Heute mal: Alternativsportarten

Von Sabine Horst - Und? Gerade mal ein bisschen fußballmüde? Zermürbt vom Tröten der Vuvuzelas? Augenschmerzen vom Schwarzrotgold? Da hätte ich was für Sie. Es ist nämlich so, dass es auf diesem Globus (ja, ist rund...) Enklaven gibt, wo Fußball keinen interessiert. Nein, ich meine nicht das Land der Sportmuffel. Sondern so was wie – Venice Beach in Kalifornien. Da können Sie die Sonne überm Pazifik aufgehen sehen, eine Altherrenband verbreitet gute Laune, und ein gutaussehender schwarzer Typ mit Goldkettchen und geöltem Bizeps ist gerade in die Arena eingelaufen. Sidney Deane spielt Basketball. Ohne Liga, ohne Vertrag, auf Plätzen, auf der Straße, in den abgerockten Ecken des Großraums L.A. Sidney ist leidenschaftlich und echt gut. So gut, dass er gegen seine Kumpels, alle sehr schwarz, sehr streetsmart, sehr blingbling, immer gewinnen würde – selbst, wenn er mit dem nächstbesten, hergelaufenen Dummbeutel spielt.

Der Dummbeutel, der dann ins Bild tritt, ist weiß wie ein Toastbrot, trägt die Kappe verkehrt rum, einen ausgeleierten Kapuzenpulli, Bermudas und Socken. Wahrscheinlich meint er, das wäre hip, was er da anhat. Wahrscheinlich meint er auch, er sei ein Basketballer, jedenfalls hat er einen Ball dabei. Er darf mitspielen; Sidney hat eine Wette laufen. Und was passiert? Der Collegetyp dribbelt wie ein junger Gott und beherrscht sogar den Slang der schwarzen Nachbarschaft. Er hat sie alle reingelegt. Das einzige, was er offenbar nicht kann, ist ein Slam Dunk, also das direkte Eintüten des Balls in den Korb. Das bringen weiße Jungs einfach nicht.

Aber natürlich gibt sich der Film von Ron Shelton, der genauso heißt: "Weiße Jungs bringen’s nicht", damit nicht zufrieden. Shelton ist einer der wenigen Regisseure, die das schwierige Genre Sportfilm wirklich im Griff haben, und hier lässt er seine Stars, Wesley Snipes und Woody Harrelson, eine regelrechte Revue aufführen: Man könnte stundenlang zusehen, wie die beiden miteinander den Korb umtänzeln, wie sie ihr schwarzweißes Doppelpass-Spiel aufziehen. Und es macht auch Spaß ihnen zuzuhören: Die Dialoge sind purer Rap, ruppig, aber klangvoll und sehr ironisch. Sport ist in diesem Film nichts, was am Torverhältnis gemessen werden könnte. Er ist ein Lebensstil, ein Stück Kultur (was sich schon an den rund zwanzig "Fachbegriffen" für Slam Dunk ablesen lässt, darunter so schöne wie "slamalamadingdong", "flambledamble" oder "wizzle-wozzle") .

Und Sheltons Film ist prima für junge Zuschauer, weil die Freundschaft, zu der seine erwachsenen Helden übers Spiel finden, bestätigt, was uns die wunderbare Erzieherin in einem Glücksfall von multikulturellem städtischem Kindergarten in Offenbach mal gesagt hat. Dass es nämlich gesellschaftliche Gründe hat, wenn wir Hautfarbe als Unterscheidungsmerkmal wahrnehmen. Kleine Kinder interessieren sich zunächst mal überhaupt nicht dafür, ob einer schwarz oder weiß ist. Für die ist das einzig relevante Kriterium: Kann ich mit dem anderen Kind spielen? Nick, der mit elf gerade das von uns empfohlene Mindestalter für "Weiße Jungs…" erreicht hat, hat den Film unter diesem Aspekt auch sofort verstanden. Und war richtig gerührt, als Harrelson am Ende dann doch noch seinen Dunk hinbekommt.

Basketball ist natürlich ein bisschen Achtziger. Bei den Alternativsportarten – und das sind momentan ja alle außer Fußball – hat neuerdings das Surfen die Nase vorn, jedenfalls, was die Kinopräsenz betrifft: Da ist in den letzten Jahren viel erschienen. Zum einen Dokus, die man sehr gut mit Kindern und Teens gucken kann. "Step Into Liquid" zum Beispiel präsentiert die ganze Bandbreite des Wellenreitens, von den Typen, die mit Bierkasten, Grillschürze und Surfbrett am Lake Michigan aufmarschieren, um sich mit ein paar Plätscherwellen zu amüsieren, bis zu den Verrückten, die sich auf Hawaii, Tahiti oder manchmal auch mitten im Ozean mit sprotzelnden Einfamilienhäusern anlegen.

Im Surfersegment werden erfreulicherweise auch Mädchen fündig. "Blue Crush" von John Stockwell, entstanden nach einer Reportage über Surfer Girls auf Maui, handelt von drei jungen Frauen, die in einem Hotel arbeiten, gemeinsam in einem schäbigen Apartment wohnen, ein Kind großziehen und ihre Leidenschaft fürs Surfen nur in der knappen Freizeit ausleben können. Eine davon, Anne Marie (Kate Bosworth) hätte das Zeug zur Profisurferin und trainiert für einen großen Wettkampf an der Pipeline – einer der berühmtesten und berüchtigtsten Wellen der Welt. Der Film hat nicht nur schöne Surfszenen; er ist auch nah am Alltag der Mädchen – und erfreulich fern vom Klischee.

Dass der Sport sogar in Deutschland geht, zeigt im Kino gerade ein Film über die Münchner Szene – ja, die werfen sich da in den Eisbach -, und im Herbst ist Kelly Slater, der erfolgreichste Surfer aller Zeiten, auf der Suche nach der perfekten Welle in "Tahiti 3D" zu sehen. "Könige der Wellen" hatte ich an dieser Stelle schon einmal erwähnt. Das ist ein netter Kinder-Animationsfilm von Ash Brannon und Chris Buck, in dem ein junger Pinguin namens Cody Maverick seine Heimat Buenos Eisig, Antarktis, verlässt, um der Welt zu zeigen, was er draufhat. Im Stil einer Sportreportage, mit vielen komischen Details, wird erzählt, wie Cody in Big Z, einem abgetauchten ehemaligen Spitzensurfer, einen Mentor findet und nicht nur ein Gewinner, sondern vor allem ein "Soul Surfer" wird. Neben wundervollen computeranimierten Bildern von tosenden, glänzenden, glitzernden Wellen beschert das Surfen dem Film auch eine Lässigkeit, einen schluffigen Charme, den andere Sportarten einfach nicht haben. Dass Codys Kumpel, das plappernde, zen-haft locker das Wasser durchpflügende Huhn Joe, wahrscheinlich was geraucht hat, müssen Sie ihrem Fünfjährigen vielleicht noch nicht erklären. Aber stellen Sie sich mal vor, Podolski und Co. würden bekifft auf den Platz kommen. Mmh, vielleicht doch lieber nicht.

Weiße Jungs bringen’s nicht, Warner Home Video; FSK: ab 12
Blue Crush, Universal, ab 6
Step Into Liquid, Alive, ab 6
Könige der Wellen, Sony, keine Altersbeschränkung

 

 

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