Anpassung an andere Gegebenheiten
Maschinen oder Computer kennen null oder eins – an oder aus, funktioniert oder funktioniert nicht. Sie können einem nicht ihre Dankbarkeit für die erbrachte Leistung aussprechen, je nach Tagesform eine andere Stimmungslage an den Tag legen oder gar Fragen beantworten.
Dennoch habe ich den PC schon oft gefragt: „Warum machst du das jetzt?“ oder „Warum brauchst du denn so lange?“ – ich warte bis heute noch auf eine Antwort.
Menschen sind da anders – und das ist gut so. Sie kennen Variationen von Schwarz und Weiß und können sagen, wie es ihnen geht – wenn sie nur wollen.
Mittwoch morgen – 8:30 Uhr. „Guten Morgen Frau L., hier ist der Björn!“ Sie liegt bereits noch nicht so ganz munter aber wach in ihrem Bett. Sie ist immobil und kann nicht mehr so gut sehen. Frau L. wird oft mobilisiert und in die Gemeinschaft geholt, wo sich dann entweder wir oder eine Bewohnerassistentin mit ihr beschäftigen. Sie wirkt oft müde und döst häufig im Liegestuhl mit einer grün-schwarz-karierten Decke über den Beinen ein.
„Wer ist da?“ Sie hört nicht mehr so gut, ich wiederhole: „Hier ist der Björn!“ „Ach, der junge Mann!“ sagt sie sichtlich erfreut. „Wie geht es Ihnen?“ frage ich. „Danke!“ sagt sie. Ich frage, ob es ihr gut geht. Sie nickt und dreht sich dabei von mir weg. Sie wirkt so, als ob das nicht der Wahrheit entspräche. „Haben Sie Schmerzen?" „Nein!“ „Möchten Sie aufstehen?“ Frau L. reagierte lautstark: „Fragen, immer diese Fragen!“ Ich bin erstaunt über diese heftige Gefühlsäußerung und sage ruhig: „Ich möchte, dass es Ihnen gut geht! Darum stelle ich die ganzen Fragen!“ „Aber doch nicht alles am Morgen!“ sagt sie.
Sie hat Recht, ich möchte auch nicht kurz vor oder nach dem Aufstehen mit Fragen gelöchert werden. Ich nehme mir vor, weniger zu fragen und mehr die Gewohnheiten zu beachten.
Ich formuliere um: „Ich möchte Ihnen gerne helfen, damit sie aufstehen können, um bei uns in der Tagesgruppe Kaffee zu trinken!“ „Oh ja, sehr gerne!“ sagt sie. Ich berühre nur leicht das linke Bein. „Oh weh!“ Ich frage sie, ob das weh getan hat. „Ja, und wie!“ Ich gehe ganz behutsam mit ihr um, und setze sie mit Hilfe einer Kollegin in den Liegestuhl.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Frau L. ein Schmerzgedächtnis entwickelt hat. Nervenzellen, die stetigen Schmerzimpulsen ausgesetzt sind werden sensibler, sodass selbst leichte Berührungen, Wärme oder Kälte als Schmerz registriert werden.
Bei Frau L. scheint also eine Anpassung der Schmerzmittel notwendig zu sein – bei mir eine Anpassung an ihre Gewohnheiten.
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Kommentare
warm und fachlich gut
warm und fachlich gut geschrieben.Das ist echte Öffentlichkeitsarbeit und Imagepflege zugleich.Danke!franzi
hart aber fair: Wenn Politik auf Wirklichkeit stößt: Pflegefront
Wenn Politik auf Wirklichkeit stößt - Neues von der Pflegefront.
Pflege, leider ganz anders.