Erklärungen - Warum ausgerechnet er? Immer wieder stellten sich fassungslose Fans diese quälende Frage. Eine Antwort fanden sie nicht.
Robert Enke ist tot. Vermutlich hat er sich selbst getötet. In Schlagzeilen konnte man die Wörter "Freitod" oder "Selbstmord" lesen. Schon die Wortwahl ist eine Kommentierung des Todes - und auch des Lebens - von Robert Enke. Freitod oder Selbstmord - beide Wörter drücken ein Urteil über einen Menschen aus und bewerten die Handlungsweise eines Menschen, der sich womöglich das Leben nahm. Statt zu werten, gilt es angesichts des Todes innezuhalten.
Der unzeitige Tot eines Menschen ist unfassbar und löst Betroffenheit aus. Wenn sich ein Mensch selbst das Leben nimmt, stellen sich unweigerlich die Fragen nach dem Warum. Warum hat er das getan? Hätte man es verhindern können?
Höhen und Tiefen
Als Nationaltorwart war Robert Enke eine öffentliche Person. Aus den Medien wissen wir um den Tod seiner zweijährigen Tochter vor drei Jahren. Als er und seine Frau danach ein zwei Monate altes Kind adoptierten, äußerten beide, wie glücklich und dankbar sie für ihre adoptierte Tochter seien. Höhen und Tiefen kannte Robert Enke in seinem Leben.
Wegen einer Erkrankung hat er die letzten vier Länderspiele verpasst und war auch für die beiden nächsten Länderspiele gegen Chile und die Elfenbeinküste am 14. und 18. November nicht nominiert worden. Allerdings war er weiter ein Favorit auf die Nummer eins bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika - so Medienberichte. Er war oben im Sport angekommen, aber er spielte zurzeit nicht in seiner Position.
Wenn man nur diese Schlaglichter aufs Leben von Robert Enke sieht, beginnt man schnell, Fragen nach dem Warum zu stellen und den Tod von Robert Enke erklären zu wollen.
Aber was wissen wir von Robert Enke? Wissen wir, was ihn im Inneren bewegt hat? Wie lebte er in den Lebensbereichen, welche die Öffentlichkeit nicht kannte.
(Zu) schnelle Deutungen
Es gibt jetzt bereits Stimmen, die seinen Tod in eine bestimmte Richtung deuten beziehungsweise Deutungen ausschließen. Hier mag sich jeder fragen, von welchen Interessen diese Deutungen geleitet sind.
Vielleicht wird die Öffentlichkeit die Gründe, warum sich Robert Enke vermutlich das Leben nahm, nie erfahren. Vielleicht gibt es auch keine Gründe, die das Geschehen nachvollziehbar machen.
In der christlichen Tradition wurde die Selbsttötung lange als Sünde gebrandmarkt. Wer sich das Leben genommen hatte, dem wurde die kirchliche Bestattung verweigert. Die Hochschätzung des Wertes Leben hatte die moralische Verurteilung zur Folge, wenn sich jemand das Leben nahm. Zum Glück herrscht heute eine andere Sicht vor.
"Denn du Gott allein kennst das Herz aller Menschen", heißt es in der Bibel. In dieser Erkenntnis drückt sich aus, dass wir nicht über andere Menschen und ihre Beweggründe urteilen können. Dieses Urteil steht nur Gott zu.
Die Wertschätzung des Lebens sollte daher Raum für Trauer und Mitgefühl eröffnen - und für Respekt vor dem Leben von Robert Enke.
Ralf Peter Reimann ist von seiner Ausbildung her evangelischer Pfarrer und Informatiker. Er arbeitet in der evangelisch.de-Redaktion an den Schnittstellen zu Theologie und Technik.














Kommentare
RE: Was wissen wir wirklich? - Zum Tod von Robert Enke
Es gibt auch ein zu spät!
Welche Macht böse Gedanken haben wird besonders in Depressionen deutlich,es ist sehr schmerzlich zu erfahren das es seelische Bereiche in uns Menschen gibt die man nicht erkennt und dann auch die Gefahr völlig unterschätzt, die dann daraus resultiert.Depressionen sind ähnlich wie auch die Schizophränie,
unbewältigte Vergangenheitserlebnisse, mit denen Robert nicht fertig geworden ist.In den Selbstmord wird man nur getrieben, indem man sich nicht gründlich
mit sich selbst auseinandersetzt und am besten dies mit einer Vertrauensperson
tut. Schade das Robert dieses Problem in seinem Leben nicht mit jemandem teilen konnte,sondern versucht hat, dies mit sich selbst auszumachen.Der Tod richtet mehr Schaden an, als wir uns vorstellen können.Wie einsam muss Robert in diesen Stunden gewesen sein? War er ein Sportler oder nicht auch ein Sklave seiner sportl. Leistungen, wie war seine Ehe wirklich? Wie wurde er mit Rückschlägen fertig? Es war niemand da, der ihn aufhalten konnte. Er kannte wahrscheinlich auch die Bibel nicht, aber ich denke das in dieser Situation, die Seelsorge hätte helfen können.Schade das er Jesus Christus neben seinem Sport, nicht kennenlernen konnte. Und das ich,ein gläubiger Christ soweit weg war. Gott sei seiner Seele gnädig! Jesus aber sagt:
"Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt,wird leben auch
wenn er gestorben ist. Und wer da lebt und an mich glaubt wird nie mehr sterben! Glaubst du das?!" Joh.ev.Kap 11 Vers 25
Durch den Glauben hätte Robert einen neuen Lebensinhalt gefunden und danach hätten sich auch viele seiner Probleme gelöst.Die Liebe Gottes ist aber auch
stärker als der Tod möchte besonders seine Frau sich diesem wunderbaren Retter öffnen, denn das will ihr gern sagen. " Wir werden Robert wiedersehen!"
RE: Was wissen wir wirklich? - Zum Tod von Robert Enke
Eine Depression kann eine schwere psychische Krankheit sein. Menschen, die daran leiden sind nicht mit "normalen" (was auch immer das ist) Maßstäben zu messen. Der Begriff "Freitod" passt hier auch nicht, da Menschen mit dieser Krankheit nicht mehr "frei" sind. Auf psychischem Gebiet ist es ein Krankheitsverlauf mit Todesfolge - auch wenn wir sonst bei tödlichen Krankheiten an anderes denken.
RE: Was wissen wir wirklich? - Zum Tod von Robert Enke
Guter Artikel...
www.theolounge.de
RE: Was wissen wir wirklich? - Zum Tod von Robert Enke
Suizid ist Todsünde!
RE: Was wissen wir wirklich? - Zum Tod von Robert Enke
Ein selbstsüchtiger (Aus)weg, geprägt von Egoismus und Gefühllosigkeit: seine Frau steht doch jetzt mit dem adoptierten Kind allein da. Sie hat nicht nur ihr echtes Kind, sondern auch noch ihren Partner verloren. Traurig!
RE: RE: Was wissen wir wirklich? - Zum Tod von Robert Enke
Selbstsüchtig, egoistisch und gefühllos? Nein, ein verzweifelter (Aus)weg eines Menschen, der keinen anderen Weg für sich mehr sah! Auch mein Mitleid gilt Enkes Frau und seinen Angehörigen.
RE: Was wissen wir wirklich? - Zum Tod von Robert Enke
wie kann er nur so etwas machen?
RE: RE: Was wissen wir wirklich? - Zum Tod von Robert Enke
Ich glaube, dass man die Frage so nicht stellen sollte. Sie klingt wie ein Vorwurf. Was letztendlich der letzte Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte, werden wir (wahrscheinlich) nie endgültig klären können. Im Ergebnis hinterlässt er eine Familie, der unsere Anteilnahme und Unterstützung gelten sollte.
Tatsächlich wundert es, dass unter dem Druck (Renault ist wohl ein prominentes Beispiel) unter dem wir alle stehen, nicht mehr Menschen diesen Weg wählen - ohne dieses gutheissen zu wollen.
Warum man sich allerdings vor den Zug werfen muss, stösst auf völliges Unverständnis.
Wie kann man so etwas machen?