Fall Käßmann: Landeskirche mahnt Aufklärung an

Fall Käßmann in den Medien

Wie gelangten die Informationen über Margot Käßmann und die Polizeikontrolle an die Öffentlichkeit? Die Frage ist bisher nicht geklärt. Foto: dpa/Marcus Brandt

Geheimnisverrat - Die hannoversche Landeskirche hält die Aufklärung über einen möglichen Geheimnisverrat nach der Trunkenheitsfahrt ihrer ehemaligen Landesbischöfin Margot Käßmann für notwendig.

Im öffentlichen Interesse müsse geklärt werden, woher die Boulevardpresse von dem Vorfall am 20. Februar wusste, sagte Pressesprecher Johannes Neukirch dem epd am Montag. Als erste Zeitung hatte "Bild" am 23. Februar über den Vorfall berichtet. Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) bestätigte inzwischen staatsanwaltliche Ermittlungen wegen Geheimnisverrats.

Weg in die Öffentlichkeit noch unklar

Das Innenministerium habe keine Erklärung dafür, wie Informationen über den Vorfall an die Öffentlichkeit gelangt seien, sagte ein Sprecher Schünemanns auf Anfrage. Der Minister hoffe, dass die Staatsanwaltschaft die Vorgänge zügig aufklärt.

Bereits wenige Stunden nach der Kontrolle Käßmanns sei Schünemann persönlich über die Alkoholfahrt informiert worden, sagte der Sprecher. Als Innenminister werde er über alle polizeilichen Maßnahmen gegen prominente Persönlichkeiten "nahezu unverzüglich" in Kenntnis gesetzt. Schünemann habe selbst keine weiteren Maßnahmen veranlasst.

Kirchensprecher Neukirch erläuterte, dass die Landeskirche von einer eigenen Anzeige abgesehen habe: "Wir gehen davon aus, dass die Staatsanwaltschaft in so einem Fall von sich aus tätig wird." Sollten tatsächlich Beamte Dienstgeheimnisse weitergegeben haben, müsse dies aufgedeckt werden, um weitere Fälle zu verhindern.

Vier Anzeigen in Hannover

Käßmann war vor zwei Wochen von der Polizei angehalten worden, nachdem sie am Steuer ihres Dienstwagens eine rote Ampel missachtet hatte. Ein Blutalkoholtest erbrachte 1,54 Promille. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland war daraufhin von ihren Ämtern zurückgetreten.

Bislang sind nach Angaben der hannoverschen Staatsanwaltschaft mindestens vier Anzeigen wegen eines möglichen Geheimnisverrats eingegangen. Eine weitere soll Staatsanwältin Irene Silinger zufolge der Generalstaatsanwaltschaft in Celle vorliegen. Ob die Lüneburger Staatsanwaltschaft von sich aus Ermittlungen aufnehme, müssten die Kollegen vor Ort klären, sagte sie. Der Fall werde von Hannover nach Lüneburg abgegeben, um jeden Verdacht mangelnder Objektivität zu vermeiden.

In den Anzeigen werden Silinger zufolge keine Tatverdächtigen genannt. Grundsätzlich dürften Beamte keine dienstlichen Informationen von sich aus an Dritte weitergeben. "Bei offiziellen Anfragen der Medien sind wir jedoch verpflichtet, nicht die Unwahrheit zu sagen." Zwar müssten die Persönlichkeitsrechte gewahrt werden, doch gebe es ein besonderes Informationsbedürfnis bei Personen des öffentlichen Lebens.

epd

Kommentare

Verfasst von Fritz7 am 10. März 2010 - 7:16.

Was unternimmt EKD und Landeskirche in eigenem Hause?

... um ungeregelte Informationsabflüsse in der Kausa aufzuklären?...

... um ungeregelte Informationsabflüsse in der Kausa aufzuklären? Jetzt nur Anzeige als Abwiegelungsmanöver oder um den Kessel länger heiß zu halten? Die innerkirchlichen anonymen Presseinformanten zu benennen und für evt. zukünftige Wiederholungen zu "neutralisieren" wäre wohl mindestens ebenso DRAN!

"Der User merkt schnell, ob ihm zugehört wird." (Tom Noeding)

Verfasst von Gast am 9. März 2010 - 13:27.

Als das Kind beim Anblick des

Als das Kind beim Anblick des Kaisers in seinen neuen Kleidern ausrief: "Er hat...

Als das Kind beim Anblick des Kaisers in seinen neuen Kleidern ausrief: "Er hat ja gar nichts an!", war das auch Geheimnisverrat, aber es war die Wahrheit und niemand hat das Kind bestraft. Wie sehr muß man ideologisch belastet sein, um gegen die Offenbarung der Wahrheit gerichtlich vorzugehen?

Das Geheimnis eines jeden Bischofs ist die persönliche Heiligung: War es nicht Geheimnisverrat, daß Frau Käßmann so viel getrunken hat?
Das Geheimnis eines jeden Geistlichen ist die Demut: War es nicht Geheimnisverrat, daß Frau Käßmann in trunkenem Zustand Auto gefahren ist?
Das Geheimnis eines jeden Christen ist Gehorsam: War es nicht Geheimnisverrat, daß Frau Käßmann an der roten Ampel nicht gehalten hat?

Das sind meiner Meinung nach von kirchlichem Standpunkt her wichtigere Fragen als die, wer von den Beamten das "Geheimnis" verraten hat. Und darüber hinaus: Verrat ist nicht gleich Verrat, auch wenn das Wort dasselbe ist.

Verfasst von Lorenz am 9. März 2010 - 11:59.

Persönlichkeitsschutz bei "öffentlichen Personen"

Die vier Anzeigen von konservativen Christen sind verständlich, die...

Die vier Anzeigen von konservativen Christen sind verständlich, die Auskunft der Staatsanwaltschaft nicht. Wer Person des öffentlichen Interesses ist, der muß sich bei öffentlichen Auftritten fotografieren lassen und die Informationen an die Presse in Kauf nehmen. Ansonsten könnte die Presse nicht frei und ungehindert berichten. Ausnahmen hiervon gelten für Anwälte, Ärzte, Priester. Der zurückgetretenenen Landesbischöfin erweisen die Anzeiger einen Bärendienst! Sie machte sich unglaubwürdig, wenn sie die Information an die Presse ebenso mißbilligte, wie Pressesprecher Johannes Neukirch.  

 

Verfasst von Gast am 8. März 2010 - 21:15.

Ruhe bitte!

Frau Käßmann ist zurück getreten. Sie hat gesagt, warum. Sie hat sich zu dem...

Frau Käßmann ist zurück getreten. Sie hat gesagt, warum. Sie hat sich zu dem bekannt, was zu bekennen war, so weit es für die Öffentlichkeit relevant war. Dass die Staatsanwaltschaft ermittelt, wer was der Bild gesteckt hat, ist in Ordnung. Und nun sollte Ruhe sein. Alles andere ist Papparazzitum und verletzt die Persönlichkeitsrechte.

Verfasst von Wilhelm Drühe am 8. März 2010 - 18:59.

Geheimnisverrat

Daraus kann also eine lange Geschichte "Margot Käßmann"...

Daraus kann also eine lange Geschichte "Margot Käßmann" werden - mit vielleicht weiteren Rücktritten oder Absetzungen. Cui bobo? War es ein Katholik, dem die evangelische Bischöfin ein Dorn im Auge war? War es ein Evangelischer, dem die Frau im Bischofsamt nicht gefiel? Oder einfach einer der zahlreichen Presse-Informanten die ihr Gehalt aufbessern? - Wir haben uns leider daran gewöhnt, sehr schnell immer nähere Umstände zu erfahren. Deshalb muss eine Untersuchung dringend erfolgen! - Aber da war noch etwas anderes, das auch untersucht werden müsste: Der Beifahrer der nächtlichen Fahrt - Es hieß, die Polizei hätte seine Personalien aufnehmen müssen, hätte es aber nicht - aus welchen Gründen? - nicht getan. Hätte er auch die Fahrt unter Alkoholeinfluss verhindern müssen? Offensichtlich geht es um einige "Geheimnisse", die aufgeklärt werden müssen. Ich bin gespannt auf das Ergebnis!

Verfasst von Coriander am 8. März 2010 - 22:23.
Kommentar auf: Geheimnisverrat

Der Beifahrer der nächtlichen

Der Beifahrer der nächtlichen Fahrt - Es hieß, die Polizei hä...

Der Beifahrer der nächtlichen Fahrt - Es hieß, die Polizei hätte seine Personalien aufnehmen müssen, hätte es aber nicht ...

Hätte sie nicht müssen, nein. Muss sie nur dann, wenn der Fahrer "völlig kontrollunfähig" ist. Dann braucht man den Beifahrer als Zeugen. Aber das hatten wir doch alles schon.

- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-

Verfasst von Gast am 8. März 2010 - 19:30.
Kommentar auf: Geheimnisverrat

Bärendienst !

Ich fürchte nur, diejenigen,welche jetzt lauthals nach dem Staatsanwalt rufen,...

Ich fürchte nur, diejenigen,welche jetzt lauthals nach dem Staatsanwalt rufen, erweisen unserer ehemaligen Landesbischöfin einen Bärendienst !

Oder sollen wirklich alle Details - jetzt auch noch die ganz persönlichen - der Trunkenheitsfahrt an die Öffentlichkeit ? Damit steigen höchstens die Auflagen der Boulevardpresse.

Verfasst von Fritz7 am 8. März 2010 - 21:28.
Kommentar auf: Bärendienst !

unterscheib!

einen Bärendienst ... und der EKD samt Landeskirche auch. Wahrscheinlich...

einen Bärendienst ... und der EKD samt Landeskirche auch. Wahrscheinlich auch allen Wohlwollenden in dem inszeniertem Skandal ... Es wird immer widerlicher ... Wer mit wirklich kompetenz und Talent will in solchem Schlangennestern schon noch ein dazu incl. Schmerzensgeld wahrscheinlich unterbezahltes Amt ?

Fritz

"Der User merkt schnell, ob ihm zugehört wird." (Tom Noeding)

Verfasst von DonAlfredo am 10. März 2010 - 6:59.
Kommentar auf: unterscheib!

Weil es so gewesen sein soll?

Lorenz kommentiert: Sie machte sich unglaubwürdig, wenn sie die...

Lorenz kommentiert:

Sie machte sich unglaubwürdig, wenn sie die Information an die Presse ebenso mißbilligte, wie Pressesprecher Johannes Neukirch.

Wenn man diesen Satz wie eine Monstranz vor sich herträgt, kann man auch allmählich eine Wirkung erzielen:

Niemand hat von Frau Käßmann gehört oder gelesen, dass sie sich zu dem "Durchstechen" des Dienstgeheimnisses geäußert hätte. Was soll dann die dauernde Wiederholung dieses konjunktivistischen Konstrukts?

 

-> John Wesley (Mitbegründer der methodistischen Bewegung):
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