Die 10 Gebote: Leuchtknickstäbe, Judas-Anzug und Reimfallen
Gestern in den "10 Geboten" gewesen, diesem Pop-Oratorium von Michael Kunze und Dieter Falk. Zu Beginn des Ganzen gabs gegen Spende einmal das Programmheft und dann ein kleines Plastikteil mit einer Flüssigkeit drin. Ich packte das zwar interessiert in die Tasche, aber wofür das dienen sollte - klar war mir das zu Beginn des Ganzen nicht. Bis dann der Moderator von "Leuchtknickstäben" sprach und zeigte, dass man das Rohr nur zu knicken bräuchte und voila - es leuchtet. Toll.
Seien wir mal ehrlich: Klar hat das gestern ein stimmungsvolles Bild gegeben als alle mit diesen Teilen zu winken anfingen. Aber im Grunde ist ein Leuchtknickstab doch total überflüssig, wir haben doch noch genügend Raucher in unserem Land und damit genügend Feuerzeuge, die man anknipsen kann für schöne Stimmung. Man kann auch als Nichtraucher an dieser Stelle mit leuchtendem Beispiel vorangehen. Jetzt grellt dieses Stäbchen also seit guten 12 Stunden so vor sich hin und die eigentliche Frage kommt ja dann, wenn das zu Ende geglüht ist: Hat das einen Grünen Punkt? Ist das Hausmüll? Oder muss man das bei der Deponie um die Ecke als Sondermüll angeben? Wer weiß was da drin ist, wenn sowas schon so komisch hell leuchtet....
Wenn Sie gestern live dabei waren - haben Sie mal darauf geachtet was dieser Engel getragen hat? Ja, richtig, der war komplett in Weiß - wie die Chorsänger ja auch - aber haben Sie mal richtig auf das Kostüm geachtet? Ja? Da hat man hier bei dem 70ger-Jahre-Film "Jesus Christ Superstar" abgekupfert und dem Engel tatsächlich so ein Kostüm angelegt wie das, was Judas im Film gegen Ende trägt. Es war nicht ganz so glitzernd, aber diese langen Fäden, die da von den Armen herabbaumelten - das war ja so 70ger. Und so - gewöhnungsbedürftig.
Na ja, dass Dieter Falk das Zugstück des Oratoriums bei sich selber "geklaut" hat - Cae Gauntt hat "The Best Part Of Me" schon vorher gesungen - Schwamm drüber. Also das Stück, was das Finale ausmacht. Bach hat das ja auch permanent gemacht. Also das bei sich selbst ausleihen von Ideen. Künstlerische Freiheit. Schon okay. Was allerdings dann mir bisweilen unangenehm auffiel: So manche Reime von Michael Kunze sind - nun - weniger gelungen als der Rest. "Pharaoh" reimt sich da auf "sowieso". "Herr" auf "Meer". Manchmal werden die Sätze so umgestellt, dass der Reim unbedingt am Ende ist obwohl grammatikalisch gesehen der Satz dann nicht so ganz passt. Ich hatte sowas schon befürchtet, da ich sowohl "Elisabeth" als auch "Mozart" kenne - ebenso "Tanz der Vampire". Irgendwie reißt mich sowas immer aus der Handlung raus, bevor dann die besseren Textstellen mich wieder fesseln.
Und warum eigentlich müssen Erzähler bei Bühnenstücken IMMER so ein dickes, schweres Buch mit sich rumschleppen? Und warum war das in diesem Fall so igittbraun mit goldener Schrift, die irgendwie wirkte als hätte man versucht Sütterlin zu kopieren? Regisseure...
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