"Früher war alles besser!"

Ein typischer Spruch, der gerade von der älteren Generation verwendet wird – oft das Ergebnis einer politischen Diskussion, eines Gespräches darüber, dass die Tochter schon wieder einen neuen Freund hat oder darüber, dass es besser wäre, wenn so was wie Handys nie erfunden worden wären.

Es gibt aber auch ältere Mitbürger, die unserer heutigen Zeit offen gegenüber eingestellt sind. „Wir sind eben Kinder unserer Zeit!“ „Auch früher gab es gute und schlechte Dinge, genau wie heute!“

Das sagten Frau E. und Frau D. als ich mich am Freitag gegen dreizehn Uhr mit Ihnen in ihrem Zimmer unterhalte. Das Gespräch ist ein Beweis dafür, dass sich schöne, lange Gespräche entwickeln können, wenn ich mir Zeit nehme und keine Hektik ausstrahle. Eigentlich war meine Intention bei Betreten des Zimmers eine andere – ich wollte nur eine neue Infusion anhängen.
Ich komme also mit Frau D. ins Gespräch – sie erzählt wie ein Wasserfall warum sie im Krankenhaus ist, wie vorbildlich sich ihr Mann um sie zu Hause kümmert und wie ihre Kindheit in Ost-Preußen war – sie springt ein wenig zwischen den Themen hin und her. Frau E. ist ein Mensch ruhigeren Gemüts. Sie erzählt nicht viel, wirkt aber interessiert am Gespräch – sie hält ständig Blickkontakt. Manchmal sagt sie zu ihrer Zimmernachbarin oder zu mir „Da haben sie wohl Recht!“ Ich finde es ganz nett zwischen den Fußenden der beiden älteren Damen zu sitzen und ihnen oft nur zuzuhören.
Gegen Ende des vielleicht zwanzig-minütigen Gespräches sprachen wir über die Einstellung anderer Menschen zur Vergangenheit und es fielen die Aussagen aus dem zweiten Absatz.

Ich halte es für ungemein wichtig, sich selbst offen und aufnahmefähig für Erfahrungen anderer Menschen zu halten, auch wenn diese in anderen Situationen entstanden sind.
So funktioniert in meinen Augen kollegiale Zusammenarbeit mit den KollegenInnen der eigenen und den anderen Berufsgruppen. Ich finde es spannend, zu wissen, wie der idealisierte Krankenpfleger in dieser oder jenen Pflegesituation handelt und wo die Unterschiede zu einem Altenpfleger sind.

Auch die Erfahrungen der Ärztinnen oder der Ärzte sind von ungemeinem Wert. Letzte Woche war ich bei mehreren Visiten dabei. Sie hatte alle relevanten Daten zu Herrn F. vor Augen, als wir zusammen sein Zimmer betreten. „Blutdruck und Puls sind ein wenig hoch!“ Also erhöhte sie die Dosis seines Betablockers. Sie sagte noch, welche Untersuchungen nächste Woche anstehen – sie blieb bei allem sehr nüchtern und sachlich. Dank ihrem Wissen und ihrer Erfahrung konnte sie die Situation genau erfassen und dank ihrer Position auch umgehend entsprechende Maßnahmen sofort einleiten.

Schön wäre es, irgendwann einmal auf die Erfahrungen eines Wohnbereichsarztes im Altenpflegeheim zurückgreifen zu können. Womöglich wird man in zwanzig Jahren dann nicht sagen, dass früher alles besser war. Mal schauen, wo es hingeht.

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Kommentare

Verfasst von Gast am 17. März 2010 - 21:17.

Alt werden in Würde, ein Wohnumfeld für gemeinschaftliches Leben

Mit Interesse lese ich derartige Artikel. Unser Unternehmen die Agora+...

Mit Interesse lese ich derartige Artikel. Unser Unternehmen die Agora+Projaktentwicklungsgesellschaft mbH sucht nach Lösungen für ein gemeinschaftliches Leben in der Uckermark. Wir treten gerne in die Diskussion und suchen den Erfahrungsaustausch mit anderen Menschen und Organisationen.
www.agoraplus.de
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