verständlich, schliesslich reagiert sie doch geradezu hysterisch bei allem was im entferntesten mit Sexualität zu tun hat. Ob auch in diesem Falle "Sex sells" unbedingt das passende Stilmittel war, darüber lässt sich trefflich streiten.
Also ich fühl mich dazu aufgefordert ein Tier zu adoptieren, ich nehme das possierliche mit den Flügelchen :D
Corydoras-paleatus