Sparen - aber mit Maß und Ziel

Ein Kommentar zur Klausurtagung am Wochenende

An diesem Wochenende ist Klausurtagung der Regierungsparteien zum Thema Einsparung.
Die Liste der Politiker ist lang und macht vor nichts Halt, egal ob Rente, Gesundheitspolitik, Hartz IV, Bildung, Klima, Bundeswehr und, und, und. Das wir sparen müssen, ist tatsächlich das Gebot der Stunde, wollen wir die Zukunft unserer Kinder nicht verpielen.

Wir sind die Generation, die die Straße baut, auf der die nächste Generation einmal gehen wird (asiat. Sprichwort)

Doch dürfen Entscheidungen nicht nur auf der Basis von Zahlen und Statistiken aufgebaut sein. Nein, jetzt bedarf es eines genauen Blicks in das wirkliche Leben aller Menschen.

Ich fordere christliche Werte
Es wird suggeriert, dass jeder an der Reihe ist zu sparen, doch bei genauer Betrachtung ist dies nicht ganz richtig. Wenn bei Gesundheit, Bildung und Elterngeld gespart und die eine oder andere Steuer –wenn auch heimlich- erhöht wird, dann trifft es z.B. eine Familie mindestens an drei bis vier Stellen gleichzeitig. Diese Rechnung kann man für alle Personengruppen in unserer Gesellschaft anwenden. Für die Kinder von Hartz-IV-Empfängern wäre Bildung nicht mehr bezahlbar und so werden sie in die Chancenlosigkeit verstoßen. Hier wirkt der Slogan: „Leistung soll sich wieder lohnen“ – einfach nur noch zynisch.

Denken wir an die Menschen, die nach einem verheerenden Krieg unter Entbehrungen unsere Gesellschaft aufgebaut haben, wir nennen sie heute „Rentner“.

Sieh in das Gesicht deiner Eltern, jede Falte hat mir dir zu tun, ob Lach- oder Sorgenfalte.

Ich will mir nicht vorstellen, dass für diese Menschen Gesundheitswiederherstellung und -vorsorge zu teuer wird. Meine Sorge ist, dass wir Christen Worte wie Barmherzigkeit, Menschlichkeit, Achtung und Nächstenliebe über Bord werfen müssten, wenn wir den Wert eines Menschen nur noch danach bemessen, ob er mit dem Taschenrechner kompatibel ist.

Diesmal sind (fast) alle dran
Auch die Klein- und Mittelständischen Unternehmen haben Grund zur Sorge, denn auch diese müssen neben harten Einschnitten und Konsumeinbruch auch noch kommunale Steuererhöhungen befürchten.

Deshalb müssen Zahlenwerke und Statistiken hinterfragt werden:
- Woher wissen wir das?
- Ist das wirklich so?

Praxisorientiert – der etwas andere Weg
Dass es anders geht, zeigt das Beispiel von dem Nudelfabrikant Rossi aus Italien. Dieser hat einen Monat lang versucht von dem zu leben, was seine Mitarbeiter verdienen. Er hat sich nicht auf Statistiken und allgemeine Medienauskünfte verlassen, er hat es selbst getestet. Das Ergebnis: Er hat, nachdem er am 20. des Monats pleite war, seinen Mitarbeitern allen eine Gehaltserhöhung von 200 Euro gegeben.

Willst du etwas wissen, frage keinen Gelehrten, sondern einen Erfahrenen (Volksweisheit)

Ja, ich würde mir Politiker wünschen, die sich im Selbstversuch darüber informieren, wie sich die eigenen Entscheidungen anfühlen.

Ja, ich würde mir Politiker wünschen, die sich mehr mit den Menschen als mit sogenannten Experten auseinandersetzen.

Ja, ich wünsche mir eine Elite, die diesen Titel auch wirklich verdient. Die frohe Botschaft ist: Diese Elite gibt es! Es sind all diejenigen, die sich nicht nur ihrer Privilegien, sondern auch ihrer Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft bewusst sind. Ich kenne viele hervorragende Führungskräfte und Unternehmer; Menschen, die die wirkliche Elite sind.

Fazit:
Durch sinnvolles Sparen stabilisieren wir den Wert unserer Währung und unserer sozialen Errungenschaften. Dennoch appeliere ich an alle Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft, es mit Maß und Ziel zu gestalten. Das Selbstwertgefühl eines Menschen darf dabei nicht entwürdigt und Armut nicht zementiert werden. Eine Sparmaßnahme ist dann ein Erfolg, wenn es für alle eine gleichberechtigte Chance wird. Ist das nicht der Fall, dann wird das Sparen zum Bankrott einer Demokratie und Gesellschaft.
 

Ihr Oliver Groß

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