Noch nicht ganz fertig

Etwas abzuschließen, was man angefangen hat – gleich wie es von anderen bewertet wird – sorgt für ein gutes Gefühl – und dass trotz Anfällen von übertriebenem Sauberkeitswahn: So oft wie vor Prüfungen sauge ich nie die Wohnung oder wische Staub. Der Weg zum 1/3-Examinierten war aber nicht nur relativ staubfrei, sondern auch schmerzvoll – er schlug mir regelrecht auf den Magen.

Aber gut, der Weg geht noch weiter. Ich habe nur die erste von drei Prüfungen überstanden. Es folgen noch die schriftliche und die mündliche – wünscht mir Glück. Selbiges wünsche ich auf diesem Wege auch meinen Kurskolleginnen und Kurskollegen.

Ich betrete letzte Woche Dienstag – zwei Tage vor der praktischen Prüfung – das Appartement von Frau O. Es ist geschmackvoll eingerichtet. Wenn ich in der Tür stehe, sehe ich geradewegs auf ihr großes Bett, welches vom Frühdienst mit einem schönen Bettüberwurf abgedeckt wurde. Darüber hängt ein schickes Bild mit einem Landschaftsmotiv. Linke Hand steht ein großer alt-deutscher Schrank – rechte Hand eine kleine Kommode. Auf dem Balkon läuft ein kleiner Vogel, im Fernseher „Barbara Salesch“, das Beste was RTLs Vormittagsprogramm zu bieten hat. Frau O. ist mobil, geht gerne mit dem Rollator in die angrenzende Fußgängerzone und ist gerade über ihren davorstehenden Wohnzimmertisch gebeugt – sie sortiert Unterlagen oder sucht was.

Ich klopfe leicht an der offenstehenden Türe und sage „Hallo Frau O., ich bringe Ihnen Ihre Tabletten für heute Mittag!“ Sie dreht sich langsam um. „Ja, das freut mich aber, sie zu sehen!“ Sie lächelt, kommt auf mich zu und nimmt mich in den Arm. Sie geht mir bis zum Hals. „Danke Ihnen, das beruht auf Gegenseitigkeit! Wie geht es Ihnen?“ frage ich sie. Sie antwortet: „Momentan leider nicht so gut. Ich habe Probleme mit der Telekom!“ Während sie das sagt, setzt sie sich auf ihren gemütlichen Sessel. Ihr Gesichtsausdruck spricht Bände und spiegelt Verunsicherung wider. Ich schaue kurz auf meine Uhr und setze mich auf den gegenüberstehenden Hocker. „Erzählen sie doch bitte einmal!“ „Ich habe hier ein Schreiben bekommen, und darin wollen die, dass ich...!“ Frau O. erzählt mir grob umrissen das, was ihr auf dem Herzen liegt.

Am Ende fügt sie traurig hinzu: „Wissen Sie, selbst im Alter lassen die einen nicht in Ruhe. Das nimmt einfach kein Ende!“ Sie hat keine Angehörigen, die sie als Ansprechpartner zu Rate ziehen könnte. „Können Sie nicht ihre Freundin fragen, ob sie Ihnen in dem Falle helfen kann?“ Sie scheint von dem Vorschlag sehr angetan zu sein, denn sie antwortet spontan mit tieferer Stimme: „Ja, das mache ich!“ „Kommt sie denn heute nachmittag? Dann kann sie direkt einmal bei der Hotline anrufen!“ Frau O. bestätigt mir und sich, dass ihre Freundin nachmittags zum Kaffee vorbeikommt und sie sie dann fragen wird.

Sie ergänzt: „Wissen Sie, manchmal stehe ich einfach auf dem Schlauch. Da weiß ich nicht mehr was ich machen soll – da ist so manches einfach zu viel für mich!“
Ich beuge mich etwas zu ihr hinüber und sage: „Schauen Sie mal, sie sind ja nicht auf sich alleine gestellt. Sie haben neben ihrer Freundin ja auch uns, die Ihnen mit Rat und auch mit Tat zur Seite stehen! Wo wir können, da helfen wir Ihnen. Wo wir nicht nicht helfen können, da versuchen wir mit Ihnen zusammen eine Lösung zu finden!“

Sie scheint sehr erleichtert und beruhigt zu sein. Als wir aufgestanden sind, nahm sie mich noch einmal in den Arm. „Danke für Ihre Hilfe! Und viel Erfolg für Ihre Prüfung. Meine Nachbarin und ich drücken Ihnen ganz fest die Daumen!“ Davon gerührt, bedanke ich mich und und gehe auch beruhigt wieder zu meinen KollegenInnen.

Ich hoffe für Frau O., dass sich ihr Problem mit der Telekom bald erledigt und sie wieder zur Ruhe kommen kann. Nach den verbleibenden Prüfungen Ende August und Ende September werde ich das wohl auch wieder können.

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Kommentare

Verfasst von Kathy_Valiant am 15. August 2010 - 20:42.
Kommentar auf: Noch nicht ganz fertig

Viel Glück!

Na, dann auch von mir viel Glück und Segen für die weiteren Prü...

Na, dann auch von mir viel Glück und Segen für die weiteren Prüfungen!

Ich habe übrigens gerade Frieder W. getroffen, der vor einem Jahr in Berlin die Mediengruppe moderiert hatte. Ich habe ihm von dem Blog erzählt, er freute sich.

Verfasst von Pflegeprofi am 18. August 2010 - 19:00.
Kommentar auf: Viel Glück!

Danke!

Danke Ihnen für die netten Wünsche und richten Sie bitte Frieder sch...

Danke Ihnen für die netten Wünsche und richten Sie bitte Frieder schöne Grüße aus.

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