Auf der Suche nach dem "Kauf-mich-Knopf"

Ein Spiegel über einem Einkaufsregal zeigt Kunden eines Edeka-Supermarkts.

Ein Spiegel über einem Einkaufsregal zeigt Kunden eines Edeka-Supermarkts. Welche geheimen Wünsche haben Verbraucher? Wie können Unternehmen ihre Produkte an einen Konsumenten bringen, der eigentlich schon alles hat? Forscher sind auf der Suche nach den letzten Geheimnissen unserer Kaufentscheidungen. Foto: dpa/Jens Wolf

Marketing - Forscher sind auf der Suche nach den letzten Geheimnissen unserer Kaufentscheidungen. Wie reagiert unser Unterbewusstsein auf Werbung? Welche Konsumententypen gibt es? Immer mehr Unternehmen nutzen ihre Erkenntnisse.

Von Maren Martell

Der Hamburger Konsumententyp ist eher traditionsbewusst, der Berliner kreativ und spontan. Spanier entscheiden mehr aus dem Bauch, Deutsche sind künstlerisch oder faktenorientiert veranlagt. Jedes Land und jede Region steht für bestimmte Charaktere und Verhaltensmuster. Aber auch die Sinne jedes einzelnen Konsumenten reagieren ganz unterschiedlich auf die tägliche Flut von Werbebotschaften. Schon länger suchen Forscher nach dem geheimen "Kauf-mich-Knopf" im Hirn. Die großen Markenhersteller nutzen deren Ergebnisse ganz gezielt beim Kundenfang. Neuromarketing heißt das Zauberwort.

"Wer dieses neuropsychologische Wissen nutzt, spürt den Erfolg - meist an steigenden Umsätzen", betont Professor David Scheffer vom Hamburger Institut 180 Grad. Mit seinem Team entwickelte er eine Methode (NeuroIPS), stabile Persönlichkeitsmerkmale zu messen und damit die Erkenntnisse der Hirnforschung praktisch nutzbar zu machen. Scheffer erarbeitete zudem ein Verfahren, mit dem die Persönlichkeitsmerkmale miteinander verglichen werden. Neu daran ist, dass die Teilnehmer nicht mehr direkt befragt werden, sondern einen einfachen Online-Test zur Wahrnehmung von Formen, Farben und Bildern beantworten. In seiner jüngsten Studie ermittelte Scheffer die unterschiedlichen Persönlichkeitstypen in sechs Ländern sowie in ausgewählten deutschen Großstädten.

Zitronenduft im Supermarkt

Von bis zu 15 Prozent mehr Umsatz geht Hans-Georg Häusel von der Münchner Unternehmensberatung Gruppe Nymphenburg aus. Gerade Einzelhändler spürten es in ihren Kassen, wenn sie ihre Verkaufsflächen optimieren, Wege durch die Geschäfte anders führen oder ihre Waren besser platzieren. "Der Konsument muss sich wohlfühlen, ohne dass er das bewusst merkt." So könne schon ein leichter Zitronenduft im Supermarkt die Kassen häufiger klingeln lassen.

"Das sind tausend Schräubchen, an denen man drehen muss", betont Häusel. Der Einsatz von millionenteuren Hirnforschungsmaschinen sei nur eine Methode, die sich aber gemessen am Aufwand als zu wenig aussagekräftig herausstellte. So erhofften sich beispielsweise Audi oder der Daimler-Konzern mittels Hirnscannern die Designakzeptanz ihrer neuen Modelle direkt messen zu können. "Diese Hoffnung blieb ein Traum", berichtet Häusel. Zwar könne man zeigen, ob ein Produkt positive oder negative Emotionen auslöst. Welche Emotionen es genau sind, komme dabei aber nur grob ans Tageslicht.

Ins Gehirn des Verbrauchers "hineinschleimen"

Seit mehr als zehn Jahren versuchen Wissenschaftler in Bonn, München, Magdeburg und Münster die Wirkung von Werbung im Unterbewusstsein zu entschlüsseln. Als eine der ersten nutzte der Konsumgüterproduzent Henkel ihre Ergebnisse. Viele Unternehmen hängen es aber aus Wettbewerbsgründen nicht an die große Glocke, dass sie solche Verfahren anwenden. Ärger bekam im vergangenen Herbst die Hamburger Sparkasse, als herauskam, dass sie mit psychologischen Kundenprofilen arbeitet.

Die größte deutsche Sparkasse hatte ihre Kunden in sieben Typen wie "Bewahrer" oder "Abenteurer" eingeteilt, ohne sie darüber zu informieren. Verbraucherschützer verurteilten dieses Vorgehen. "Man versucht, indem man sich ins Gehirn hineinschleimt, den Verbraucher in einer Weise zu beeinflussen, die nicht in seinem Interesse ist", kritisierte die Hamburger Verbraucherzentrale.

Heftige Proteste gab es auch in den USA. Dort ging die Sorge um, es sei das Zeitalter des gläsernen Konsumenten angebrochen, der von geldgierigen Konzernen mit Methoden der Hirnforschung durchschaut wird. "Marketing ist immer eine Form der Beeinflussung. Jede Frau, die sich morgens schminkt, betreibt Manipulation", erklärt Häusel. Verwerflich sei nur, wenn irgendein Instrument angewendet wird, um anderen wissentlich zu schaden.

dpa

Kommentare

Verfasst von womue am 30. Januar 2011 - 11:43.

Tatbestand: Alltägliche Manipulation

Brauchen wir einen besonderen Verfassungsgrundsatz, der solche Manipulation auf...

Brauchen wir einen besonderen Verfassungsgrundsatz, der solche Manipulation auf wissenschafticher Grundlage verbietet und uns die individuelle Entscheidungsfreiheit sichert? Oder genügen schon die Paragrafen, die derzeit gelten? Das wäre doch mal ein ethisches Thema für die großen Kirchen. Ich halte meine Meinung zurück. Will ja nicht manipulieren hier (zwinker).

Verfasst von hallertauer am 30. Januar 2011 - 17:13.

Alles nicht neu

 Was wir brauchen, ist ein gesundes Bedürfnis dessen, was wir...

 Was wir brauchen, ist ein gesundes Bedürfnis dessen, was wir brauchen und was nicht. Konsumforschung und Kaufverhalten usw gibts wohl so lange, wie gekauft wird und solange es dazu Überfluss und Konkurrenz gibt. In der DDR gabs zwar auch ein Werbefernsehen, wegen fehlender Konkurrenz war es eher eine lustige Unterhaltung. In der Regel waren es früher in der Werbung die etwas "dümmlichen" (tschuldigung, war aber so) Hausfrauen, die dann furchtbar staunten, was der Meister Propper alles kann oder der weiße Wirbelwind und da alle aufgeklärt sein wollten, kaufte man natürlich das Zeug. Und heute kriegt man eben Zitronenduft oder Weihnachtsmusik. Ob erforscht oder nicht erforscht, es funktioniert. Das ethische Thema für uns (nicht für die Kirchen allein) wäre doch einfach die Frage: was brauche ich und wieviel davon und wie werde ich zufrieden (also Frieden mit mir), wenn ich nicht alles habe. Wer zum Grillabend statt der nötigen 10 Würste "für alle Fälle" 15 kauft, hat ein Problem. Und wenns ein Sonderangebot ist, nehmen wir doch lieber gleich 20, zumal doch nur haushaltsübliche Mengen abgegeben werden. Da muß es gut sein, da muß es knapp sein und wir müssen nicht hungern. Dafür brauche ich keinen Gehirn-Scanner und falls man den Knopf noch findet - Knöpfe sind zum Ausschalten da. Das kann mancher nicht mal beim Fernseher!

Ansonsten - Meinung zurückhalten und dafür die Kirchen vorschicken, das ist die übliche Haltung. Und falls es dann doch nicht in meinen Rahmen paßt, was die Kirchen da sagen, dann ist es auch egal. Was gabs mal für einen Protest, als sonntags die Waschanlagen geschlossen bleiben mußte, da ging ja die Welt unter. Und? es war auch ein  ethisches Thema, das nun wieder aufgeweicht wurde. Also, selber machen, selber denken und einfach handeln.

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