Thank you for the music

Runter geht's in den Keller. Immer den Spinnweben nach, wahlweise auch dem leicht modrigen Geruch. Vor uns, um die Ecke, wo es eigentlich keiner vermutet: Eine quietschende Tür. Wer zu heftig zieht, hat den Türgriff in der Hand. Und hinter der Tür: Das Chaos. An der Decke kleben stellenweise Eierkartons, genauer gesagt: Da, wo sie noch nicht runtergefallen sind. Dazwischen freihändig verlegte Kabel, die irgendwie runterhängen. Das eine führt 220 Volt und endet in zwei offenen Drähten, die bei Bedarf in die Kaffeemaschine gesteckt werden. Das nächste Kabel steckt in einem Gerät, das uns, sobald es von den darauf gestapelten Zetteln befreit ist, auf den Sinn dieses Raums hinweist: Ein Mischpult! Ja natürlich, so muss ein Bandraum aussehen in einer Kirchengemeinde. Kisten für Kabel. Kisten für Noten- und Mikroständer. Kisten für – keine Ahnung, denn der Inhalt ist sorgfältig im ganzen Raum verstreut. Irgendwo eine Matratze reingequetscht, damit man notfalls auch mal hier übernachten kann. Kurz: Der Alptraum eines jeden Sicherheitsbeauftragten.

Na ja, es gibt ja schließlich sogar ein Regal. Darin sind fein säuberlich 963 der 1000 Exemplare der CD gestapelt, die die berühmte Kirchenband vor zehn Jahren produziert hat. Außerdem steht da noch der alte Atari, mit dem die Bandmitglieder manchmal versuchsweise ihre Musik abgemischt haben.

Wirklich sehenswert aber sind die freien Flächen an der Wand. Da hängen Plakate aus der Gründungszeit der Band, die immerhin seit 18 Jahren zusammen spielt. Da haben im Lauf der Zeit auch echte Größen der christlichen Musikszene ihr Autogramm hinterlassen: Die Unterschrift von Jonathan Böttcher prangt neben der des Liedermachers Gerhard Schöne. Siegfried Fietz hat hier unterschrieben und Clemens Bittlinger. Diese Wände zeugen von der musikalischen Geschichte der Gemeinde. Ja, hier war in den letzten Jahren wirklich was los. In diesem chaotischen Loch namens Bandraum wurde Gemeindeleben geprägt. Hier, in dieser Gemeinde, gibt es ein Leben jenseits der Orgel. Nicht alles mag musikalisch perfekt sein, was hier produziert wurde und wird. Genausowenig wie es der Raum ist. Aber es macht Spaß. Denen, die Musik machen, und denen, die zuhören. Wie schrieb Johann Sebastian Bach immer unter seine Werke – soli deo gloria. Gott allein sei Ehre. Egal, ob mit der Orgel oder mit in diesem Bandraum produzierter Musik.

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Kommentare

Verfasst von ChristianSpließ am 26. Oktober 2009 - 11:06.
Kommentar auf: Thank you for the music

RE: Thank you for the music

Na sowas, habe ich gar nicht gesehen, dass wir da fast das gleiche Thema...

Na sowas, habe ich gar nicht gesehen, dass wir da fast das gleiche Thema bearbeitet haben. ;-)
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