Engel, Erlösung und Regeneration: Christliche Motive bei Doctor Who

Wenn es Menschen auf der Welt gibt, die als Religionszugehörigkeit Jedi ankreuzen würde es mich nicht wundern wenn über 6 Millionen Briten - oder mehr - bei der Frage nach der Religion "Whoismus" oder "Doctorismus" angeben würden. Schließlich ist die Figur des Doctors eine Institution drüben. Und wenn man genauer hinschaut, so sind diverse Parallelen zum Christentum gar nicht mal zu leugnen. Schließlich ist er gerade dieser Tage mal wieder - nun - "auferstanden"...

Seit 1963 tourt dieser als "The Doctor" bekannte Außerirdische, ein Time-Lord vom Planeten Gallifrey, mit seinem Raumzeitschiff, der TARDIS, durch das Universum und durch die britischen Wohnzimmer. Gut, die Serie hatte in den 80ger Jahren des letzten Jahrhunderts eine kleine Pause, aber seit 2005 hat der Doctor wieder seinen festen Platz im britischen Fernsehen erobert. Bei uns hat der Relaunch der Serie nicht so ganz geklappt, immerhin die ersten zwei neuen Staffeln zu jeweils 13 Folgen waren bei Pro7 zu sehen.

Wie schafft man es eine Serie so lange am Leben zu halten? Ganz einfach: Alle Time-Lords besitzen die Fähigkeit der Regeneration. Sie leben zwar nicht ewig, können aber dank eines Prozesses den Tod überlisten. Bequem für die Produzenten natürlich: Wenn der Schauspieler der Rolle überflüssig ist kann man einfach einen neuen engagieren. Natürlich erinnert diese Regeneration an die Wiederauferstehung der Toten am Ende aller Tage - und ebenso wie Gott sich in drei Gestalten offenbar aber doch immer derselbe ist, so ist das bei Doctor Who ebenfalls der Fall. Die Schauspieler und ihre Interpretation der Titelfigur mögen wechseln, die Figur des Doctors an sich aber bleibt erstaunlicherweise in ihre Grundzügen immer bestehen.

Immer wieder tauchen in der Serie Glaubensthemen auf. So in "The Curse of Fenric", in der das Böse durch den festen Glauben abgehalten werden kann. Dabei muss es nicht unbedingt die Bibel sein, auch der Glaube an den Kommunismus bannt hier das Böse. Allerdings ist die Szene, in der der Pastor aus der Bibel zitiert und versucht sich gegen die Außerirdischen zu wehren durchaus eindrucksvoll.

Obwohl Russel T Davis, der bisherige Produzent der Serie, Atheist ist, scheint er doch ein Faible für christliche Bezüge zu haben. So tauchen in "Voyage of the Damned" Engel als Roboter auf - die zum Schluss dann den Doctor in einer Art von "Himmelfahrt" hinaufschweben lassen. Einen noch offensichtlicheren Bezug auf die Himmelfahrt an sich gibt es kaum in der SF.

Und dann ist da noch das Finale der dritten Staffel: Der Doctor selbst wird von seiner Nemesis, dem Master, besiegt. Die Menschheit ist versklavt, aber die Begleiterin des Doctors - Martha Jones - reist durch alle Länder der Erde. Angeblich um eine Waffe gegen den Master zu finden, aber ganz in der Tradition von Johannes dem Täufer erzählt sie den Menschen von dem Doctor. Und wenn dann gegen Ende der Folge Millionen Menschen ihren Glauben - bzw. ihre Gedanken - auf den Doctor richten, erhält dieser tatsächlich eine Art Heiligenschein und eine überaus messianische Aura. Zu alledem kommt auch noch die Tatsache, dass die letzte Auseinandersetzung zwischen dem "Messias" und dem "Widersacher" tatsächlich hoch oben in der Luft spielt - an Bord eines futuristischen Luftfahrtträgers. Der Doctor als Heilsbringer, der gegen das auferstandene Böse - dem Master - obsiegt. Da schwingt auch eine Spur vom Zertreten der Schlange mit. Und das Motiv der Erlösung vom Übel.

Nun ist Doctor Who sicherlich nicht die erste SF-Serie, die sich mit christlichen Motiven beschäftigt - Star Trek widment bekanntlich einen ganzen Film der "Suche nach Gott", in "Babylon 5" werden Religionen zumindest erwähnt, "Farscape" berührt ebenfalls religiöse Werte - ob christlich wäre nochmal zu untersuchen - und es wird abzuwarten sein was zukünftig eine Rolle in Doctor Who spielen wird. Denn dieser Tage hat der Doctor erneut eine Regeneration hinter sich. Zudem wird Russel T Davis die Serie nicht mehr produzieren. 2010 erwartet den Fan also eine neue fünfte reguläre Staffel.

Eines aber kann man auch als Nichtchrist mitnehmen: "You know, he showed you, too! That you don't just give up! You don't just let things happen! You make a stand, you say no, you have the guts to do what's right when everyone else just runs away and I CAN'T -". So Rose, einer der Begleiter des Doctors, am Ende der ersten Staffel. Recht hat sie.

 

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