Dufte, Captain Kirk!

Neulich habe ich in einer DVD-Zeitschrift eine Werbung für Parfüms gefunden: "Tiberius" und "Pon Farr". Schon mal gehört? Also, bei "Douglas" werden Sie die nicht kriegen. Der Herrenduft "Tiberius" wurde nach dem Captain des Raumschiffs Enterprise benannt: James Tiberius Kirk. Der Damenduft "Pon Farr" spielt auf einen bei den Vulkaniern auftretenden Zustand sexueller Hitze an, in dem selbst der reflektierte Mr. Spock den Kopf verliert … eine Art, naja, Brunftzeit. Ich bin mir nicht sicher, ob ich wissen will, wie "Pon Farr" riecht. Jedenfalls kann man das Zeug im Internet bestellen; die Flasche kostet knappe dreißig Dollar.

Erst dachte ich: Geht’s noch? Aber dann habe ich mir überlegt, dass das eigentlich ein gutes Zeichen ist. Das Raumschiff Enterprise hat den regulären Betrieb wieder aufgenommen. Die Über-Serie, die vor zwei Jahren so tot war wie Julius Cäsar, lebt und treibt wieder diese komischen Blüten, für die sie berühmt ist. Natürlich verdanken wir das zunächst mal dem Regisseur J.J. Abrams, der den mit "Lost" erworbenen Ruhm aufs Spiel setzte, Doubles für Spock und Kirk suchte und sich im Kino an eine Neuauflage der Urserie – "Star Trek Classic" – wagte. Hat geklappt: Der Film wurde ein Kassenschlager, fand ein neues, junges Publikum und hat offenbar die alten Zuschauer nicht verschreckt.

Mit Ausnahme von mir. Ich fand "Star Trek 11" blöd, und ich bekenne hier und heute, dass ich unserem Sohn diese Experience ganz einfach vorenthalten habe. "Der neue Star Trek? Läuft nicht." – "Simon war aber auch drin. Warum darf ich nicht?" – "Weil ich es am besten weiß." Irgendwie finde ich, das darf ich mal sagen. Nicht nur als Mutter. Sondern vor allem deshalb, weil ich seit den Anfängen im Trek-Business bin, von den fünf Real-Serien die besten mehrfach durchgesessen habe und sogar mal auf einer kleinen Convention war. Ich weiß, wie man einen defekten Turbolift umgeht, kann einen Klingonen am Körpergeruch erkennen und mit geschlossenen Augen Kommunikationskanäle für drei verschiedene Starfleet-Captains öffnen. Da draußen in Bergen-Enkheim, unserem Vorort, gibt es noch andere wie mich. Mütter, die montags kreidebleich im Büro erscheinen, weil sie sich am Wochenende bis in die Nacht auf Kabel eins alte Folgen oder das Spiefilmpaket angeschaut haben.

Nicks Trek-Initiation lag mir also besonders am Herzen. Eigentlich wollte ich, dass er mit Spock und Kirk einsteigt. Sie wissen schon: senfgelbe und azurblaue Kunstfaserpullis, Kassettenrekorder, die wissenschaftliche Geräte imitieren, und Sätze wie: "Danken Sie nicht Gott, sondern dem Umstand, dass ich die Kreuzschaltung vorgenommen habe." Apropos Gott: Natürlich hatten Gene Roddenberry, der Schöpfer der Serie, und die renommierten Science-Fiction-Autoren, die für Trek schrieben, mit Religion nicht viel am Hut. Aber Protestanten können sich in diesem Universum gut aufgehoben fühlen. Denn zum einen wird hier jeder Konflikt erstmal verbal bearbeitet, ausdiskutiert. Zweitens ist das Ziel jeder Verhandlung die Versöhnung. Und drittens muss keiner draußenbleiben. Legendär zum Beispiel die Folge, in der eine Crew von Minenarbeitern auf einem entfernten Planeten von einem Ding angegriffen wird, das aussieht wie eine Gummimasse, in der einer drinsteckt, und das natürlich genau das ist: eine Gummimasse, in der einer drinsteckt. Selbst der friedfertige, unendlich gelassene Mr. Spock meint erst, der Captain solle ES einfach töten. Aber dann findet Spock raus, dass es sich um eine intelligente Lebensform auf Silikon-Basis handelt, und schaltet sich über eine telepathische Verbindung bei dem Wesen ein. Und wissen sie was? Die Masse - die nebenbei komische Furzgeräusche von sich gibt -, empfindet Schmerz und ist tatsächlich eine Mom, die um ihre Gummi-, sorry: Silikonbabies Angst hat. Tja, und wenn man das erstmal rausbekommen hat, kann man sich auch einigen.

Wir hätten also mit solchen klassischen Folgen anfangen sollen, aber natürlich haben wir alles durcheinander geguckt, auf DVD und im Fernsehen, Filme und TV-Episoden. "Next Generation" (Das nächste Jahrhundert) ist wissenschaftlich und gesellschaftspolitisch sicherlich die ambitionierteste Serie im Trek-Universum, sehr "Eighties", mit einem schlauen Captain, der seine Gegner so schwindlig labert, dass sie ein Paralleluniversum nicht mehr von einer Quantensingularität unterscheiden können, und ein paar Drehbuchautoren, die Shakespeare, Stephen Hawking und die Popkultur durchdeklinieren. In "Deep Space Nine" gibt es die besten Raumschlachten und die schmissigsten Dialoge, aber es wird sehr kompliziert, hochdramatisch und ziemlich martialisch: Schließlich hatte man die neuen, begrenzten Kriege der Neunziger zu reflektieren, und der Zusammenhang zwischen Technik und gesellschaftlichem Fortschritt war auch nicht mehr so eindeutig zu belegen. Die Serien "Voyager" und "Enterprise" haben wir mit Nick noch nicht geguckt; ich finde, die kann man sich anschauen, wenn – tja, wenn nix anderes mehr da ist.

Von den Filmen hat Nick die Nummer acht, "First Contact", am besten gefallen. Das ist der, in dem die "Next Gen"-Crew in der Zeit zurückreist, um das ganze Franchise zu retten: Wenn nämlich der berühmte Warp-Antrieb nicht erfunden worden wäre, hätte es die Enterprise, die Sternenflotte und die Föderation nie gegeben. Und die Menschen wären den Vulkaniern nicht begegnet, die bekanntlich sehr viel intelligenter, friedfertiger und aufgeklärter sind als wir. Tatsächlich hatte Roddenberry zuvorderst Leonard Nimoys Mr. Spock im Kopf, als er die Serie schuf: den stets etwas einsamen, milden Abgesandten einer fremden Kultur, den ganz "Anderen", der unsere Toleranz auf die Probe stellt. Können Sie also mit Pon Farr leben? Dann sind sie fit fürs 21. Jahrhundert.

Alle "Star Trek"-Serien und Filme sind auf DVD bei Paramount Home Entertainment erschienen. Ich empfehle die digital renovierte Version der Originalserie, die im letzten Jahr herausgekommen ist: Da sehen die roten, blauen und senfgelben Shirts aus wie frischgewaschen, und es gibt ein paar hübsche Extras.

"Star Trek - Das nächste Jahrhundert" verschönt uns den Hochsommer auf Kabel eins.

 

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