Zielgruppe: Vergnügt, erlöst, befreit

Ich bin vergnügt erlöst befreit
Gott nahm in seine Hände
Meine Zeit
Mein Fühlen Denken
Hören Sagen
Mein Triumphieren
Und Verzagen
Das Elend
Und die Zärtlichkeit

So dichtet es Hanns Dieter Hüsch.*

Vergnügt, erlöst, befreit: Für mich bringt keine andere Formel besser auf den Punkt, was einen gläubigen (evangelischen) Christen ausmacht – oder in meinen Augen ausmachen sollte. Befreit von Ängsten, erlöst von Sünden, wer sollte da nicht vergnügt leben können? Die mittelalterliche Angst vor dem strafenden Gott – sie ist ersetzt durch die frohe Botschaft von dem Gott, der alle Schuld selbst auf sich nimmt.

Wer sollte da nicht fröhlich sein? Wer sollte da nicht lachen? Vergnügt, erlöst, befreit: So soll auch dieser Blog dazu beitragen, dass wir uns selbst mit einem Augenzwinkern, einem Lachen, dem nötigen Quäntchen Humor wahrnehmen. Das heißt ja nicht, dass alles nur noch Larifari ist. Auch in Hüschs Gedicht ist Platz für das Elend, fürs Verzagen. Doch es hat nicht das letzte Wort.

„Was ist denn eigentlich die Zielgruppe eures Blogs?“ - so fragte vor kurzem ein sehr kritischer Kommentator. Ohne mich mit meinem Blog-Kollegen abgesprochen zu haben, würde ich sagen: All jene, die sich davon anstecken lassen. All jene, die sich von der „frohen Botschaft“ befreien lassen zum Lachen. All jene, die gerne auch mal über sich selbst lachen, ganz egal, ob es ihnen wirklich gut geht oder ob sie tief im Elend stecken.

Denn genau daran sollte man, meine ich, die Christen erkennen: Dass sie bei allem Ernst des Lebens doch spürbar machen, was der tiefe Grund ihres Lebens ist. Dass sie erlöst sind. Vergnügt, erlöst, befreit.

Vergnügt, erlöst, befreit. So möchte ich gerne diesen Blog weiter mit manchmal recht oberflächlichen, manchmal auch tiefsinnigen Gedanken „befüllen“.

An den Schluss möchte ich noch ein Zitat setzen von einem Menschen, den ich leider nicht kennen lernen konnte, den ich aber vor kurzem beerdigt habe. Er hat ein kleines Heftchen mit humorvollen Gedichten hinterlassen. Erst während meiner Beerdigungsansprache blickte ich zum ersten Mal auf die Rückseite des Heftchens – und las kurz entschlossen diese seine Worte am Schluss der Ansprache vor:

Im Jahre 1920 haben die Europäer im Durchschnitt täglich 19 Minuten gelacht – im Jahre 1987 nur noch 6 Minuten. Das ist das traurige Ergebnis einer soziologischen Paneel-Untersuchung. Wenn also nur einige Menschen über dieses Heftchen ein paar Minuten länger geschmunzelt oder gar gelacht haben, hat es seinen Zweck erfüllt.

*Quelle: Hanns Dieter Hüsch, Ich bin vergnügt
aus: Hanns Dieter Hüsch/Uwe Seidel, Ich stehe unter Gottes Schutz, Düsseldorf 2003, S. 140. tvd-Verlag Düsseldorf 1996

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Kommentare

Verfasst von Pascal am 3. August 2010 - 6:30.

Friede, Friede und ist doch kein Friede.

" Vergnügt, befreit, erlöst" - solche Ausdrücke passen...

" Vergnügt, befreit, erlöst" - solche Ausdrücke passen zu Hanns Dieter Hüsch und auch zu Monty Pyton, denn ihr Geschäft ist das Vergnügen. Sie wenden sich an jene, die "eine kleine Zeit fröhlich sein wollen" (Joh. 5,35) und bedienen sie gut, dass muss man anerkennen.

Christliche Verkündigung aber dient anderen Bedürfnissen und deshalb sollte sie sich auch von anderen Quellen speisen lassen. Die ewige Seligkeit ist etwas anderes als das zeitliches Vergnügen, und wird auf anderen Wegen erreicht. Ich kann nicht glauben, dass Kabarett eine Vorstufe des Himmels ist. 

Nichts gegen Kabarettisten und vergnügte Menschen, aber Christentum ist doch etwas anderes. Können wir denn heute wirklich von befreiten und erlösten Menschen sprechen, die sich unschuldig vergnügen? Bei den vielen Abtreibungen, Ehescheidungen, allein erziehenden Elternteilen, misshandelten und vernachlässigten Kindern, bei all den Verbrechen, die aus Gier nach Geld und nach Spaß begangen werden, bei den leeren Kirchenbänken und den zahlreichen Austritten, bei den vielen Drogenabhängigen, den vielen Tafelkunden, den vielen psychisch Leidenden usw., die doch zum größten Teil getaufte Christen sind; ist es da erlaubt, oberflächlich und vergnügt zu sein?

Schon der Prediger Salomo (7,2ff) stellt fest: "Es ist besser, in ein Haus zu gehen, wo man trauert, als in ein Haus, wo man feiert; denn da zeigt sich das Ende aller Menschen, und der Lebende nehme es zu Herzen! Trauern ist besser als Lachen; denn durch Trauern wird das Herz gebessert. Das Herz des Weisen ist dort, wo man trauert, aber das Herz des Toren dort, wo man sich freut." Der Apostel Paulus schreibt (Phil. 2,12): "- schaffet, dass ihr selig werdet mit Furcht und Zittern." und (Phil. 3,13): "Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich's ergriffen habe." 

Ist inzwischen etwas geschehen, das uns weiter gebracht hat als den Apostel des Herrn, der sogar in den Himmel Einblick gehabt hat? Sicher sind wir getrost, weil wir im Opfer Jesu das großartige Angebot der Sündenvergebung haben, aber wir wissen, dass das nur für die bereuten Sünden gilt, die wir gelassen haben und nicht für die, in denen wir leben und die wir zu rechtfertigen versuchen. Selbst wenn wir völlig frei von Sünden wären, wären wir immer noch nicht erlöst, denn die Liebe würde uns unter dem Kreuz halten und uns mitleiden lassen mit allen Brüdern und Schwestern, die in den Fesseln des Bösen liegen und den Hauch des ewigen Todes spüren.

Ist angesichts des geistlichen Kampfes auf Leben und Tod, in dem sich der Großteil der Christenheit befindet, ein solcher Salonglaube, wie er hier vertreten wird, nicht gefährlicher, als jeder offene feindliche Angriff?

Verfasst von Gast am 19. August 2010 - 11:05.

Ich bin erlöst, vergnügt, befreit

Hallo Ja, wir sollten den Menschen sagen was es bedeutet das Angebot der...

Hallo

Ja, wir sollten den Menschen sagen was es bedeutet das Angebot der Versöhnung auszuschlagen!
Ja, wir sollten sagen was Wirkung und was Ursache ist, wenn es um Gottes Ratschläge für ein geordnetes Zusammenleben geht!
Ja, wir sollten sagen, dass Ewigkeit sehr lange dauert!

ABER wir sollten den Menschen auch sagen, dass es ein Leben VOR dem Tod gibt!
Und die vielen Menschen die sich dem Satz Nietsches anschließen "Die Christen müssten mir erlöster aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte". Zeigen uns doch auch, dass wir vielfach ein schlechter Hinweis auf die "Gute Nachricht" - die "Frohe Botschaft" sind.
Hans-Dieter Hüsch geht es ja nicht um temporären Spaß!
Und wie hat schon Spurgeon gesagt: "Little faith will bring your soul to heaven; great faith will bring heaven to your soul.”
Und da glaube ich, dass wir uns als Christen häufig mit zu wenig zufrieden geben.
Und die Bitte im "Vater unser -Dein Reich komme wie im Himmel so auf Erden", zeigt, dass bei aller Unvollkommenheit in dem Wissen um das vorletzte Leben, auch heute schon die Freude der Erlösung durchscheinen darf.
Ich bin erlöst, vergnügt, befreit……

Verfasst von Heiko am 3. August 2010 - 8:15.

In dir ist Freude in allem Leide

Lieber Pascal, es wäre nett, meinen Artikel mal gründlich zu lesen....

Lieber Pascal,

es wäre nett, meinen Artikel mal gründlich zu lesen. Denn da steht genau das ja auch drin: Unser Leben, unser Glauben ist nicht nur Larifari und Spaß, auch das Elend, das Scheitern hat darin seinen Platz.

Als Pfarrer habe ich schon wirklich, wirklich schwere Situationen erlebt, die ich hier nicht auflisten möchte, weil sie für manche Mitleser schon beim Lesen sehr belastend sein könnten.

Und doch, trotz dieser Erfahrungen, sage ich: Das ist nicht das ganze Leben. Das ist, um es mit Bonhoeffer zu sagen, nur „das Vorletzte“. Das ist das Leben, in das wir gerufen sind und für dessen Verbesserung wir uns einsetzen sollen und müssen. Mit viel Herz, mit viel Engagement, mit viel Mit-Leiden, aber eben mit dieser Gewissheit: Es ist nur das Vorletzte.

Das Letzte dagegen: Das ewige Leben, das bekommen wir von Gott geschenkt. Darauf vertraue ich. Und ich sage weiter: Wer darauf wirklich vertraut, der hat Grund zur Freude. „In dir ist Freude in allem Leide oh du süßer Jesu Christ“.

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