Meisterschaften für Weihnachtsmänner
Wer jemals versucht hat einem Kind zu erklären, warum es zwar nur einen Weihnachtsmann gibt, der aber dann doch in diesen Tagen in zahlreichen Erscheinungen auf der Erde wandelt, der wird wissen dass das gar nicht so einfach ist. Sehen wir mal davon ab, dass der Nikolaus ja (fast) dieselbe Amtstracht hat wie der Weihnachtsmann an sich - ganz rotgewandet - was noch ein Stückchen komplizierter ist...
Dabei müssten wir ja als Protestanten eigentlich eher dem Christkind zugeneigt sein, denn das hat doch schließlich gute lutherische Tradition. Wobei: Ob Martin Luther jetzt tatsächlich der "Vater" dieses ätherischen Kindes mit Flügeln und Goldlöckchen ist, das alle Jahre wieder in Nürnberg den Weihnachtsmarkt eröffnet - das steht wohl nicht so ganz fest. (Und dass Coca-Cola den rundlichen, gutmütigen Alten mit Bart eingekleidet habe ist ein moderner Mythos.) Jedenfalls haben beide Figuren eine wechselvolle Geschichte, die amüsant zu lesen ist und bisweilen einen ins Grübeln bringt.
Doch da es bekanntermaßen einen Weihnachtsmann gibt - was jedes Jahr nicht nur der kleinen Virigina versichert wurde - wird es wohl auch seine Assistenten auf Erden geben. Die müssten natürlich, das ist der Geist der heutigen Zeit, auch vorher trainiert werden. Meterweit gefüllte Säcke schleppen, das richtige Geschenk dem richtigem Kind zuordnen und mit tiefster Bass-Stimme "Ho, ho, ho" rufen will ja nun auch gelernt sein. Und da wir Deutschen bekanntlich zutiefst gründlich sind und bei uns alles seine Ordnung - und seine Papiere - haben muss gibts bei uns wohl auch zum Trainieren der Assistenten die Weihnachtsmänner-Meisterschaften. Mal etwas kleiner, mal etwas größer.
Sicherlich ist das eine sehr nette und lustige Idee, zumal wenn die Erlöse des Ganzen gespendet werden. Aber es stimmt schon nachdenklich: Selbst in dem Bereich, der zumindest für kleine Kinder noch ein Bereich des Glaubens ist, diese Zone des "Es könnte ja durchaus wahr sein", selbst in diese Zone müssen wir die Ideale des Wettbewerbs hineintragen. Des Wettkampfs. Werden wir demnächst mit der Stoppuhr in der Hand am Heiligen Abend vorm Haus stehen und Listen führen wer wann wie oft und wie schnell nun die Geschenke verteilt bekommen hat?
Wie gut, dass das eigentliche Zentrum dieser Zeit weder das Christkind noch der Weihnachtsmann sondern das Kind in der Krippe ist. Viel zu klein und unbedeutend um sich im Wettkampf mit irgendjemanden zu messen schenkt sich Gott selbst für uns. Vielleicht wäre es nicht verkehrt sich das mal wieder im Rummel dieser Adventszeit ins Gedächtnis zu rufen.
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