Re:publica 2010 - Die Re:publica ist einst als Bloggerkonferenz gestartet. Inzwischen befasst sie sich immer mehrmit den Einflüssen des Internets auf die Gesellschaft - und umgekehrt.
Auf der Re:publica in Berlin wurde in den vergangenen Tagen über das Internet geredet. Zum vierten Mal schon trafen sich Blogger, Social Media-Interessierte und Internetbegeisterte zu einer dreitägigen Konferenz. Dabei hat man Stadium des "Klassentreffens" der Bloggerszene, als das die Veranstaltung in der Vergangenheit häufig bezeichnet wurde inzwischen verlassen.
Längst sind nicht mehr nur Deutschlands führende Blogger zu Gast, über 2.500 Leute aus 30 Ländern sind angereist. Der Veranstaltungsort wurde im letzten Jahr von der Kalkscheune auf den Friedrichstadtpalast ausgedehnt, in diesem Jahr kam noch der Quatsch Comedy Club dazu. Dabei wird hier ernsthaft über die Zukunft von Medien und Gesellschaft diskutiert. Die Re:publica hat sich von der Nabelschau, die ihr so oft vorgeworfen wurde, weiterentwickelt.
Geld mit Blogs?
Zwar gibt es immer noch einige alljährliche Klassiker, wie die Session über das "Monetarisieren von Blogs" oder eine Erläuterung zu den juristischen Aspekten des Publizierens im Netz, aber wer noch einen Beweis dafür braucht, wie sehr das Internet alle Bereiche unseres Lebens durchdringt, muss nur das restliche Programm der Re:publica durchzuschauen: Junge Feministinnen vernetzen sich und sprechen über Gleichberechtigung und Sexismus im Netz und außerhalb, NGOs und Parteien richten ihre Kampagnen neu aus und Medien sind unsicher ob der neuen Möglichkeiten und Entwicklungen im Netz.
Einer der Starredner Jeff Jarvis ("What would Google do?") sprach über Privacy und seinen Penis. Er hat Prostatakrebs und geht damit sehr öffentlich um. Aus seiner persönlichen Erfahrung leitet er ab, dass Menschen sich weniger um die eigene Privatheit kümmern, sondern den Wert der Öffentlichkeit anerkennen solten. "Wenn wir es heute Google Street View verbieten ein Haus zu fotografieren, verbieten wir es vielleicht morgen mit einem Journalisten."
Insgesamt fand er es paradox, dass Deutsche zwar nackt in die Sauna gehen, aber Angst davor haben, Straße im Internet zu sehent. Viel ging es auch um die Internetzensur in anderen Staaten und im eignen, so wie die Diskussion um Netzneutralität.
Konferenz und Social Media
All dies fand Platz in der Konferenz rund um Social Media und so schienen sich inzwischen nicht mehr nur die klischeehaft bleichen Nerds angezogen zu fühlen, sondern auch Frauen und wichtig wirkende Männer im Anzug.
Nur zwischendrin war das Klassentreffen doch noch zu spüren: Auf den Fluren wurde sich selbstverständlich geduzt, bei den Vorträgen lachten alle gemeinsam über webweite Insiderwitze (sog. "Memes") und viele fielen sich um den Hals, aus Freude sich endlich wieder zu sehen und verabschiedeten sich mit dem Wissen sich nächstes Jahr wieder gegenüber zu stehen. Und dazwischen bleibt man selbstverständlich ständig vernetzt.
Jannis Kucharz bloggt unter netzfeuilleton.de und studiert Publizistik und Filmwissenschaften an der Uni Mainz.




Kommentare
Schöner Artikel, vielen Dank.
Schöner Artikel, vielen Dank. Konnte leider nicht dabei sein (wäre sehr gerne!), dafür mein Professor. ;) Wieso muss Berlin nur so schrecklich weit weg sein?
Liebe Grüße
Daniel
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