Satre - In seiner Kolumne kommentiert Hasso Mansfeld Aphorismen. In dieser Folge hat er sich ein Wort von Jean-Paul Sartre vorgenommen. Thema: innere Einstellung.
"Der Mensch wird das, was er selbst aus sich macht" - Jean-Paul Sartre, französischer Schriftsteller und Philosoph geboren am 21. Juni 1905 und gestorben am 15. April 1980 in Paris
Hier ist zunächst einmal die innere Einstellung gegen über sich selbst und seiner Umwelt gemeint. Egal was von anderen Menschen an einen herangetragen wird, der Mensch ist es selber, der entscheidet, was er von den äußeren Eindrücken in sich aufnimmt oder außen vor lässt. Egal was auch an einem gesagt oder zugefügt wird , man selber hat die Wahl ob man die von außen zugetragen Rolle annimmt oder zurückweist. Das war auch Mahatma Ghandis Gedankengang als er erklärte, dass man ihn schlagen oder ins Gefängnis werfen könne , seine Würde könne man ihm nicht nehmen. Selbst wenn man ihn töten würde, hätte man ihn zwar seines Lebens beraubt aber den Geist hätte man nicht gebrochen.
Die Ausführungen Ghandis machen auf die Tatsache aufmerksam, dass es in den jeweiligen individuellen Lebensumstände gravierende Ungleichheiten geben kann. So ist es natürlich ein großer Unterschied für die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten, ob man in einem totalitärem, repressivem oder in einem liberalem, demokratischen Gesellschaftsumfeld aufwächst. Es macht natürlich auch einen gravierenden Unterschied aus in welcher Schicht des jeweiligen Gesellschaftssystems und in welchen familiären Verhältnissen man groß wird. Aus diesen Differenzen erwächst der Umstand, ob man es leicht hat sich als Mensch zu entwickeln, oder ob es einem sehr schwer gemacht wird und man sich gegen erhebliche Widerstände durchsetzen muss. Doch was man wird und welche Rolle man sich selber im Leben zuordnet: die eigene Rolle, das eigene Bewusstsein bestimmt man selber. In diesem Sinne ist Marx zu widersprechen: Nicht "das Sein bestimmt das Bewusstsein", sondern "das Bewusstsein das Sein".
Über den Autor:
Hasso Mansfeld arbeitet als selbstständiger Kommunikations-Berater. Die Beschäftigung mit philosophischen Fragen ist fester Bestandteil seiner Beratungstätigkeit. Für seine Ideen und Kampagnen wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet.



Kommentare
RE: Der kommentierte Aphorismus (IV)
Die Frage ist wohl nicht im schwarz-weiß Schema beantwortbar. In welchem Umfang bestimmt unser Bewußtsein, also das Wissen von uns selbst, tatsächlich unser Sein? Wir sind ziemlich komplexe Wesen, die ihre Entscheidungen nach höchst unterschiedlichen Motiven, Erfahrungen, Kriterien und Zielen fällen. Die Verhaltensökonomie etwa beschreibt diesen Befund gerade für die Wirtschaftswissenschaften. Von wegen "homo oeconomicus"! Wir entscheiden viel mehr im Bauch als in der Birne. Unser Bewußtsein scheint nur einen Teil und dabei längst nicht immer der "vor"-herrschende Teil unseres Seins zu sein. Die Beratungspraxen von Psychologinnen und Psychotherapeuten jedenfalls sind voll von Menschen, die "nach"-steuern müssen, weil noch andere Faktoren als nur ihr Bewußstein "im Spiel" sind.
Wir bleiben freilich verantwortlich auch für das, was wir unwillentlich tun. Damit uns die Verantwortung nicht über den Kopf wächst und damit Schuldgefühle uns nicht platt machen, braucht es Clearingstellen auf der Grenze zwischen dem Bewußtsein und dem Unbewußten. Der Glaube ist so ein Bereich, in dem sich auch jene halb- bis un-bewußten Dinge mit Hilfe von Metaphern oder Symbolen gut klären lassen. Darum wäre auch modernen Menschen durchaus zu empfehlen: Crede fortius!
P. Mörbel, Ev. Akademie im Rheinland, Bonn