WM - Spiegelbild unserer Zeit

Eine Satire über Sport, Politik und Wirtschaft

Wenn Sie dieses Spiel atemberaubend finden, dann haben Sie's an den Bronchien. (Marcel Reif)

Die WM hat Fahrt aufgenommen – Zeit für ein erstes Fazit
Die ersten Gruppenspiele waren (von ein paar Ausnahmen abgesehen) eher fad. Woran liegt es? Hier ein Versuch der Erklärung, wobei zu berücksichtigen ist, dass ich zu einer Zeit groß wurde, wo wir einfach nur Fußball spielten, Spaß daran hatten und einfach nur gewinnen wollten. Was ist aus dem einst einfachen Spiel geworden?

„Das Runde muss ins Eckige“, war die Devise von Sepp Herberger, doch das war noch zu Zeiten, wo der Sport mit der Kommerzialisierung noch nicht verheiratet war.

Das waren noch Zeiten, wo die Mannschaften verloren haben, weil die Spieler schlecht spielten und wie schön war es auch, wenn die Spieler das zugaben.

Alles hat gestimmt: Das Wetter war gut, die Stimmung war gut, der Platz war gut - nur wir waren schlecht. (Dariusz Wosz)

Und heute? Fußball, so wollen uns Trainer- und Beraterstäbe weis machen, ist nicht mehr so einfach wie es einmal war. Heute ist alles anders: Taktiken und eine technokratische Spielweise die am Reißbrett von einer Heerschar von Trainern erarbeitet wurden, bestimmen wie die 11 Akteure zu agieren haben. Es erinnert eher an ein Planspiel, das es an Kompliziertheit nicht fehlen lassen will, als an einen Sport.

Und so kommt es auch, dass an einem verlorenen Spiel oder einem mit Hängen und Würgen erreichten Remis niemals der Trainerstab und die Mannschaft schuld sind. Klappt es nicht, werden Ausreden benutzt wie – die Vuvuzelas waren zu laut, der Winter in Südafrika zu kalt und der Ball war zu neu.

Es erinnert sehr an die Finanzkrise der letzen Jahre. Nicht die Banken und Spekulanten haben uns eine schwere Wirtschaftskrise bereitet, sondern das System war schuld. Früher war die Börse einfach erklärt: Es gibt Menschen, die haben Geld aber keine Ideen und es gibt Menschen, die haben Ideen aber kein Geld. Was lag also näher, das derjenige, der das Geld hatte, es dem gab der eine Idee hatte. Die Börse war ein Platz wo Synergien gebildet wurden. Doch erklären Sie heute mal die Börse! Es wird ähnlich schwer, wie wenn Sie Spielern eine Taktik erklären wollen, die dem Sinn des Sports als solches eigentlich engegenwirken.

Aber wie gesagt: es sind nicht die Trainer und Spieler, es sind immer andere Umstände schuld. Meine Lieblingsausrede (die häufigste Ausrede in der WM 2010) aber ist und bleibt: Der Gegner hat die Räume enggemacht.

Nein, was die sich auch trauen, dürfen die das überhaupt? Oder ist es etwa ein Komplott? Gerade den kleineren Fußballnationen soll es untersagt werden die Räume eng zu machen, damit die Starensembles und deren Trainerstäbe planmäßig ihre Strategie reibungslos und plangetreu erfüllen können.

So wie jetzt auch in Politik und Wirtschaft, die kleinen sollen gefälligst die Räume nicht eng machen und Hartz-IV-Empfänger, Arbeitslose und Geringverdiener auf ihre Rechte und Chancen verzichten, damit die Ideologie des Geldes sich reibungslos entfalten kann.

Der Fußball heute, so scheint es, verliert langsam aber sicher an Leidenschaft, Freude und Spielkunst. So wie es vielen Menschen derzeit in unserem Lande auch ergeht , wenn sie den Spruch „ Leistung muss sich wieder lohnen“ hören und den damit verbundenen Aussichten. Das kann man fast schon als Zynismus verstehen.

So manchmal möchte man sagen: Schiri, pfeif ab. I mog nimmer. (Paul Breitner)

Euer Oliver Groß

 

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