Seneca - In seiner Kolumne kommentiert Hasso Mansfeld Aphorismen. In dieser Folge hat er sich ein Wort von Heraklit von Ephesos vorgenommen. Thema: Lehrer.
"Jemanden etwas lehren heißt Fackeln anzünden und nicht Eimer voll machen." -Heraklit von Ephesos , griechischer Philosoph, geboren zwischen 540 und 535 v. Chr. und gestorben zwischen 483 und 475 v. Chr.
Lehrer zu sein gehört zu den anspruchvollsten und wichtigsten Aufgaben in unserer Gesellschaft. Lehrer zu sein bedeutet, die Schüler zu motivieren und ihnen die Türen zu dem zu vermittelnden Lehrstoff zu öffnen. Lehrer zu sein heißt vor allem, Zugänge zu vermitteln und dabei flammende Begeisterung zu entfachen.
Fackeln anzünden ist ein initialer Vorgang, der die Menschen in Bewegung setzen und die Freude über die eigenen Fähigkeiten wecken soll. Fackeln anzünden bedeutet also auch, die Lust am Leben zu vermitteln. Dabei muss der Lehrer fortwährend in der Lage sein, die Denkweisen der Schüler nachvollziehen zu können - immer auf der Höhe der jeweiligen Zeit. Lehrer zu sein bedingt daher auch die Bereitschaft zu ständiger Veränderung.
Alleine mit Schulformen, Lehrplänen und Vorschriften werden keine Feuer entfacht. Bei der Jugenderziehung kommt es auf die Persönlichkeit des Lehrers an. Und was für die Jugend gilt, hat ebenso Bedeutung für die allgemeine Menschenbildung. So wusste schon der römische Philosoph Lucius Annaeus Seneca: "Lang ist der Weg der sittlichen Besserung durch Vorschriften, aber kurz und wirkungsvoll durch das eigene Beispiel."
Lehrer müssen also Menschen mit einem ausgeprägten Selbst-Bewusstsein und mit einem hohen Grad an geistiger Reife sein. Denn nur wer sich selber akzeptiert und volles Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten hat, kann Selbstvertrauen auch bei anderen wecken. Selbstvertrauen, das die Schüler sich zutrauen lässt, allen Herausforderungen des Lebens mutig entgegen zu treten.
Fackeln anzünden heißt, mit gutem Beispiel vorangehen und selber begeisterungsfähig zu sein. Wer sich das nicht zutraut wird auch daran scheitern Eimer voll zu machen.
Über den Autor:
Hasso Mansfeld arbeitet als selbstständiger Kommunikations-Berater. Die Beschäftigung mit philosophischen Fragen ist fester Bestandteil seiner Beratungstätigkeit. Für seine Ideen und Kampagnen wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet.



Kommentare
RE: Der kommentierte Aphorismus (X)
Es ist dies ein tolles Zitat von Heraklit. Und es gibt gute Gründe, diesen Satz zu kommentieren. Ich erlaube mir, einen weiteren Gedanken hinzuzufügen, der mir wichtig erscheint: es ist derjenige ein guter Lehrer, der zunächst diejenigen liebt, die er lehrt, und dann dasjenige liebt, was er lehrt.
Die Schüler zu lieben, die sich um den Lehrer versammelt haben, heißt, um all die Möglichkeiten zu wissen, die in ihnen stecken, und das ist - zusammengefasst - ihre ursprünglich naturgegebene Neugier. Und es ist zweitens nur dann möglich, sie neugierig zu machen, wenn man als Lehrer die Begeisterung, die Liebe zu seinem eigenen Fachgebiet in die Herzen der Schüler verpflanzen kann, was nur funktioniert, wenn es diese Liebe gibt zu dem, was man vermitteln kann.
Jan Schröder