Nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen
Oft ist mein Lohn der Arbeit mit alten Menschen Spaß, Freude und ein befriedigendes Gefühl, etwas Gutes geleistet zu haben – trotz der zum Teil widrigen Umstände. Gerade in der Altenarbeit ist es jedoch so, dass ein angehender Altenpfleger unter anderem lernen muss, den Tod von bekannten und vertrauten Menschen zu akzeptieren. Hilfreich kann ein Weltbild sein, welches die Geburt und den Tod als etwas ganz natürlich zum Leben dazugehörendes beeinhaltet.
Letzte Woche hatte ich für zweieinhalb Tage eine Unterrichtseinheit mit dem treffenden Namen „Leben und Tod“. Die Dozentin versuchte ein Bild zu vermitteln, dass der Tod nicht zwangsläufig als etwas Schlimmes empfunden wird. Sie versuchte klar zu stellen, dass ich Sterben als Prozess verstehen soll, an dessen Ende nun mal der Tod steht. Unausweichlich mit diesem Vorgang verbunden, sind die verschiedenen Sterbephasen nach Kübler-Ross. Anfangs wird das Unausweichliche verleugnet – der Mensch kapselt sich von seiner Umwelt ab. Fragen wie „Warum gerade ich?“ und Zorn gegen das Leben anderer kennzeichnen die zweite Phase. Es folgen weitere Phasen, in denen am Ende im Idealfall das Akzeptieren des Todes stehen sollte.
Pflegekräfte können es einem Menschen wesentlich erleichtern, diesen Ideal-Zustand zu erreichen. Möglich wird dies durch eine individuelle, an den Bedürfnissen des Sterbenden ausgerichtete Sterbebegleitung. Dies lässt sich neben einer möglichst umfangreichen Informationssammlung, respektive einer detaillierten Biographiearbeit und Austausch mit den Angehörigen realisieren. Je nach Religion des Sterbenden kann es wichtig sein, die Begleitung durch einen Pastor, einen Priester oder einen Seelsorger sicherzustellen. Die Einbeziehung eines Hospiz-Dienstes kann von unschätzbarem Wert sein, damit im Idealfall immer eine Person am Bett des Sterbenden wachen kann – je nach Wunsch und Verfassung des Pflegebedürftigen.
Doch nicht nur die Möglichkeit der Versorgung von Heimbewohnern wurde diskutiert. Ein Hospiz als Institution ist eine Chance Menschen stationär medikamentös einzustellen, damit diese wenige bis gar keine Schmerzen empfinden und ihnen der Übergang so erleichtert wird.
Aber noch einmal kurz zurück zu den ambulanten Hospiz-Diensten. Ihre Aufgabe ist neben der Versorgung stationär aufgenommener Menschen auch die Begleitung von sterbenden Menschen und deren Angehörigen zuhause. Diese Dienste werden wohl viel zu wenig in Anspruch genommen – womöglich aus finanziellen Gründen. Doch die Finanzierung stellt eigentlich das kleinste Problem dar. Das regelt die Krankenkasse – man selber zahlt nichts.
Vom Inhaltlichen und überaus Theoretischem jetzt einmal abgesehen. Die Dozentin hat es geschafft, dass ich mich auch abseits des Unterrichts noch weiter mit dem Thema auseinandersetze. Mich beschäftigen jetzt einmal mehr die Fragen: „Wie wird mein eigener Tod sein?“ und „Werden mir die Umstände überhaupt ein würdevolles Sterben ermöglichen?“.
Fragen, die mich wohl nicht mehr lange beschäftigen werden. Denn irgendwie denke ich, dass ich mich selbst vom Leben abhalte, wenn ich allzu lange über meinen Tod nachdenke. Obwohl ich es eigentlich überaus interessant und auch wichtig finde, darüber nachzudenken – schauen wir mal, ich werde über den Ausgang meiner Überlegungen berichten.
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