Özkan: Sarrazin will Gesellschaft spalten

Integrationsministerin Aygül Özkan

Integrationsministerin Aygül Özkan rief in der ARD-Sendung "Beckmann" dazu auf, die Menschen statt statistische Daten in den Mittelpunkt der Integrationsdebatte zu stellen. Foto: dpa / Holger Hollemann

Integration - Die Integrationsministerin Aygül Özkan und muslimische Verbände sehen in Thilo Sarrazins Äußerungen zur Zuwanderung von Muslimen den Versuch, die Gesellschaft zu spalten.

"Sie sollten aufhören mit dem Polarisieren", forderte Özkan den Bundesbankvorstand am Montagabend in der ARD-Sendung "Beckmann" auf. Sarrazin verteidigte erneut seine These, dass sich Muslime in Deutschland wesentlich schwieriger integrieren lassen als andere Gruppen.

Die türkischstämmige Ministerin Özkan rief dazu auf, die Menschen statt statistische Daten in den Mittelpunkt der Integrationsdebatte zu stellen. "Ich möchte das Verbindende", sagte sie. Als wesentlich für die Integration von Zuwanderern sieht Özkan einen frühen Kindergartenbesuch. Zudem wies sie auf die Beiträge Einzelner hin. "Integration geschieht im Kleinen", sagte Özkan und nannte als Beispiele das Miteinander in Nachbarschaften und Sportvereinen.

Sarrazin hatte am Montagvormittag in Berlin sein umstrittenes Buch "Deutschland schafft sich ab" präsentiert. Am gleichen Tag beschloss die SPD-Spitze die Einleitung eines Parteiausschlussverfahrens gegen den ehemaligen Berliner Finanzsenator. Auch Sarrazins Vorstandskollegen bei der Bundesbank gingen auf Distanz. Seine diskriminierenden Äußerungen fügten dem Ansehen der Bank Schaden zu, hieß es in einer Erklärung, in der ein klärendes Gespräch mit dem 65-Jährigen angekündigt wurde.

SPD-Bundesvize Olaf Scholz begründete das Parteiausschlussverfahren in der Sendung "Beckmann" damit, dass Sarrazin gegen das Grundverständnis der SPD verstoße. Sarrazin diskutiere über Abstammung als Problem und nicht als Aufgabe, wie man Menschen Chancen für eine gute Zukunft eröffnen kann. Der Bundesbankvorstand bekräftigte seine Absicht, in der Partei zu bleiben. Es werde zu keinem Rauswurf kommen, sagte Sarrazin.

Muslime werfen Sarrazin Spaltung der Gesellschaft vor

Islam-Verbände werfen dem Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin vor, mit falschen Behauptungen über Muslime die Gesellschaft zu spalten. Der Generalsekretär der Muslime in Deutschland, Ayman Mazyek, bezeichnete den ehemaligen Berliner Finanzsenator am Montag als einen "Nazi in Nadelstreifen", der versuche, "Rassismus wieder salonfähig zu machen". Seine Behauptungen über Muslime entbehrten jeder wissenschaftlichen Grundlage.

Der Generalsekretär des Islamrates, Burhan Kesici, rechnet mit einer steigenden Islamfeindlichkeit infolge der Thesen Sarrazins. Kesici und Mazyek forderten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Französischen Friedrichstadtkirche den Rücktritt Sarrazins als Bundesbanker. Mit seinen Positionen schade er nicht zuletzt dem Ansehen Deutschlands im Ausland.

Das Vorstandsmitglied des Berliner Landesverbandes der Türkisch-Islamischen Union DITIB, Pinar Cetin, bezeichnete die Thesen Sarrazins als einen Angriff auf die Menschenwürde. Muslime in Deutschland seien ein Teil der Gesellschaft. Die "hetzenden Aussagen" Sarrazins stellten eine Mindermeinung dar. Aber selbst wenn Sarrazins die Meinung der schweigenden Mehrheit wiedergebe, "heißt das nicht, dass er Recht hat". "Wir sehen die Probleme, die Sarrazin anspricht." Diese könnten aber nur gemeinsam und nicht gegeneinander angepackt werden.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland begrüßte unterdessen den Beschluss des SPD-Präsidiums, ein Parteiordnungsverfahren mit dem Ziel des Ausschlusses gegen Sarrazin einzuleiten. Der Bundesvorsitzende Kenan Kolat forderte eine breite gesellschaftliche Diskussion über neue Strömungen von intellektuellem Rassismus.

epd

Kommentare

Verfasst von Werner Schulz am 1. September 2010 - 17:13.

Aygül Özkan

Frau Özkan sollte den Mund nicht so voll nehmen. Denn was im Spiegel 18/2010,...

Frau Özkan sollte den Mund nicht so voll nehmen. Denn was im Spiegel 18/2010, Seite 36, über sie steht ist nicht gerade ein Beispiel für soziale Kompetenz: "Überstunden inbegriffen Die neue niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan will ein Vorbild für Migranten sein. Als Managerin in Hamburg hat sie Türken allerdings mit lausigen Arbeitrbeitsverträgen ausgebeutet." Also, in einem alltäglichen Sinne: Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen!

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