Hoffen auf Militärschlag der USA: Iranische Autorin im Exil

Die iranische Dichterin Pegah Ahmadi

Die iranische Lyrikerin und Schriftstellerin Pegah Ahmadi ist in diesem Jahr Frankfurter Stipendiatin des Programms "Städte der Zuflucht". Foto: epd-bild / Thomas Rohnke.

Menschenrechte - Selbst um die Mittagszeit sind in der Wohnung in der Frankfurter Innenstadt die Vorhänge zugezogen. "Alle Dichter sind Vampire", sagt Pegah Ahmadi schmunzelnd. Doch die iranische Autorin wird schnell wieder ernst: Schon im Iran habe sie gerne abgedunkelt, weil sie das mit ungestörtem Arbeiten, Sicherheit und Privatsphäre verbinde. Seit September lebt die 35-Jährige in Deutschland im Exil. Sie trägt einen Schal und ein Armband in Grün, der Farbe der iranischen Protestbewegung.

Von Christian Spöcker

Nur mit Mühe kann ihr der Fotograf ein leichtes Lächeln entlocken. "Wissen Sie, im Iran lächeln wir eben kaum wegen der schlimmen Situation dort", sagt Ahmadi entschuldigend und streicht sich die dunklen Locken aus der Stirn. Sie spricht Englisch mit leichtem Akzent, sie hat erst angefangen, Deutsch zu lernen.

Gewalt gegen Demonstranten

Allein Ende Dezember kamen laut Menschenrechtlern im Iran mindestens acht Demonstranten ums Leben. Sie hatten gegen das Regime von Präsident Mahmud Ahmadinedschad und die religiösen Führer protestiert. Sicherheitskräfte gingen mit Gewalt gegen die Demonstranten vor.

Die Protestbewegung allein könne keinen Wechsel im Iran erreichen, glaubt die Dichterin. Sie setzt auf Hilfe von außen: "Warum machen die USA nichts? Es wäre toll, wenn sie die Atomanlagen zerbomben würden. Sie sollten mit Militärschlägen die Protestbewegung unterstützen und die Macht des Regimes schwächen!", sagt die Schriftstellerin - allerdings nur, wenn dabei die Bevölkerung sicher wäre.

"Ahmadinedschad? Der ist nur eine Marionette"

Noch vor fünf Jahren trug eines von Ahmadis Gedichten den Titel "Harmonie". Doch seit den Wahlen im Juni 2009 und den darauffolgenden Massenprotesten ziehen sich vor allem drei Wörter durch die neuen Gedichte: Blut, Gefängnis, Dunkelheit. "Alles andere wäre unverantwortlich. Wie kann ich über die Liebe oder die Schönheit der Natur schreiben, wenn ich weiß, dass meine besten Freunde gefoltert werden?", sagt Ahmadi.

Wer ist schuld an der Situation, ist es Präsident Ahmadinedschad? "Nein, der ist nur eine kleine Person, eine Marionette", sagt die Autorin. Wirklich schuld seien das geistliche Oberhaupt, Ajatollah Ali Chamenei, und die paramilitärischen Revolutionsgarden.

Die Situation wurde unerträglich: "Ich und meine Freunde konnten damals nicht mal atmen." Ein Buch zu veröffentlichen, gelang ihr seit Jahren nicht mehr. Zu gesellschaftskritisch sind ihre Texte, deshalb hieß es nach jahrelanger Prüfung von offizieller Seite immer wieder nur: verboten.

Dabei begleitet Ahmadi das Dichten schon ihr Leben lang: Das erste Gedicht hat sie mit sieben Jahren geschrieben und später an der Universität Teheran persische Literatur studiert.

"Ich weine um die neue Generation im Iran"

Das Ticket in die Freiheit kam in Form eines Stipendiums über das Programm "Städte der Zuflucht". Die Stadt Frankfurt und die Frankfurter Buchmesse sorgen nun dafür, dass sich Ahmadi zwei Jahre lang ganz auf das Lesen und Schreiben konzentrieren kann.

Beim Abflug aus dem Iran habe sie sich auf die Freiheit gefreut, aber auch geweint um jene, die bleiben müssen. Sie denkt nach, ihre Stimme wird zittrig. "Ich bin 35, aber ich weine um die neue Generation im Iran. Die Teenager, die in den Straßen getötet wurden, wegen nichts!", sagt sie mit Tränen in den Augen. Sie hofft, dass sie mit ihrer Arbeit von Deutschland aus mehr für ihre Landsleute bewirken kann als im Iran und wünscht sich Demokratie in ihrer Heimat.

Optimistischer Blick in die Zukunft bleibt

Sie macht sich nichts vor: "Man darf nicht vergessen, dass Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi früher als Premierminister viele unserer Freunde ins Gefängnis geworfen hat." Doch sie mag ihn, denn er habe sich seither verändert und viel Gutes für die Protestbewegung getan. Und sollte die in Zukunft erfolgreich sein, dann dürfe der Islam auch in einer Demokratie namens Iran eine Rolle spielen, aber nur losgelöst von der Politik.

Welches ihrer Werke würde sie Ahmadinedschad und Ajatollah Ali Chamenei schenken, um sie zum Umdenken zu bewegen? "Gar keins", antwortet Ahmadi kalt. "Sie würden kein Wort davon verstehen, außerdem bin ich voller Hass auf das Regime."

Doch trotz aller Probleme spricht Ahmadi optimistisch über die Zukunft: "Jede Revolution braucht zu Beginn politische Aktivisten, aber meine Gedichte können eine Chronik sein, mit der ich die Geschehnisse bis zum Ende aufzeichnen kann."

epd

Kommentare

RE: Hoffen auf Militärschlag der USA: Iranische Autorin im Exil

Sehr geehrte Frau Ahmadi,

mit Ihrem Ruf nach Militärschlägen durch eine fremde Kriegsmacht in Ihr Heimatland Iran haben Sie sich sicher hervorragend für die Aufnahme in Ihr nächstes Exil-Land qualifiziert: Israel!

Ich bin ziemlich fassungslos, dass "evangelisch.de" derart naiven und dabei brandgefährlichen Äußerungen ein Forum bietet. Auch der Irakkrieg wurde von Exilanten mit solchen Brandreden vorbereitet.

Mit dem Auftrag einer Kirche, die auf der Friedensbotschaft des Gottessohnes Jesus Christus basiert, ist ein Aufruf zum Krieg unvereinbar.

Entsetzt:
Satori

RE: Hoffen auf Militärschlag der USA: Iranische Autorin im Exil

Was für einen Sinn für die Demokratie die Macher der Seite haben, haben sie gezeigt.
von vier Kommentaren nur einen veröffentlicht!
Den Begriff Demokratie habe ich auch verstanden!

http://maziarworld.wordpress.com

RE: RE: Hoffen auf Militärschlag ...

Lieber Gast,

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Beste Grüße

Bernd Buchner - evangelisch.de

RE: Hoffen auf Militärschlag der USA: Iranische Autorin im Exil

Bertolt Brecht sagte die Schriftsteller können nicht so schnell schreiben, wie die Regierungen Kriege machen; denn das Schreiben verlangt Denkarbeit. Wie es wohl ihr ist?? Ich hoffe das jeder denkt bevor man was sagt. Arash

Hoffnung buchstabiert man anders

Gehört die Hoffnung auf ein gewaltsames Eingreifen von aussen und Hass auf die ungeliebten Landsmänner jetzt schon zu den Menschenrechten?
Für welche Werte steht ein Autor, der sich "evangelisch" nennt und in der Überschrift quasi für einen Militärschlag plädiert?
Seit Generationen wird der Iran unter der Hand mit "Nation der Mörder" benannt. Wie bereits zur Revolution 1979 festgestellt, verschwindet diese Schuld nicht einfach mit dem Wechsel der Regierungsform. Im Gegenteil, ihr Hass auf den Schah hat sie ebenfalls in Mörder verwandelt.
Hass ist kein guter Boden für einen Neuanfang, Christen sollten das eigentlich wissen.
Jemand, der Christus nachfolgt, hat einen einzigartigen Zugang zur Hoffnung. Er würde Gedichte schreiben, die von leuchtender Hoffnung auf einen Retter sprechen, keinen Erinnerungszettel, der den Hass und die Rache schürt.
Ein besonderes Kennzeichen der Iraner ist, dass sie einander sehr wenig vertrauen und bei einer Enttäuschung sofort Zweckbündnisse eingehen mit Menschen, die Macht zu haben scheinen.
Christen könnten hier jede Menge Zeugnis geben, die auch Ahmadi eine lebendige Hoffnung geben könnten.

RE: Hoffen auf Militärschlag der USA: Iranische Autorin im Exil

Wenn ich das schon lese: "Warum machen die USA nichts? Es wäre toll, wenn sie die Atomanlagen zerbomben würden" dann frag ich mich welche Atomanlagen meint sie? Und: will sie das, was im Irak und Afghanistan geschieht, auch ihrem Land antun???

Sehr fragwürdig, das alles. So hasserfüllt kann kein Auge sein, dass es die Wahrheit nicht mehr sieht. Dass es nicht sieht, was östlich und westlich des Iran geschieht und welche unrühmliche Rolle dabei vor allem auch die USA inne hat.

Dieses Land, diese großartige Jugend wird es ohne fremde Hilfe - die dann wieder Abhängigkeiten gebiert - schaffen, dieses Regime zum Teufel zu jagen!

Azadi!

Hoffen auf Militärschlag der USA: Iranische Autorin im Exil

"Die iranische und Schriftstellerin Pegah Ahmadi",
eine Lyrikerin die nach Bomben schreit!
Und das alles auf http://www.evangelisch.de,

Qualitätsjournalismus und kritische Medien braucht das Land....

Esteghlal

RE: Hoffen auf Militärschlag der USA: Iranische Autorin im Exil

Naja, so einfach lässt sich das ganze nicht in schwarz/weiß einteilen. Zu Qualitätsjournalismus und kritischen Medien (wie evangelisch.de) gehört, dass sie auch Meinungen zu Wort kommen lassen, die vom üblichen "Krieg ist böse"-Mantra abweichen. Gerade angesichts der Debatte um die Afghanistan-Äußerungen von der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann in den letzten Wochen sieht man, wie schwer sich selbst die Evangelische Kirche mit der Frage tut, wann ein Krieg bzw. Militärschlag angemessen scheint.

Darüber hinaus lässt sich eine Meinung wie von Frau Ahmadi leicht verteufeln, wenn man im warmen deutschen Wohnzimmer am PC sitzt und sich die Welt schönredet. Man muss auch beachten, dass sie selbst leidvolle Erfahrungen mit dem Regime gemacht hat und deshalb unter Umständen besser beurteilen kann, ob die Protestbewegung im Iran ohne Hilfe der USA erfolgreich sein kann oder nicht.

RE: RE: auf Militärschlag der USA: Iranische Autorin im Exil

Ich versuche jetzt zum dritten Mal einen Kommentar zu schreiben.
Es wird aussortiert mein Lieber.
Gruß
http://maziarworld.wordpress.com

RE: RE: Hoffen auf Militärschlag der USA: Iranische Autorin im E

das problem ist die mangelnde politische bildung meiner landsmännin.
wie kann man im ausland sitzen und auf bomben von usa hoffen?
hat sie irak und afghanistan nicht gesehen? sie möchte die freiheit von usa erbomben lassen?

schade!

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