Fürbitten eines Hochzeitspaares
Ein junges Paar, das immerhin schon 10 Jahre lang ein Paar ist, heiratet und organisiert seine Hochzeit bis in alle Kleinigkeiten. Dazu gehört auch Ablauf und Ausgestaltung der kirchlichen Hochzeitsfeier mit ganz persönlichen Fürbitten, die von jüngeren Geschwistern vorgelesen werden.
Bemerkenswert ist der Dank, der diese Fürbitten prägt, und, dass das Paar nur darum bittet, so glücklich bleiben zu dürfen, wie es zur Zeit ist …
Vorhergehende »Gebete«:
► | Aus seinen Gedanken Gebete machen ...
► | Entwicklung eines Gebetes
► | ▪ Als Gebet: »Ein Kind kann …«
► | ▪ Als Gebet: »Wenn der Wecker morgens klingelt … «
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Fürbitten eines Hochzeitspaares
Zum weiteren Verständnis der Fürbitten und im Nachfolgenden der Hochzeitsansprache:
Der leibliche Vater der Braut ist verstorben.
Die Vornamen des Hochzeitspaares sind hier im Text durch »Braut« und »Bräutigam« ersetzt worden.
Hier Auszüge aus der kirchlichen Trauung:
1. Fürbitte
Wir bitten für Braut und Bräutigam:
Herr,
… lass sie in ihrer Ehe
so glücklich bleiben
wie bisher
und ihr Leben weiterhin
in Freude teilen.
… lass sie in schwierigen Zeiten,
was auch passiert,
so emotional und besonnen
– wie bisher –
zu einander stehen.
2. Fürbitte
Herr,
… begleite Braut und Bräutigam
auf ihrem weiteren gemeinsamen Weg
mit deiner Gnade
und bewahre sie
im Glauben an dich und sich selbst
und vor allen Dingen in ihrer Treue zueinander.
… wir bitten für alle engen Verwandten,
guten Freunde und Bekannten,
die Braut und Bräutigam
auf ihrem bisherigen Lebensweg
begleitet haben,
… wir bitten für ihre Eltern
die ihnen das Leben gaben,
und für ihre Familien,
in denen sie aufwachsen durften,
und für alle,
die ihnen in Freundschaft nahe stehen:
Gib ihnen den Frieden des Herzens,
Verbundenheit
und das Gefühl der Gemeinschaft!
3. Fürbitte
Wir bitten für alle
auch heute hier nicht Anwesenden:
Herr,
… festige in uns allen
das Band der Liebe,
dass wir in schwierigen Zeiten
zueinander stehen
und einander helfen.
Ganz besonders und innig denken wir heute
an alle Verstorbenen von Braut und Bräutigam,
die an diesem wichtigen Tag der Liebe
gerne bei uns wären.
Lasst uns danken für das Gute,
das sie uns zurückgelassen haben.
Herr,
… schenke uns ein offenes
und gastfreundliches Herz,
damit wir einander vertrauen
und somit unser aller Leben
bestärken können.
Nachfolgende »Gebete«:
► | Atemgebet
► | Sterbeangst
► | Gottes andersartige Schöpfung
► | Fassungslos, traurig, deprimiert: Ein Gebet
► | Mein heutiges Dankgebet
► | Dankbar ohne Schicksalsschlag
► | Pfingstgebet
Nachfolgende Beiträge zum Thema »Hochzeit«:
► | Hochzeitswahnsinn
► | Die Temperamentenfrage
► | Ein Paar, weil Ihr Euch dazu macht …
► | Die Symbiose an- und gegenüberliegender Temperamente
► | Ihr seid das Paar, das ihr aus euch macht
► | In jede Liebe fällt ein Wermutstropfen
► | Was lange währt …
Herzlich,
Stephan
---------
© 2010 Stephan Wolters, Autor von: ►»Gras in den Dünen«
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Kommentare
Hochzeitsansprache
Angefügt alle nachfolgenden Beiträge aus meiner
Hochzeitsansprache:
(Namen sind durch »Braut« und »Bräutigam« ersetzt worden.)
Hochzeitswahnsinn
Weißt Du eigentlich, mein lieber Bräutigam, wie sehr ich Dich in letzter Zeit um deine ungestörte Wohnung weit ab von allem Hochzeitswahnsinn beneidet habe?
Alle Gespräche über Reiseorganisation nach Las Vegas, über mögliche Hotels, Zeremonien, "Staatskarossen", Hochzeitsmelodien, Fotografen, Fotolocation … welche sonstigen Events, welche Hochzeitsgäste, welche Hochzeitskarten, welcher Text, das Karten schneiden und bekleben, mit Extras beschriften und und und … Wann zum Reisebüro, Standesamt, Brautkleidgeschäft, Copyshop, Druckerei, Blumengeschäft, Kirche/Pastor, "Probe-Essen", "Probe-Druck", "Probe-Makeup" mit mehreren Anproben und "Probe-Frisur" …
Seit Festlegung des heutigen Hochzeitsdatums (ach, schon davor: Seit Festlegung des Reisedatums nach Las Vegas) lag etwas Manisches in der Luft, als würde da jemand das Organisationskomitee zur Ausrichtung einer Fußballweltmeisterschaft leiten wollen.
Und alles läuft noch mit und über beide Mütter und der Trauzeugin, die sich zwar alle untereinander blendend verstehen, wenn sie auch nicht immer in allen Regieanweisungen gleicher Meinung waren! – Vier Regisseurinnen? – Ich glaube, ich brauche nicht mehr sagen … Und alles spielte sich sehr häufig in unseren Räumen auf der Brüderstraße ab. Oft habe ich Dich, mein lieber Bräutigam, beneidet, wenn Deine Braut bei uns zu Hause mit ihrer Mutter die neuesten Planungen und Überlegungen durchging, ach was: durchhechelte! Du dagegen hattest dann Deine Wohnung über Stunden ganz alleine nur für Dich …
Es war keine leichte Zeit für mich: Und wenn unsere Braut dann gegangen war und ich meine Frau mal etwas fragen wollte, ging schon das Telefon: "Ich bin's, Mama, da ist mir noch eingefallen …". Gott sei Dank endete irgendwann das Gespräch. Aber bevor ich Luft holen konnte: "Schatz, da ist noch jemand in der Leitung!" Katja, Trauzeugin und beste Freundin unserer Braut: Es geht ja nur um einige organisatorische Dinge, die die Braut nicht erfahren darf. – Stundengespräch!
So musste ich alleine zu Bett gehen oder hatte viel Zeit, Bücher oder Zeitschriften zu lesen, die ich immer schon lesen wollte. Das war das einzig Positive! – Wenn ich in dieser Zeit "auf die Rolle" gegangen wäre: Es wäre nicht aufgefallen! – Ich hab's versäumt!
Und dann kurz vor der Hochzeitsfeier, deren Kommen und Gehen ich so sehnlichst herbei wünschte, um wieder zur Ruhe zu kommen, kam endlich auch einmal ein Anruf für mich: Mein zukünftiger Schwiegersohn (ich glaube, das war das erste Mal, dass er mich angerufen hat!): Lieber Stephan, könntest Du ein paar Worte auf unserer Hochzeitsfeier sprechen!
Auch das noch: Allerdings: Jetzt wirst Du, mein lieber Bräutigam – werdet Ihr alle – mal ein wenig mitleiden und Euch meinen Vortrag anhören müssen:
Wer unseren heute so stolzen Bräutigam kennt, weiß, dass er es gar nicht mag, im Mittelpunkt zu stehen: er selber ist lieber stiller Beobachter, amüsiert sich lieber über andere als dass er selbst im Rampenlicht steht: Kurzum: Öffentlichkeit ist ihm unangenehm! – Es sei denn als Sieger oder Gewinner seiner zweiten Berufung, dem Billardspiel!
Die Temperamentenfrage
Dass zwei Menschen sich seit ihrer Kindheit (10. Lebensjahr) kennen, befreundet sind und seit 2001 ein Paar, schon 5 Jahre zusammenwohnen und dann auch noch heiraten: Das ist schon recht selten und äußerst beachtenswert und etwas Besonderes.
Wie klappt so etwas, was sind die Voraussetzungen dafür, worauf muss man achten?! – Ich denke, keiner von uns hier wird wirkliche, allgemeingültige Regeln aufstellen können: Dennoch sind mir einige erwähnenswerte Besonderheiten und Umstände aufgefallen:
Dass eine gute Ehe nicht nur davon abhängt, den richtigen Menschen zu finden, sondern vielmehr auch davon, der richtige Mensch dafür zu sein, scheint bei euch, liebes Brautpaar, wohl in Erfüllung gegangen zu sein. – Gratulation! Und das bei so unterschiedlichen Temperamenten.
Aber vielleicht ist genau das der Schlüssel für eure gradlinige Beziehung:
Die Temperamentenfrage.
Wir alle kennen die vier Temperamente, oft dargestellt als Kreuz (Vertikale und Horizontale) im Kreis: Auf der Vertikalen oben der »Himmel« als Symbol für das sanguinsche Temperament (das immer Fröhliche, Lachende, leicht Beschwingte), gegenüber unten die »Erde« für das melancholische Temperament (das Erdverbundene, Nachdenkliche, Ruhige).
Links auf der Horizontalen sehen wir das »Feuer« für das cholerische Temperament ( das Feurige, schnell Aufbrausende, Tatkräftige ) und gegenüber rechts das »Wasser« für das phlegmatische Temperament (das absolut Ausgeglichene, Gelassene. Nichts kann dieses Temperament aus der Ruhe bringen). Man merkt schon, welches Temperament wem von beiden auf den Leib zugeschnitten ist. Natürlich wissen wir, dass es Menschen mit nur einem "reinen" Temperament nicht gibt, es sei denn im Irrenhaus: Der reine Sanguiniker würde uns als immer (auch grundlos) Lachender entgegenkommen, der reine Melancholiker wäre der Depressive, Selbstmordgefährdete, der reine Choleriker dagegen würde stets in seiner Gummizelle toben und der reine Phlegmatiker wäre ein absoluter Autist.
Wir normalen Menschen tragen also immer mehrere verschiedene Temperamente in uns, nur unterschiedlich gewichtig.
Und genau hier ist mir bei unserem Brautpaar aufgefallen, wie relativ eindeutig wir ihnen unterschiedliche Temperamentausrichtungen, unterschiedliche Temperamentgruppen zugeordnen können.
Die Symbiose an- und gegenüberliegender Temperamente
Während unsere Braut mehr als Energiemensch zwischen dem Sanguiniker und Choleriker angesiedelt ist, scheint unser Bräutigam als der vordergründig ruhige, besonnenere Typ zwischen den verbleibenden Temperamenten Phlegmatiker und Melancholiker zu liegen.
Man nimmt mir heute wohl nicht übel, dass ich nur die positiven Eigenschaften dieser Temperamente beispielhaft aufführe (um die negativen mögen sich andere kümmern) und unserer Braut und unserem Bräutigam zuordne:
Als positive cholerische Eigenschaften stechen bei unserer Braut hervor:
antreibend, bestimmt, direkt, einfallsreich, ehrgeizig, energisch, entscheidungsfreudig, führend, hartnäckig, produktiv, positiv, selbstbewusst, selbstständig, sicher, überzeugend, willensstark …
und als positive sanguinische Eigenschaften:
anregend, attraktiv, beliebt, erfrischend, fördernd, fröhlich, gesellig, gesprächig, kontaktfreudig, lebhaft, lustig, munter, nett, optimistisch, reizvoll, spontan, überschwänglich, überzeugend …
Als positive melancholische Eigenschaften stechen bei unserem Bräutigam hervor:
analytisch, aufopferungsvoll, sensibel, genau, hartnäckig, idealistisch, loyal, nachdenklich, ordentlich, organisiert, planend, respektvoll, rücksichtsvoll, tiefgründig, treu, wohlerzogen …
und als positive phlegmatische Eigenschaften:
angenehm, ausgeglichen, beherrscht, beständig, diplomatisch, freundlich, friedlich, geduldig, verbindlich, vermittelnd, zufrieden, zurückhaltend …
Man sieht schnell ein, dass zwei Menschen mit gleicher Temperamentenkombination wie der der Braut zwar einen tollen, aufregenden Abend verbringen könnten, aber eine Woche oder einen Monat oder gar ein Jahr zusammenleben? – Nein, das würde niemals klappen! – Ebenso gilt wohl für unseren Bräutigam: Zwei Menschen mit der gleich Temperamentenkombination wie der unseres Bräutigams würden zwar unter einander keinen Streit bekommen, aber vor Langeweile sich irgendwann »die Rübe einschlagen«.
Unsere Braut (Feuer und Luft) braucht den Ausgleich der Temperamentenkombination ihres Bräutigams (Erde und Wasser), oder anders ausgedrückt: Unsere Braut wird erst durch ihren Bräutigam geerdet, während unser Bräutigam erst durch seine Braut zur Luft befördert bzw. des Himmels ansichtig wird.
Andererseits wissen wir, dass gegenüberliegende Temperamente immer eine besondere Symbiose mit einander eingehen: Der sanguinisch-melancholische Typ ist dann z.B. der »Himmel hoch Jauchzende, zu Tode Betrübte«, der cholerisch-phlegmatische Typ der »Wehe, wenn sie losgelassene«-Typ.
Beide Varianten sind bei unseren frisch Verheirateten sehr gut zu beobachten:
Die feurige Braut ist unheimlich nahe am Wasser gebaut, teilweise sehr empfindlich. Unser Bräutigam fährt z.B. total aus dem Häuschen, wenn er auf einem Musikfestival seine Musik hört: Sein Freunde und Brüder sind dann immer ganz erstaunt, dass der neben ihnen tanzende, in Verzückung versenkte, um sich Bier spritzende Tänzer unser Bräutigam ist. Es soll vorgekommen sein, dass auf solchen Veranstaltungen ein Freund oder Bruder unseres Bräutigams auf die Frage: "Mensch, wo ist denn unser Bräutigam?" die Antwort bekam: "Der Verrückte neben Dir". Man kann es kaum glauben, unser Brautpaar ist ein absolutes Vorzeigepaar bezüglich der Temperamentenlehre. – Wenn ich jetzt auch noch aus dem 5000 Jahre alten ältesten Buch der Welt, dem I-Ging aus China die Temperament-Symbole »Donner«, »Wind«, »See« und »Berg«, »Yin und Yang« unter den aufbauenden Aspekten »Erde«, »Menschheit« und »Himmel« ausführen würde, kämen wir zu noch viel tiefergehenden Einsichten. Das aber würde den Rahmen hier sprengen.
Ihr seid das Paar, das ihr aus euch macht
Eine Weisheit aus China hat unser Bräutigam aber sehr verinnerlicht, nämlich dass Eheleute, die sich lieben, tausend Dinge sagen können, ohne sie zu auszusprechen …
In einer schwachen Minute muss er sich wohl hat hinreißen lassen, etwas zu sagen, ohne zu bedenken: Bei einer Liebeserklärung oder Heiratsabsichtserklärung kann eine Frau doppelt so schnell hören, wie ein Mann zu sprechen imstande ist.
Für unsere Braut dagegen gilt eher ein Satz von Grethe Weiser: »Die schwierigste Aufgabe für eine Frau ist es, einem Mann klarzumachen, dass er ohne sie nicht leben kann.« - Diese Aufgabe hat unsere Braut allerdings mit Bravour gelöst, denn ob ihr Bräutigam jemals alleine auf die Idee, jetzt zu heiraten, gekommen wäre, wage ich zu bezweifeln: Noch heute hieße es bei ihm: "Joo, vielleicht nächstes oder übernächstes Jahr …"
Aus und vorbei, nun seid ihr verheiratet und habt euch beiden jeweils ein riesiges Geschenk gemacht: Unser Bräutigam hat Las Vegas als Hochzeitsort und unsere Braut diese ganz prächtig und liebevoll durchorganisierte kirchliche Hochzeitsfeier durchgesetzt, zum größten Teil auch selber und alleine organisiert, gebastelt, gearbeitet und und und … Ich habe ja eingangs von meinen leidvollen Erfahrungen gesprochen!
Aber, meine liebe Braut, bedenke, dass die glücklichste Ehefrau nicht die ist, die den besten Mann geheiratet hat, sondern die, die aus dem Mann, den sie geheiratet hat, den besten Ehemann gemacht hat. – Hier kannst Dir ruhig etwas von Deiner Mutter und Deiner Schwiegermutter abschauen, wie sie beide genau das hervorragend bei ihren Ehemännern geschafft haben!
Dennoch gehe ich bei euch beiden, liebes Hochzeitspaar, davon aus, dass Ihr ein wirkliches Paar seid, weil Ihr Euch dazu gemacht habt und dazu steht:
Ihr seid das Paar, das Ihr aus Euch macht!
Aus den von euch erarbeiteten Fürbitten geht etwas ganz Besonderes, mich Überzeugendes hervor: Ihr habt darin nicht um zukünftiges Glück gebeten, sondern ihr bittet darum, euer gegenwärtiges Glück behalten zu dürfen: Ihr seid also bereits glücklich, und genau darum werden euch hier viele beneiden.
Herr,
lass sie in ihrer Ehe
so glücklich bleiben
wie bisher
und ihr Leben
weiterhin in Freude teilen.
Gott sei Dank steht Ihr aber auch zu euch als Menschenkinder, wie Ihr sie seid, mit euren Fehlern und Schwächen: Das hat mich bei euren Fürbitten im Traugottesdienst so begeistert, insbesondere diese Stelle:
Herr,
lass uns in schwierigen Zeiten,
was auch passiert,
so emotional und besonnen
– wie bisher –
zu einander stehen.
Ich füge einen Liedtext von Lena hinzu:
Liebe soll nicht,
Liebe kämpft nicht,
Liebe wird nicht,
Liebe ist.
Liebe sucht nicht,
Liebe fragt nicht,
Liebe ist so
wie du bist.
In jede Liebe fällt ein Wermutstropfen
In jede Liebe fällt ein Wermutstropfen und in eure Liebe fällt ein besonders wehmütiger:
Unter den vier Geschwistern (drei Jungen, ein Mädchen) war unsere Braut die Lieblingstochter ihres verstorbenen Vaters. Fotos wie auch die Mutter unserer Braut bestätigen, wie stolz der verstorbene Vater auf seine Tochter war, wie zärtlich er trotz seiner Kraft, Fülle und Mächtigkeit er mit ihr umging:
Ich weiß, wie gerne unsere Braut ihrem verstorbenen leiblichen Vater diesen heutigen Moment der Freude und des Glückes gegönnt hätte, ich weiß von ihrer Mutter, wie sehr der verstorbene Vater heute gerne dabei gewesen wäre.
Jedes Mal, wenn wir, Deine Mutter und ich, über diese Angelegenheit sprechen, stehen deiner Mutter die Tränen in den Augen. Deshalb brauchst du dich um deine Tränen nicht zu schämen, liebe Braut, im Gegenteil:
Ihr beide habt den langen Leidensweg des verstorbenen Vaters mit verfolgen müssen und ihr habt den pflegebedürftigen Vater auch später im Heim bis zu seinem Tode regelmäßig besucht. Für euch beide war es eine Selbstverständlichkeit, ihn zu nehmen wie er war, krank und leidend, und dies gemeinsam zu tragen.
Dein Vater, meine liebe Braut, war – auch durch seinen langen beschwerlichen Krankheitsweg – vom Saulus zum Paulus geworden. Dein Vater hat die Größe gehabt, für euch und uns alle (mich eingeschlossen) und vor allem für den Fortbestand der Familie zu beten.
Dafür möchte ich Dir und Euch
heute an seiner Stelle
den väterlichen Segen geben:
Bleibt so glücklich und zufrieden wie ihr seid.
Bevor ich meine Rede nun zu Ende führe, möchte ich noch für alle anderen Gäste ein kleines Geheimnis lüften: Unsere hübsche Braut hat einige Hochzeitstraditionen in aller Stille durchgeführt:
Die letzte Nacht vor der Trauung hat unsere liebe Braut bei uns im Elternhaus verbracht: So hatte unser Bräutigam Gelegenheit, sich alles noch einmal gründlich zu überlegen, und unsere Braut die Ruhe, morgens das allen noch unbekannte Brautkleid anzulegen. Ihre Brautschuhe wurden von gesparten Pfennigen, bzw. heute Euro-Cents, bezahlt. Diese Tradition soll die Sparsamkeit der Braut unterstreichen.
Traditionell ist es die Aufgabe des Bräutigams, den Brautstrauß zu besorgen. Diesen hat unser Bräutigam heute vor der Trauung bei uns abgegeben, ohne jedoch noch einen Blick auf seine Braut werfen zu dürfen: Er musste unverrichteter Dinge "abziehen" und bis zur Hochzeitsfeier warten.
Nach einer beliebten englischen Tradition, die mittlerweile auch in Deutschland ausgeübt wird, hat unsere Braut zu ihrer Hochzeit:
etwas Gebrauchtes,
etwas Neues,
etwas Geliehenes
und etwas Blaues
an oder bei sich getragen, bzw. in ihre Kleidung integriert:
• etwas Gebrauchtes
steht für das bisherige Leben der Braut vor der Ehe:
Unserer Braut wählte gebrauchte Schuhe,
die man unter dem üppigen Brautkleid nicht sehen kann,
und hat damit Geld gespart.
• etwas Neues (hier ihr neues Brautkleid)
steht als Symbol für das beginnende Eheleben der Braut.
• etwas Geliehenes steht für Freundschaft
und soll Glück in der Ehe bringen,
die Braut leiht sich etwas von einer glücklich verheirateten Freundin aus:
Sie hat sich ein Medaillon von ihrer Mutter und besten Freundin ausgeliehen,
das ihr Vater ihrer Mutter am Hochzeitstag geschenkt hat:
Beide waren damals ein sehr glückliches Paar.
• etwas Blaues als Zeichen der Treue:
Sie trägt ein blaues Strumpfband am linken Oberschenkel.
Nun habe ich hier noch zwei ganz persönliche Geschenke für euch beiden, liebes Brautpaar.
Unsere Braut bekommt das von ihr so heiß geliebte und begehrte, heute zur Trauung schon ausgeliehene und wieder zurückgegebene Medaillon als Andenken an diesen Tag und ihren verstorbenen Vater.
Du, meine liebe Braut, hast es während der Hochzeitszeremonie an deinem Herzen getragen. Mögest du alle damit verbundenen positiven Erinnerungen nun in deinem Herzen bewahren.
Zu dir, mein lieber Bräutigam: Deine Schwiegermutter Gabi ist wie deine Mutter eine Full-time-Mutter (nicht immer leicht für den jeweiligen Ehemann!). Alles möglich hat sie von ihren vier Kindern gesammelt (eine eigene Lagerhalle wäre bald angebracht!). Da liegen die ersten Milchzähne, die ersten Aufsätze und Muttertagbriefe und vor allen Dingen die ersten Liebesbriefe an ihre Kinder. Alle Briefe aus frühester Kindheit, die ihre Tochter, deine heutige Braut von dir bekommen hat, wurden hier in diesem großen Karton gesammelt. Deine Eltern und wir haben bei der Durchsicht herzhaft lachen dürfen. Dein Vater war erstaunt, was du als Junge dich schon alles getraut hast, wortgewaltig zu schreiben. Heute ist der Tag gekommen, da alle diese persönlichen Kostbarkeiten wieder dein eigen werden sollen. Mach das Beste daraus, was du für richtig hälst:
Tipp: Deine zukünftigen Kinder und noch mehr deine zukünftigen Enkelkinder würden sich über einen gebundenen echten Band aus Kinderliebe bestimmt wahnsinnig freuen.
Der Philosoph und Dichter Khalil Gibran schrieb einmal:
»Die Ehe ist die Vereinigung zweier göttlicher Funken,
auf dass ein dritter auf Erden geboren werde.«.
Eure Mütter sind zwar schon Großmütter geworden, würden sich aber riesig freuen, wenn ihr es durch ein eigenes, euer Kind vervollständigt. – Und unseren Bräutigam bitte ich jetzt, nicht zu antworten: "Joo, schauen wir mal …"
Das war's, womit ich mich bei Euch, liebes Hochzeitspaar, und allen anderen Verwandten und Freunden und sonstigen Gästen für die Geduld und Ausdauer beim Zuhören bedanke:
Es musste sein, es musste raus!
Siehe hierzu auch den dazu passenden, eingeschobenen Wochengruß:
► | Ein Paar, weil Ihr Euch dazu macht …
Siehe hierzu auch die Fürbitte:
► | Fürbitten eines Hochzeitspaares
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Herzlich,
Stephan
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© 2010 Stephan Wolters, Autor von: ►»Gras in den Dünen«
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