Herr Sarrazin, ich hab da mal ein paar Fragen

Kann man über ein Buch sprechen, das man nicht gelesen hat, bzw. auch gar nicht lesen will?, fragt sich der Literaturprofessor Pierre Bayard. Ja, kann man, indem man einfach nur wichtige Fragen zu dem Buch und dessen Inhalt stellt. Also stelle ich Fragen zu dem Buch von Thilo Sarrazin!

Die erste Frage, die sich aufdrängt, ist die nach dem Sinn des Buches:

- Was soll es bezwecken? Aufklärung, Lösung, Hetze oder Spaltung?

- Wie kommt der Autor zu der Behauptung, dass wir uns abschaffen?

- Ist die Lösung der vom Autor angenommenen Problematik wirklich zeitgemäß, sozial, humanistisch und völkerrechtlich vertretbar?

- Hat das Buch überhaupt eine reale Lösung?

►►►►►►►►

In der Ankündigung heißt es unter anderem - Sarrazin sieht genau hin, seine Analyse schont niemanden:

- Wirklich niemanden, auch nicht die Gier, die es ungeniert zulässt, dass wir zu große Klassenverbände und zu wenig Lehrer in Deutschland haben?

- Steht das Schulsystem ebenfalls in der Kritik, das eine gute Bildung, von einem gefüllten Geldbeutel des Elternhauses abhängig macht?  Herkunft + Vermögen² =  Bildung

- Spricht das Buch auch über die moralische und ethische Verpflichtung der sog. Elite?

- Steht auch etwas geschrieben über die humanistische Vorbildfunktion der sog. Elite in einer globalen Welt?

- Schont der Autor wirklich niemanden, hat er an alles gedacht?

- Oder gibt es doch vielleicht die eine oder andere Gesellschaftsgruppe, die geschont werden?

►►►►►►►►

Weiter heißt es in der Buchankündigung: Er zeigt ganz konkret, wie wir die Grundlagen unseres Wohlstands untergraben und so den sozialen Frieden und eine stabile Gesellschaft aufs Spiel setzen.

- Wer hat eigentlich in den letzten Monaten den allgemeinen Wohlstand unserer Gesellschaft aufs Spiel gesetzt? Hier ist zu erwähnen das der Autor auch Banker ist - ups!

- Wie soll ein sozialer Frieden gesichert werden, wenn das Soziale immer mehr abgebaut wird?

- Ist es nicht sogar Ziel des Buches, mit Behauptungen dieser Art den Sozialabbau voranzutreiben?

- Sucht der Autor vielleicht nur Gründe (Schuldige), die einen Sozialabbau rechtfertigen sollen?

►►►►►►►►

Sarrazin behauptet auch: Menschen verschiedener Herkunft hätten unterschiedliche Gene. «Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden»

- Woher weiß er das?

- Auf welche Studien beruft er sich?

- Ist es seriös, sich Statistiken so zurecht zubiegen, bis sie zur These passen?

- Gibt es auch Studien, die etwas anderes aussagen, und werden diese auch genannt?

- Ist das wirklich so?

Aus der Süddeutschen Zeitung: Genetische Untersuchungen erlauben statistische Verwandtschaftsanalysen auch zwischen Bevölkerungsgruppen. Die genetischen Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen sind allerdings in der Regel nur klein, während die Variation zwischen zwei Menschen derselben Gruppe viel größer sein kann. So kann sich etwa ein Brite genetisch stärker von seinem Nachbarn unterscheiden als von einem Chinesen. Juden gelten nicht als gemeinsames Volk, sondern als Religionsgemeinschaft, deren Mitglieder zahlreichen Nationen angehören. Mit Intelligenz und Lernfähigkeit oder Charaktereigenschaften wie Moral oder sozialem Verhalten haben genetische Unterschiede ohnehin nichts zu tun. (Quelle Süddeutsche Zeitung)

►►►►►►►►

Der Autor spricht sogar in einem Interview von einem Intelligenz-Gen

- Wenn es Gene für Intelligenz gibt, wie der Autor behauptet – gibt es dann auch Gene für Rassismus und wer trägt sie in sich?

- Gibt es auch Gene für Verantwortung und Verpflichtung – wer trägt sie?

- Gibt es auch Gene für Humanismus und Toleranz – wer trägt sie?

Das Buch „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin hat deutschlandweit Empörung ausgelöst und dem Autor einen Bestsellerplatz beschert und das war es eigentlich schon.

- Ist das eine Marketingstrategie (siehe auch der Fall Eva Hermann) mit Klischees, Behauptungen und Formulierungen um sich zu werfen, die an eine Zeit erinnern, die man eigentlich für überstanden hielt?

►►►►►►►►

Der Autor hat sich in den letzten Jahren oft und gerne, mit teils menschenverachtenden Thesen ins Gespräch gebracht. Zum einen unterstellt er, dass die Imegranten den Großteil der Hartz IV-Empfänger ausmachen, um dann im nächsten Schritt die Forderung zu publizieren, dass Hartz IV-Empfänger kalt duschen sollen! Das darf man nicht verdrehen!

►Ist der Autor darin Vorbild, macht er das täglich oder fordert er es nur von anderen? Frei nach der Devise:

Bescheidenheit ist eine Tugend, die man vor allem an anderen schätzt.
(Fancois VI. Duc De La Rouchefoucauld)

Er rechnete sogar aus, was und wie viel Hartz IV-Empfänger essen dürfen!

- Der Autor sorgt sich in seinem Buch um den sozialen Frieden. Wie muss ich das jetzt im Zusammenhang verstehen?

- Ein Versuch: Hartz IV-Empfänger sollen kalt duschen, wenig und ungesund essen, damit sie zornig werden, auf die Straßen gehen, damit der Autor mit seiner Sorge um den sozialen Frieden recht behält? Ausgebufftes System, hola!

- Hunger ist der Feind aller Grundsätze! Warum soll in Deutschland jemand hungern, wenn dadurch der soziale Frieden gefährdet wird?

Und das dies alles noch zu steigern ist, zeigt der Autor auch noch:
„Ich möchte nicht, dass das Land meiner Enkel und Urenkel zu großen Teilen muslimisch ist, dass dort über weite Strecken Türkisch und Arabisch gesprochen wird, die Frauen ein Kopftuch tragen und der Tagesrhythmus vom Ruf der Muezzine bestimmt wird", schreibt Sarrazin in einem Vorabdruck, den der „Spiegel" veröffentlichte.

►►►►►►►►

Herr Sarrzin, drei letzte Fragen: Was sagen Ihre Kinder und Enkelkinder eigentlich dazu?

Ihre Kinder und Enkelkinder haben doch längst gelernt in einer globalen Welt aufzuwachsen. Sie befreunden sich auf Partys in Schulen oder Unis und vernetzen sich weltweit miteinander und dabei spielt es keine Rolle ob jemand Muslime, Afrikaner, Jude oder Hindu ist.

►Oder sind Ihre Kinder und Enkelkinder auf Schulen, die so etwas nicht zulassen?

►Ist Scham oder nicht Scham auch eine Frage der Gene?

Nachwort: Warum will ich dieses Buch nicht lesen?!

Weil ich es absurd , nein, sogar lächerlich finde. Noch vor ein paar Wochen war fast jedes Auto mit einer Deutschlandfahne geschmückt und wir waren stolz auf unsere Nationalmannschaft. Man, war das ein Fest, wie wir (Respektive die Nationalmannschaft) die Engländer und Argentinier weggeputzt haben. Was wurden wir von der internationalen Presse für diesen kreativen und freudigen Fußball gelobt. Wie herrlich flott und einträchtig spielten Schweinsteiger, Lahm, Badstuber, Neuer, Müller neben Özil, Tasci, Gomez, Khedira, Aogo, Boateng, Podolski, Klose. Was waren wir stolz auf unsere Jungs. Eben auch für diese bunte Mannschaft haben wir von allen Seiten Respekt geerntet. Ja, wir die Deutschen wurden sogar in ein anderes und besseres Licht gerückt, dem Licht gelungener Integration. Die Welt sah uns mit anderen Augen und zeigte sich beeindruckt. Sollen wir das alles wieder begraben und wieder da anfangen, wo die ewig Gestrigen nie aufgehört haben?

Wenn jemand Lust auf ein gutes Buch hat, dann empfehle ich Bücher wie z. B. das Buch von Sir Peter Ustinov „Achtung Vorurteile“ oder „Ismael“ von Daniel Quinn oder „Momo“ und „die unendliche Geschichte“ von Michael Ende. Bücher, die es jedem ermöglichen ganz ohne Statistiken und Gutmenschart, auf seine ganz persönliche Weise, seinen eigenen Weg im Alltag zu beschreiten – ganz ohne Vorurteile und Klischees.

Euer Oliver Groß
 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3 (10 Bewertungen)

Kommentare

Verfasst von Gast am 14. September 2010 - 21:18.

Lesen Sie das Buch doch einfach...

Wenn Sie so viele Fragen an Herrn Sarrazin haben, lesen vielleicht doch besser...

Wenn Sie so viele Fragen an Herrn Sarrazin haben, lesen vielleicht doch besser das Buch.

Und weil Sie hier statt dessen "Momo" empfehlen - zweifellos ein gutes Buch - muss ich Sie leider warnen: Thilo Sarrazin hat ein Sachbuch geschrieben - keine schöne Gute-Nacht-Geschichte.

Nur so als Warnung vorab (wie bei den Zigaretten): Achtung, Thilo Sarrazin verursacht Störungen in der heilen, deutschen Integrationsmärchen-Welt. Lesen auf eigene Gefahr!

Verfasst von OliverGroß am 15. September 2010 - 15:27.

Vielen Dank für den

Vielen Dank für den Kommentar! Meine Erfahrungen, im ZUSAMMENLEBEN mit...

Vielen Dank für den Kommentar!

Meine Erfahrungen, im ZUSAMMENLEBEN mit unseren ausländischen Mitbürgern, sind sehr gut, freundlich und offen. Dagegen veranlassen mich Menschen die vorschnell und unüberlegt  von unbequemer Wahrheit sprechen, zu höchster Vorsicht. Was ist die Wahrheit? Hat Herr Sarrazin die Wahrheit? Woher wissen wir das? Ist das wirklich so?

Wenn es so wäre, warum hat der Autor es dann nötig sein Buch mit menschenverachtenden Thesen pobulär zu machen. Ich dachte es wäre ein Sachbuch? Mit Fakten belegt? Kein seriöser Wissenschaftler würde sich auf solch ein Niveau begeben!  Wer macht so etwas? Das muss man doch nur dann tun, wenn man keine wirkliche Botschaft hat, aber viel Geld verdienen will. Man nennt das übrigens Rattenfänger-Methode - mit Angst  und Halbwahrheiten Geschäfte machen. Zudem wird mir übel, wenn es dann auch noch  Menschen gibt, die ein sehr fragwürdiges Buch benutzen, um ihre heimliche Gesinnung zu rechtfertigen.

Herr Sarrazin hat zudem in zynischer Weise über Menschen gesprochen, die in schwierigen Lebenssituationen überleben müssen. Es macht micht traurig, das ich manchmal Kommentare lesen muss, die ihn in seiner Ansicht bestätigen und das ausgerechnet auf einer christlichen Plattform!

Es ist leicht an Gott zu glauben - aber können wir auch Gott glauben?

Es ist leicht sich Christ zu nennen - aber können wir das auch im Alltag leben?

 

LG Oliver Groß

 

 

 

Oliver Groß
Frankfurt

Verfasst von OliverGroß am 3. September 2010 - 12:54.
Kommentar auf:

?

Was soll ich damit anfangen - was will mir der Autor damit sagen?   LG...

Was soll ich damit anfangen - was will mir der Autor damit sagen?

 

LG Oliver Groß

Oliver Groß
Frankfurt

© 2009 - 2012 evangelisch.de  |  Tel: 069 58 098 - 189  |  Fax: 069 58 098 - 418  |  Kontakt  |  Impressum  |  Presse  |  Datenschutz  |  AGB