Magische Momente

Von Sabine Horst - Ich warte auf den "Elektrik-Trick". Die Stelle, wo der Magier Catweazle den Lichtschalter entdeckt: an, aus, an, aus… Elektrik-Trick eben. Irgendwie habe ich mir gedacht, Nick würde das komisch finden. Also, ich habe mich damals geschüttelt vor Lachen, das weiß ich noch genau. Aber mein Sohn sitzt neben mir auf dem Sofa mit versteinertem Gesicht. "Können wir nicht was anderes gucken?" –"Jetzt wart doch mal ab." Klick, klick, tchtchtch, Elektrik … Nichts, keine Regung. Catweazle, der Zauberer aus dem Mittelalter, den es mitsamt seiner Kröte Kühlwalda ins England von 1970 verschlagen hat, läuft an einem, der im neuen Jahrtausend groß geworden ist, glatt vorbei. Möglicherweise liegt es daran, dass für Nick die technischen Errungenschaften der "mittleren" Moderne genauso fremdartig wirken wie für den Protagonisten der Serie: Das Telefon mit Wählscheibe und pfundschwerem Hörer kennt er aus dem Frankfurter Museum für Kommunikation, es gehört für ihn in Medien-Antike – warum sollte er es unpassend finden, dass Catweazle das Ding als "sprechenden Knochen" bezeichnet?

Die Show war enorm populär, als ich zur Schule ging. Wir hatten einen in der Klasse, dem wir den Spitznamen Catweazle gaben, weil er so fahrig und hektisch war. Vielleicht müsste man mal ein Remake machen, mit Ben Stiller in der Hauptrolle, mit Handys, Computern, Internetcafés und Espresso-to-go. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht müssen wir Eltern uns einfach von dem schönen Gedanken verabschieden, wir könnten mit unseren Kindern die magischen Momente unserer eigenen Medienkindheit teilen, uns noch einmal zurückträumen in die Zeit, als Tammy, das Mädchen vom Hausboot, dem Flüstern des Windes lauschte und am Fuß der Blauen Berge Bohnen vom Blechteller gelöffelt wurden. Was Fernsehserien betrifft, sieht die Bilanz jedenfalls mau aus. Ich habe mich gerade neulich mit einer Kollegin darüber unterhalten, die zwei Söhne im Alter von zwölf und 14 hat. Die haben, ähnlich wie wir, mit den historischen Serien, die seit ein paar Jahren den DVD-Markt überschwemmen, regelrechte Retro-Festivals veranstaltet. "Fury" und "Lassie"? Versuchen Sie doch mal, einem Eskimo eine Kühltasche zu verkaufen. "Bonanza"? – "Geht nicht richtig ab… Wo ist nochmal die Mutter von denen? " meint Nick und verzichtet dankend auf Folge zwei bis 430.

Ja, aber … der deutsche Weihnachts-Vierteiler! In Raimund Harmstorf als "Seewolf" hatten mein Mann und ich erhebliche Hoffnungen gesetzt. Cooles Outfit, starker Typ, exotisches Setting, der Wind in den Segeln, Salz auf unserer Haut … "Was reden die da eigentlich dauernd zusammen?" fragt der Sohn irgendwann. Da habe ich mich, muss ich zugeben, auch längst innerlich gekrümmt: das vulgärexistenzialistische Geschwafel des hypervirilen Helden ist schlicht nicht mehr auszuhalten. Will man seinen Kindern auch nicht mehr antun – schließlich hat man ihnen ja ganz früh beigebracht, dass Jungs weinen dürfen und Zuschlagen keine Lösung ist, wenn dir auf dem Spielplatz das Förmchen weggenommen wird.

Wir haben dann hin und her überlegt, die Kollegin und ich, und gemerkt, dass es ein paar schöne Ausnahmen von der Regel gibt. Immer noch komisch ist alles, wo "Rosaroter Panther" draufsteht; interessanterweise waren bei den älteren Jungs auch "Das Halstuch" nach Durbridge und die "Die Gentlemen bitten zur Kasse" mit Horst Tappert gern gesehen. Uns hat die Magie der großen Fernsehjahre schließlich noch richtig eingeholt. In Gestalt von Barbara Eden, der "Bezaubernden Jeannie", die wie Catweazle aus einer fernen Vergangenheit kommt, mit den Errungenschaften des Technik-Zeitalters aber sehr viel selbstbewusster umgeht. Die Serie ist schnell, schön bunt – und der weibliche Dschinn, der mit einem Blinzeln alles möglich machen kann, eine Allmachtsphantasie, die am Ende jeder Folge mit schöner Regelmäßigkeit in die Anarchie führt. Kinder müssen sich zwar noch nicht mit Behörden auseinandersetzen. Aber wenn Jeannie die Bürokratie der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA lahmlegt oder eben mal einen Mondflug stoppt, wissen Kids das auch zu schätzen. Unser Tipp: Fangen Sie mit dem "Weltraumschnupfen" an – und arbeiten Sie sich anschließend von vorne durch. Demnächst versuchen wir’s dann mal mit der hexenden Gruselfamilie "Die Munsters". Ich halte Sie auf dem Laufenden.

"Bezaubernde Jeannie" – Season 1 bis 5, erschienen bei Sony Pictures Home Entertainment

 

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Kommentare

RE: Magische Momente

stimmt genau! Rosaroter Panther, das beschert mir als arbeitende Mutter mndestens 60 MInuten Ruhe und dermaßen laut lachende glückliche Kinder, und das im Jahr 2009. Ist es nicht wunderbar?

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