Flüchtlinge - Schrei nach Aufmerksamkeit: 41 Jugendliche aus Afghanistan sind in einen Hungerstreik getreten. Sie protestieren gegen die Bedingungen ihrer Unterbringung im Münchner Flüchtlingslager.
Mohammed (Name geändert) hat seit zehn Tagen nichts gegessen. Der 16-jährige Flüchtling aus Afghanistan ist im Hungerstreik. Seit mehr als sechs Monaten lebt er in der ehemaligen Bayernkaserne im Münchner Norden in einem Mehrbettzimmer. Angekündigt waren drei Monate. Doch kommt die "Erstaufnahmeeinrichtung für unbegleitete minderjährigen Flüchtlinge" nicht mehr hinterher mit der Arbeit. Statt der geplanten 50 leben derzeit rund 130 Jugendliche in der Kaserne, und bis ihr Verfahren geprüft wird und sie in eine Jugendhilfeeinrichtung kommen, vergehen Monate.
Am Mittwochabend sind 20 der Asylbewerber ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Situation der Streikenden in der Unterkunft habe sich verschärft sich, weil einige der Jugendlichen sich auch weigerten zu trinken, teilten die Innere Mission München und die Kampagne "Nako! Stop Deportation to Afghanistan" am Donnerstag in München mit.
Evangelische Kirche plant "Jugendcafé"
Am vergangenen Montag hatten sich weitere 40 Jugendliche in der Bayernkaserne Mohammeds Hungerstreik angeschlossen. Bei einem Gespräch mit Vertretern von Regierung, Behörden und Pfarrer Andreas Herden von der Inneren Mission München formulierten die Jugendlichen am Dienstagabend ihre Wünsche: eine sichere und ruhige Bleibe, mehr Freizeitaktivitäten und einen besseren Zugang zu Bildungsangeboten, etwa mit einem kostenlosen Bibliotheksausweis - vor allem aber wollen sie Betreuer, die sie über ihre Rechte informieren, die Zeit haben für ein Gespräch und nicht nur im Notfall zu sprechen sind, die sich um ihre psychischen Probleme kümmern und nicht nur dafür sorgen, dass Psychopharmaka verschrieben werden.
"Es war ein Schrei nach Aufmerksamkeit und Zuwendung", schildert Pfarrer Herden am Mittwoch die Begegnung. Die Jugendlichen fühlten sich wie Bäume, deren Wurzeln ausgerissen worden seien. "Sie leiden unter Kriegstraumata und sind ohne ihre Eltern ganz auf sich selbst gestellt. Sie benötigen Schutz, Sicherheit und Ruhe", sagt Herden.
Die zuständigen Behörden und Einrichtungen seien zwar bemüht, die Situation der minderjährigen Flüchtlinge zu verbessern. Doch dauerten die Verfahren meist länger als die vorgesehenen drei Monate. Es gibt nicht genügend Geld für das Betreuungspersonal und die Deutschkurse. Besserung ist nicht in Sicht, denn die Zahl der Flüchtlinge steigt stetig. Die Bayernkaserne hat ihre Kapazitätsgrenze erreicht: Von den 400 Plätzen sind 379 belegt - mit Flüchtlingen aus Afghanistan, Somalia und dem Irak.
Das Warten ist zermürbend
"Die Situation in der Bayernkaserne ist eine große Belastung, das Warten ist zermürbend", sagt Herden. Aber die Jugendlichen seien auch in der Pflicht: "Diese Jungs müssen die Verantwortung für ihr Leben übernehmen." Als Beispiel dafür erzählt er, dass zwei bis drei Mal am Tag in der Kaserne falscher Alarm ausgelöst wird. "Jedes Mal rückt die Feuerwehr an, und alle 400 Bewohner müssen aus dem Gebäude", berichtet der Pfarrer. Es sei an den Jugendlichen, dazu beizutragen, dass solche Zwischenfälle unterbleiben und es ruhig bleibe in der Einrichtung.
Um das Gefühl für Verantwortung zu stärken, kündigte die Innere Mission - abgesehen von den Sprachkursen, an denen täglich rund 80 Jugendliche teilnehmen - zwei weitere Projekte an. So wollen Jugendliche der evangelischen Hoffnungskirche Freimann ein "Jugendcafé" in der Bayernkaserne einrichten. Außerdem will ein Diakon mit Münchner Jugendlichen eine Gruppe gründen, die die afghanischen Flüchtlinge unterstützt.




Kommentare
Widerspruch
1. Die Jugendlichen sind in der Bayernkaserne gut und solide untergebracht. Es fehlt dort an nichts, wenngleich ich zugebe, das zuweilen die Privatspäre zu kurz kommt.
Es gibt dort ausreichend und geeignete Verpflegung, warme Zimmer, Unterrichtsräume, Sporthalle und Sportplatz, sowie unweit ein nicht unattraktives Spazierarreal und Sicherheit gibt es dort sogar mehr als anderswo in München.
2. Die Jugendlichen werden pädagogisch und psychologisch durch die zuständigen Ämter betreut, noch dazu wenn sie Bedarf äußern.
3. Die Bayernkaserne war unlängst für wehrpflichtige Bundeswehrsoldaten noch gut genug, auch Studenten der Universität der Bundeswehr waren über die Unterbringungsmöglichkeit dort nicht unzufrieden. Es erschließt sich nicht, warum sie nun für diese Jugendlichen, die aus Afghanistan dem Vernehmen nach nicht im Luxus groß geworden sind, nicht ausreichen sollte.
4. Ich begrüße das Engagement der evangelischen Kirche vor Ort. Und doch muss es gelingen, Fördern durch Fordern umzusetzen. Alles andere bleibt auch für die Jugendlichen unbefriedigend.
5. Das Verschreiben von Psychopharmaka wird hier negativ dargestellt. Fakt ist: Es ist die medkamentöse Begleitung von Therapien. Der Einsatz erfolgt nach, aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht, anerkannten Methoden.
Sollte hier Anlass zur Kritik sein, so ist das eine medizinische und keine ideologische Debatte. Der Artikel suggeriert, diese Jugendlichen würdenohne Anlass unter Psychopharmaka gesetzt. Ich stelle fest, das das Bundesland Bayern über die Stadt München unter anderem hierfür die Kosten trägt und der zuständige Amtsarzt keine Beanstandungen an den Behandlungsmethoden seiner Kollegen fand und folglich billigt.
6. Anstatt z.B. die freiwillige Jugendfeuerwehr "Bayernkaserne" zu gründen und z.B. somit die Jugendlichen sinnvoll zu beschäftigen und ihnen quasi nebenbei aufzuzeigen, was an Arbeit und Leistung an so einem Feuerwehreinsatz dran hängt, wählt man das Mittel des unreflektierten Mitleids. Das erschließt sich mir nicht.
7. Ja, die Mittel zur Betreuung seitens der Stadt und des Landes sind begrenzt. Anstatt herum zu jammern wäre aber Kreativität gefragt. In der Heidemannstraße gibt es z.B. ein Studentenwohnheim. Vielleicht nimmt man Verbindung auf, um hier die jungen Nachwuchswissenschaftler vielleicht für das ein oder andere Projekt (Theatergruppe, Unterricht, Begegnung, usw.) zu gewinnen-evtl. gelingt das ja dem Diakon mit seinem Ansinnen. Vielleicht helfen die Betriebe, die unweit in Milbertshofen tätig sind, bei der Einrichtung von Lehrwerkstätten-die Infrastruktur ist ja vorhanden. Wurden denn schon pensionierte Pädagogen gefragt, ob sie vielleicht Unterrichte geben könnten?
Die Stadt München soll das also alles alleine leisten. Sind Sie sicher, dass dies überhaupt möglich ist und wenn: unter welchem Preis?
8. Für mich ist dieser Hungerstreik kein "Schrei nach Aufmerksamkeit und Zuwendung". Für mich ist es das Ergebnis einer Fehlentwicklung, an denen selbsterklärte Betreuer und Aktivisten mit, wenn nicht maßgeblich, verantwortlich sind.
9. Allein der Duktus: die Kapazität sei erreicht, 379 von 400 Plätzen seien erreicht. Wem wollen Sie denn damit kommen? Es gibt 400 Plätze. 379 davon sind belegt. Punkt.
10. Es zeigt sich einmal mehr: Ohne Struktur, Straffheit und Klarheit, sowie Transparenz erreicht man in der Betreuung von Asylbewerbern und für die Asylbewerber nichts.
Fördern durch Fordern heißt der Schlüssel. Mitleid, noch dazu falsches, vernebelt nur das gemeinsame Ziel: adäquate Einbindung in die deutsche Gesellschaft und die Erziehung der Asylsuchenden zu selbstbewussten (zukünftigen) Staatsbürgern, die um ihre Rechte und Pflichten wissen und die Maxime, die ihnen die Freiheitlich Demokratische Grundordnung garantieren, auszuleben im Stande sind, was ja selbsterklärtes Ziel der Asylsuchenden ist-zu Recht!
Weiters sind diese Menschen zu befähigen sich selbst und ihre (hier: zukünftigen) Familien ernähren und versorgen zu können-ein weiterer elementarer Baustein um selbstbewusst in diesem Land leben zu können.
Die psychologische Betreuung von Kriegstraumata, die sich der deutsche Steuerzahler einiges kosten lässt, behindert Fördern durch Fordern und das Erreichen der von mir skizzierten Integrationsziele nicht. Wir haben in Bayern tlw. gute Erfolge erzielt-und das ist nicht nur daran festzumachen, dass sich ein Bayer mit türkischen Wurzeln auch mal auf bayerisch artikuliert. Das gelang, trotz dass selbsterklärte Aktivisten hier in München der 1980er Jahre demonstrierten: Deutsch zu lernen, Berufsausbildung wäre "Zwangsgermanisierung".
Es sind selbsterklärte Betreuer und Aktivisten wie "Nako! Stop Deportation to Afghanistan", die hier ihr ideologische Mütchen kühlen wollen, aber selbst nichts gebacken bekommen, außer Plakate zu malen, Homepages einzurichten und überall zu behaupten die "böse Verwaltung" würde hier aus negativem Eigenantrieb und nicht aufgrund haushälterischer Vorgaben/ aufgrund Recht und Gesetzes handeln.
11. Ja, ich wünsche mir auch mehr Haushaltsmittel zur Betreuung dieser Jugendlichen im Besonderen und zur Betreuung von Asylsuchenden im Allgemeinen. Doch sie sind nun einmal nicht da. Und niemand in der Exekutive/ Verwaltung kann sie beschaffen, da wir den Haushalt nicht beschließen. Es wäre zielführender hier die Legislative, die die Haushalte auf allen Verwaltungsebenen (Bund, Land, Regierungsbezirk, Landkreis, Kommune) beschließen dazu aufzufordern, wenn man denn will. Zu Recht verbitten sich diese frei gewählten Parlamentarier eine Bevormundung seitens der Verwaltung, wenngleich sie das gegenüber dem Wähler=Steuerzahler nicht tun könnte und würde. Wer ist hier also in der Pflicht?
Ankerkinder !
Vorbemerkung: Es handelt sich bei diesen "Jugendlichen" um im polizeilichen Fachjargon so genannte Ankerkinder, d.h. ein - zumindest den eigenen Angaben nach - Minderjähriger wandert aus und zieht dann seine Familie nach. Demnach kommen auf einen dieser "Jugendlichen" in nächster Zukunft eine Vielzahl an Familienmitgliedern; ob diese allesamt zu den angeblich hierzulande so sehr benötigten Fachkräften gehören, wage ich zu bezweifeln.
Was sagen denn die Betreiber dieser Einrichtung dazu ? Gibt es keine Sanktionen, um die mutwilligen Fehlalarme zu unterbinden ? In diesem Fall spricht m.E. auch nichts gegen kollektive erzieherische Maßnahmen.
Wer hat die "Jugendlichen" überhaupt auf die Idee mit dem Hungerstreik gebracht ? Und wer soll damit denn unter Druck gesetzt werden ?
Ein altdeutscher Spruch sagt : "Wer trutzt der Schüssel,schadt seinem eignen Rüssel".
Verachten statt helfen?
Deutschland ist bekanntermaßen ein Einwanderungsland und sollte seinen Einwanderern mit Offenheit und insbesondere bei Kriegstraumatisierten (Minderjährigen!) mit Fürsorge begegnen. Die zahlreichen Familienangehörigen, die sie befürchten, sind möglicherweise zu einem großen Teil umgekommen - in einem Krieg, an dem auch Deutschland beteiligt war.
"Am 4. September 2009 bombardierte die Nato nahe Kundus in Afghanistan einen Tanklaster - Dutzende Zivilisten starben, darunter viele Kinder. Den Befehl hatte Oberst Georg Klein gegeben, der Tag wurde der blutigste in der Geschichte der Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg."
http://www.taz.de/Abschlussbericht-vom-Kundus-Ausschuss/!80768/
Hier vorrangig Sanktionen zu fordern entspricht einer nationalistischen Mentalität, die anderorts als typisch deutsch gilt. Das diese Einstellung immer noch so verbreitet ist hierzulande, ist beschämend.
Wieso immer noch ?
Diese von Ihnen als "nationalistisch" bezeichnete Einstellung wird im Gegenteil immer weiter zunehmen - und das mit gutem Grund : siehe hierzu den ausgezeichneten Beitrag von Vor-Ort-Kenner.Derartige Informationen sind bitter notwendig, damit der Druck auf unsere politischen Entscheidungstraeger zunimmt, und Deutschland zu einem wirklichen Einwanderungsland wird, welches die Immigration nach seinem nationalen Interesse gestaltet.
In diesem Sinne lasse ich mich gerne als nationalistisch bezeichnen.
Da hab ich doch noch einen
Da hab ich doch noch einen Auszug aus einem Artikel gefunden, der mir aus dem Herzen spricht:
"Verletzungen der Menschenrechte richten sich gegen das humane Fundament unserer eigenen politischen Ordnung. Schutz vor Gefährdung an Leib und Leben ebenso wie das Recht auf Auswanderung und Flucht aus drückender Armut sind Menschenrechte! Die Verweigerung einer humanen Aufnahme von Flüchtlingen verleugnet das Gebot der Nächstenliebe - der Solidarität der Menschen mit Menschen."
http://www.evangelisch.de/themen/gesellschaft/die-aufnahme-von-fluechtli...
Wenn ein Einwanderungsland
Wenn ein Einwanderungsland sich das Recht heraus nimmt, Immigration ausschließlich nach nationalem Interesse zu gestalten (Auslese nach Fachkräften), sollte es sein militärisches und wirtschaftliches Handeln auch auf den nationalen, bzw. europäischen Raum beschränken. Seit der Kolonialisierung agiert Deutschland/ der Westen wirtschaftlich international, um den Wohlstand der eigenen Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Menschen aus Krisengebieten mit offenen Herzen aufzunehmen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein - in einer Gesellschaft, in der Wohlstand dominiert.
@ Lisa am 14. Januar 2012 - 19:25.
4 Aussagen möchte ich zu Ihren Posts machen:
1. Man sollte unterscheiden lernen zwischen Asylsuchenden und anderen Migranten.
Während man sich Asylsuchenden selbstverständlich nicht aussuchen darf und dies a)wegen dem GG auch nicht möglich wäre und b)die Verballhornung unserer eigenen Geschichte wäre, die unzählige Deutsche an den Schweizerischen, Schwedischen, US-Amerikanischen, usw. Grenzen an einem Asylgesuch scheitern ließen und anschließemnd von den Nazis deportiert und ermordet wurden.
Anders verhält es sich mit Migranten, die keine Asylsuchende sind. Hier darf und muss der deutsche Staat sehr wohl Anforderungen für einen Zuzug definieren.
2. Kommen diese Menschen in dieses Land sind sofort selbsterklärte Betreuer und "Aktivisten" am Start. Und diese beweisen regelmäßig ihr Versagen die Ankömmlinge dazu zu bringen einen Berufsabschluss zu erwerben und/ oder die politischen und gesellschaftlichen Grundlagen des Miteinanders hier zu erlernen.
Meist wird dies aus falschem Mitleid, aus ideologischen Gründen (vor Ort Kenner hatte das gut dargestellt) nicht gemacht. Doch das ist falsch und führt zu Verwirrungen und -irrungen auf beiden Seiten.
Überall da, wo dies aber konsequent umgesetzt wurde, überall da, wo gezielt darauf hin gearbeitet wurde sind Migranten gut integriert ohne die eigene Kultur aufzugeben.
Die Grenze der "Selbstverwirklichung" ist logisch, transparent und klar. Sie steht im Grundgesetz.
Ich illustriere an einem Beispiel: Niemand wird sich aufregen, wenn zwei Muslime heiraten und dies nach muslimischen Traditionen tun-im Gegenteil werden viele Deutsche interessiert bzw. positiv gestimmt sein obgrund des Farbtupfers in unserer Gesellschaft.
Doch wird im Anschluss die Ehefrau verprügelt, weil sie sich unverschleiert zeigt, dann ist die Grenze überschritten, aber eben nur in der deutschen, der neuen Gesellschaft-in ihrer Heimat ist das mitunter respektiert und akzeptiert.
Oder etwas Profanes: In Brasilien ist es üblich den Müll im Hof zu verbrennen. Das ist dort gesellschaftlich voll akzeptiertes Verhalten. Machen Sie das einmal in München, andererseits stellen Sie mal eine Mülltonne in Brasilia/ Rio oder anderswo auf die Straße!!
D.h.: Sinn und Zweck von Integrationskursen usw. ist nicht dem Brasilianer seine kulturelle Identität zu nehmen, aber eben ihn z.B. darauf hinzuweisen, dass der Müll in München abgeholt und zentral verbrannt wird. Und das versteht dieser auch als Tip, als Ratschlag und mitnichten als Bevormundung, wie Sie es im allgemeinen Kontext zu suggerieren bereit sind.
Je früher man dabei den Migranten diese Grenzen und Geflogenheiten vermittelt, desto höher sind die Erfolge, dass sie nicht überschritten werden und der Migrant sich in Deutschland zurecht finden kann. Und das gelingt meist auch leicht, da die Migranten überwiegend Regeln/ Rechte und Pflichten akzeptieren und repektieren können und wollen.
Migration und Integration sowie Multi-Kultur sind eben mehr als die kulturelle Bereicherung durch den "Italiener um die Ecke", es ist aber auch mehr als "Ehrenmorde".
3. Zum einen modellieren Sie die Migranten zu einer "armen und hilfsbedürftigen Masse" voller edlen Menschen. Das ist schon ziemlich naiv.
Zum anderen suggerieren Sie, dass diese Menschen ausschließlich akzeptable/ erstrebenswerte Traditionen und Werte nach Deutschland mit bringen.
Das ist bestenfalls naiv Ihrerseits, in der Realität ist dies meist sogar gefährlich. Selbstverständlich sind dies Menschen und als solche hat man sie ernst zu nehmen und man hat ihnen zu helfen.
Z.b. ist im Falle der hier afghanischen Jugendlichen festzuhalten, dass diese eine starke Fixierung auf "das Recht des Stärkeren" kennen und ohne "Umerziehung" auch nicht in Frage stellen. Eine gesellschaftlich akzeptierte Strafbewährung ist neben Prügel auch der zwangsweise durchgeführte Analverkehr beim Schwächeren, wobei das "freiwillige" Angebot an den Stärkeren dazu dient "hierarchisch" aufzusteigen.
Sie sehen also ähnliche Verhaltensmuster wie in deutschen, und anderen, Gefängnissen. Das ist wissenschaftlich festgehalten, anthropologisch wenig überraschend, aber das muss man jetzt ganz nüchtern bearbeiten können und wollen. Hier darf es keine Tabus geben, gibt es aber. Diese gibt es auch Dank Menschen wie die hier im Artikel beschriebenen, die meinen dies ignorieren zu müssen, weil ja sonst jemand von den Migranten negativ beschrieben werden würde aber vor allem: weil es natürlich unappetitlich ist.
Doch betone ich nochmal: Man muss das streng sachlich beurteilen, bewerten und anschließend entgegenwirken. DENN diese Verhaltensmuster kommen nicht dadurch, dass diese jungen Männer schlechtere Menschen wären. Nein, sie kommen daher, dass sie die Züchtigung des Schwächeren in ihren möglichen Eskalationsdynamiken nicht anders kennen und folglich auch nichts inhumanes daran empfinden können, mehr noch es für sie logisches und folglich notwendiges (Überlebens-)Verhalten ist.
Dazu sei bemerkt: hier sind somalische und afghanische Jugendliche untergebracht. Wenn Sie denken, dass hier jetzt Begeisterung obgrund der "Multikulti"-Unterbringung bei den afghanischen Jugendlichen ausbräche, so sehen sie sich gestäuscht. Diesen Jugendlichen ist z.B. hier ganz klar abzuerziehen, dass Menschen mit dunklerer Hautfarbe als sie selbst weniger (Farbige sind in afghanischen Gesellschaften gar nichts wert, um es genau zu benennen) wert seien-dazu müsste man aber z.B. dieses Problem mal benennen und Gegenmaßnahmen -z.B. gemeinsame Projektgruppen- ergreifen. Da aber nicht sein kann, was nicht sein darf, wird das nicht getan.
Gleich verhält sich das alles bzgl. der Religion, Frauenrechten, Anti-Homphobie, usw.-das hatte Vor Ort Kenner ja gut beschrieben.
Hier ist Deutschland. Punkt. Es gibt Gründe dafür, dass diese Menschen hier her kommen-und sie kommen letztlich alle freiwillig nach Deutschland (Der Unterschied ist, dass einige ihre Heimat freiwillig verlassen und die anderen verlassen müssen.).
Hier ist also der Hebel anzusetzen: Alternatives Verhalten aufzeigen-aufzeigen, dass man hier nicht die Spiele "Recht des Stärkeren" spielt, ja nicht spielen muss, weil genügend Ressourcen da sind-anders als in ihren Herkunftsländer. Andereseits diese Methodik "Recht des Stärkeren" in Deutschland nicht dazu führen darf in den Besitz einer Sache zu kommen-können sicherlich, aber dürfen: nein.
Und selbstverständlich kann die Gesellschaft, die hier schon ist-und eben nicht so einfach weg gehen kann-Vorgaben für das Zusammenleben machen. Und wer sich dem nicht unter- besser: einordnen möchte, der muss eben gehen.
Das ist dann für beide Seiten besser.
4. Gern wird immer behauptet, dass der Staat die Migranten zu etwas zwänge. Integrationstest und -auflagen sind die besten Beispiele einer streng ideologisch und wenig wissenschaftlich geführten Debatte.
Dazu ein kleiner Exkurs in das deutsche Staatswesen:
a) Man kann nur das in den Haushalt einstellen, wozu es eine gesetzliche Grundlage gibt. D.h. sollen die Migranten z.B. Deutsch lernen, dann muss das bezahlt werden. Um es bezahlen zu können, braucht man Haushaltsmittel. Um diese einstellen, ausgeben und abrechnen zu können, braucht man eine gesetzliche Grundlage.
b) Niemand kann zu etwas gezwungen werden, wofür es keine gesetzliche Grundlage gibt, deshalb auch die hohe Regelungsdichte. Und diese kommt den Migranten selbst wiederum zu Gute.
c) Die von Ihnen monierte "deutsche bzw. nationale" Einstellung zu dieser Problematik wird im Ausland tatsächlich als typisch deutsch angesehen. Allerdings genau anders herum, als Sie es zu vermitteln versuchen.
Der Umgang mit Migranten führt im Ausland tatsächlich zu Kopf schütteln. Aber nebenbei bmerkt: die Verschärfung der Einwanderungsrichtlinien, die man in Brüssel beschloss fussten mitnichten auf deutsche Positionen! Das waren Positionen Spaniens, der BeneLux und Skandinaviens, denen sich Deutschland dann in einem Kompromiss beugte.
Ein Beispiel dazu: Die Schweden hospitierten Anfang der 1990er Jahre in Deutschland, wie die Bundesrepublik den nach Deutschland (und eben auch Schweden) getragenen Kurdenkonflikt moderiert und konzeptionell angeht.
Die deutsche Variante mit Moderationsteams und Antikonfliktteams wurde bis Ende der 90er übernommen. Mit dem gleichen Erfolg wie in Deutschland, also gar keinem. Schweden entschied sich dann für einen anderen Weg: Ausweisungen und Gefängsnisstrafen-d.h. bei Straftaten fetsgesetzte Täter wurden/ werden unverzüglich mit dem Flugzeug in ihr angenommenes Heimatland verbracht, schwedische Staatsbürger kommen ins Gefängnis.
Es interessiert Schweden dabei nicht, ob der potentielle -angenommene- Geburtsstaat tatsächlich dieser ist und auch interessiert es Schweden nicht, ob dieses Land eine Aufnahme verweigert oder zustimmt.
Letzterer Weg wurde und wird übernommen von den meisten EU-Staaten. Deutschland tut das nicht, und so unreflektiert würde ich das auch nicht begrüßen wollen-aber tatsächlich wird Deutschland für seinen Weg bestenfalls belächelt und bemitleidet, meist aber -wie Sie zu Recht festhalten- dafür kritisiert.
Wir sind uns einig darin, dass wir jeden Menschen in Deutschland als solchen betrachten, willkommen heißen und integrieren.
Was uns unterscheidet sind die Wege zur Integration und die Konsequenzen daraus, lässt sich dieser Mensch nicht integrieren. Und uns unterscheidet, dass ich einen sachlichen, emotionslosen Ansatz bevorzuge, Sie hingegen offensichtlich den polemisch-emotionsbeladenen Ansatz bevorzugen. Das ist nicht schlimm, ich will es nur festgestellt wissen. Ebenso möchte ich festgestellt wissen, dass wir für letzteren -Ihren- Ansatz in Europa und der Welt nicht wirklich geliebt werden.
Menschen wie Sie, Menschen mit Ihrer Haltung verhindern die so notwendigen Entwicklungsprozesse bei Migranten mehr als Sie ihnen nutzen. Das ist kein persönlicher Angriff meinerseits, schon allein deshalb nicht, weil Sie überzeugen das Beste für die Jugendlichen/ für Migranten zu wollen, sondern eine notwendige Feststellung. Der Schluss daraus ist ebenfalls zu ziehen und dieser heißt: Ihre Positionen sind gut gemeint, aber überholt. Jemand der so austeilt wie Sie, wird dies locker einstecken können und, darüber würde ich mich freuen, eine sachbezogene und sachliche Antwort zu bieten haben.