Vorsicht (Pflege-)Stufe!
Letzte Woche habe ich meinem Pflegeheim einen Besuch abgestattet. Es sollte ein Kurzbesuch werden – es wurde ein Besuch, der sich für einen evangelisch.de-Bericht würdig erweisen sollte.
Mit meinem Rucksack und Handschuhen gegen den Fahrtwind auf meinem alten Fahrrad gewappnet, betrat ich den Wohnbereich. Nach den Fahrstühlen links abbiegen – kurz orientieren. Ich sehe Frau E. - ich berichtete schon in diesem Bericht von ihr – in einiger Entfernung vor ihrem Appartment stehen. Wir winken uns und ich gehe zu ihr.
„Hallo Frau E., wie geht es Ihnen?“ Sie erwidert: „Schön Sie wiederzusehen! Sind sie wieder da?“ „Leider nur für einen Kurzbesuch, ich habe diese Woche noch Schule und ab nächste Urlaub.“ Wann ich wiederkomme, möchte sie wissen. Ich sage, dass das noch ein wenig dauert, da ich ab Anfang März ins Krankenhaus gehe.
„Sind Sie krank?“ Ich muss grinsen: „Nee, zum Glück nicht. Das ist Bestandteil meiner Ausbildung!“ „Achso!“ sagt sie, begleitet von einem erleichterten Gesichtsausdruck.
Ich erzähle ihr davon, dass ich mich gerade in einem Karnevalsladen mit einem Hut, einem Rüschenhemd und einer Brille ausgestattet habe. Just in dem Moment, in dem ich ihr mein Kostüm vorführen will, bittet sie mich in ihr Appartement. „Auf dem Flur ist's doch ungemütlich!“ Wir gehen hinein, sie setzt sich in ihren Lieblingssessel und ich starte meine Modenschau.
Einige erheiternde Momente später, nachdem ich mein Mimenspiel beendet habe und ich sie davon überzeugt habe, dass ich nicht Elton John, sondern ein Zauberer bin, kommen wir auf das alltägliche Treiben auf dem Wohnbereich zu sprechen.
Ich frage: „Wie geht es Ihnen denn?“ Sie sagt etwas, was ich schon öfters von Bewohnern gehört habe – und nicht zu schätzen gelernt habe. Sie antwortet nämlich: „Ich kann mich nicht beklagen, mir hat es gutzugehen!“ Nachdenklich verziehe ich die Mundwinkel und frage: „Möchten Sie sich mit mir über etwas unterhalten?“ Frau E. erwidert, dass sie eine andere Pflegestufe bekommen solle. „Was hat das für Auswirkungen?“ fragt sie. Ich erkläre ihr, dass sie – oder die Angehörigen – für eine höhere Pflegestufe zwar mehr zahlen müssen. Sie würde aber von der Pflegekasse auch mehr zugezahlt bekommen. „Am Ende bleibt zwar eine finanzielle Mehr-Belastung für Sie, aber das kommt Ihnen ja auch wieder zugute!“ Ich sage noch: „Wenn immer das abgerechnet werden würde, was tatsächlich gemacht wird, können mehr Mitarbeiter eingestellt werden.“
Ich erkläre ihr, dass Mehraufwand auch bezahlt werden müsse, weil sonst die positive Bilanz des Heimes in Gefahr gerät, was sich dann im Endeffekt in der Qualität sichtbar macht und ihr indirekt mehr schade, als nutze.
„Gut, wie funktioniert denn das eigentlich mit der Höherstufung?“ fragt sie. „Es muss ein Antrag auf Höherstufung bei der Pflegekasse eingereicht werden, worauf Ihnen dann ein Gutachter des medizinischen Dienstes der Krankenkassen einen Besuch abstattet. Eigentlich kein großer Aufwand, wir müssen den gestiegenen Pflegeaufwand nur belegen. Dafür gibt’s unsere Dokumentation und ein Pflegetagebuch, in welchem wir den Pflegebedarf ermitteln.“
Frau E. schien etwas entspannter zu sein. Gerade das liebe Geld ist ja ein Thema für sich, welches Menschen unterschiedlich stark beansprucht. Die Angst um die Existenz können wir nicht nehmen – aber wir können als Pflegekräfte einen Weg durch das Dickicht zeigen.
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Kommentare
Höherstufung oder lieber nicht?
Hallo, unter anderem hier schildere ich etwas zum Thema Altenpflege. Dabei fällt mir auf, dass der MDK mir einen Rat gab: "Stufen Sie Ihren Vater erstmal nicht höher, bzw. beantragen Sie nicht die Stufe II, weil sie in diesem Fall (Demenz) eher mit der Zusatzleistung von 20 Stunden im Monat für betreuerische Begleitung durch "niederschwellig ausgebildete Fachkräfte" (Text Pflegeberatung) besser bedient sind. Aber wer bettlägerig ist, benötigt sicher Stufe II. Folge ist, dass die Kosten höher steigen, auch die, welche selbst zu erbringen sind, bis das Sozialamt das Darlehen beginnt, das später den Angehörigen auferlegt wird, sobald die Voraussetzungen gegeben sind. Was ist besser? Meiner Meinung nach die häusliche Pflege. Nur da bekommt man auch weniger Mittel, obwohl es den zu Pflegenden u.U. mehr menschliche Zuwendung bringt. Die wird aber nicht bezahlt.
Verstehe nicht, wieso dir der
Verstehe nicht, wieso dir der MDK den Rat gab, deinen Vater nicht höherstufen zu lassen. Was sind eigentlich niederschwellig ausgebildete Fachkräfte? Demenziell veränderte Menschen benötigen eine Pflege und Betreuung durch Fachkräfte mit umfassenden Fachkenntnissen. Glaube eher, dass sich die Pflegekasse scheut, das höhere Pflegegeld und die höheren Sachleistungen zu zahlen. Auch ich halte die häusliche Pflege für sinnig, wenn sich dein Vater nicht anderweitig äußert oder geäußert hat - wir haben bei mir im Heim gar nicht wenige Menschen, die freiwillig eingezogen sind, weil sie gemerkt haben, dass die eigene Versorgung zuhause zu schwer geworden ist. Einem Menschen im höheren Alter und/oder bei demenzieller Veränderung einen Umfeldwechsel zuzumuten ist definitiv eine einschneidende Angelegenheit. Doch gibt es Mittel und Wege, ihm die Phase der Gewöhnung so angenehm wie möglich zu machen.
Das ist gut, dass Sie ihr das
Das ist gut, dass Sie ihr das erklärt haben. Das sollte eigentlich viel breiter bekannt sein, wie die Pflege finanziert wird. Und selbst wenn jemand zu Hause von Angehörigen gepflegt wird, irgendwoher muss das Geld kommen.