Traumjob mit Hindernissen
Volltreffer! Ich hatte mich auf eine Stellenanzeige beworben, in der eine kleine, neugegründete Redaktion Mitarbeiter sucht - und bin zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Man rief mich an, tat sehr eilig und wollte mich am liebsten sofort persönlich sprechen. Um meine Flexibilität zu beweisen, bot ich an, am Nachmittag vorbei zu kommen - ich müsste allerdings meine Kinder mitbringen.
Das hatte ich eigentlich nur aus Jux hinzugefügt und war ziemlich überrascht von der begeisterten Reaktion des Herausgebers. Ja, ich sollte unbedingt meine Kinder mitbringen, was für eine lustige Idee das sei und dass Kinder seiner Meinung nach zum Leben dazu gehören. Er kannte die beiden Prachtexemplare ja noch nicht!
Ich habe mich also vernünftig angezogen, meine Kinder mit Malbüchern, Trinkflaschen und Keksen ausgestattet und ins Auto gesetzt - und bin zu diesem interessanten Menschen gefahren.
In der Redaktion wurden wir herzlich begrüßt und in die Konferenzraum-Küche gelotst, wo die Kinder sich ausbreiten durften. Ich lernte den Herausgeber und den Chefredakteur kennen, und wir unterhielten uns über den online-Journalismus im Allgemeinen und Besonderen.
Ich muss meine Sache gut gemacht haben, denn ich hätte den Job gleich haben können. Anscheinend wollten die Herren endlich mit ihrer kleinen Zeitung loslegen und suchten händeringend Personal.
Was mich störte war, dass meine potentiellen Arbeitgeber prinizipiell mit einem Teilzeitjob einverstanden waren, aber erwarteten, dass ich - als "erfahrene Redakteurin" - in Teilzeit so viel schaffte wie meine Kollegen (waren das keine Redakteure?) in Vollzeit. Und wenn nicht, dann könnte ich doch bestimmt abends zu Hause fertig schreiben, was ich vormittags in der Redaktion begonnen hätte. Über die Bezahlung könne man ja später noch verhandeln, der Vertrag müsse auch noch ausgearbeitet werden.
Ein höchst raffinierter wenn auch ungewöhnlicher Plan. Darauf war ich selber noch gar nicht gekommen, dass ich mich auch noch abends hinsetzen und arbeiten könnte. Also nachdem ich morgens meine Kinder in der Schule/in der Kita abgesetzt hätte, zur Arbeit gehetzt und mittags wieder nach Hause gefahren wäre, die Kinder abgeholt hätte, am Nachmittag mit der Großen Schulaufgaben erledigt, mit dem Kleinen gespielt und anschließend mit beiden gemeinsam etwas unternommen hätte ... Auch ohne regelmäßigen Job bin ich abends so fix und alle, dass ich oft schon während der Tagesschau einschlafe. Natürlich sitze ich auch ab und zu am Computer, aber sonderlich ergiebig bin ich dann nicht mehr.
Kurz gesagt: abends konzentriert arbeiten ist momentan völlig utopisch!
Und ohne Arbeitsvertrag gleich loslegen, wo gibt es denn so etwas.
Ich freue mich sehr über das Jobangebot, aber da sind mir noch zu viele Unbekannte in der Gleichung. Das muss ich gut überdenken.
Andererseits: Das Jobangebot hat mir die Arbeitsagentur zugestellt. Darf ich das so einfach ablehnen?
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Kommentare
Milieu-Verengung
Wer schon mal Alleinerziehende begleitet hat, die von der Edeka-Holding o.ä. trotz herausragender Leistungen (natürlich waren die 5 Uhr morgen bis abends 20 Uhr präsent, wenn Not an der Frau war) gekündigt wurde, mit dem Hinweis, Ihnen würde doch ein Arbeitsplatz in Hamburg garantiert- minestens für ZWEI Jahre,kann den Artikel nur als Luxus-Tussi-Getöse werten.
CB
getöse
Luxus-Tussi-Getöse? Nur weil ich keine Alleinerziehende bin? Nun bleib' mal freundlich und sachlich, Carrie! Ich bin weder eine Tussi, noch mache ich hier Getöse. Ich schreibe über das, was ich erlebe. Und das finde ich haarsträubend genug, auch wenn ich einen Mann an meiner Seite habe, der - und das ist zugegeben ein großes Glück - unser Leben zur Not auch allein finanzieren könnte. Deswegen schwimmen wir aber noch lange nicht im Luxus. Schlimmer geht immer!
Es geht doch vielmehr darum, dass man einerseits Kinder in die Welt setzen aber andererseits auch so schnell wie möglich wieder dem Arbeitsmarkt verfügbar sein soll. Wie das mit dem Arbeitgeber und den Behörden geregelt werden kann, das versuche ich gerade zu begreifen. Es geht mir auch nicht (nur) um den finanziellen Aspekt. Findest Du es so verwerflich, dass jemand, der mal gute Jobs hatte, nach sechs Jahren Elternzeit wieder anderweitig beansprucht werden möchte?
Darüber schreibe ich. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
lisa