Ruhe heißt nicht Stillstand

Kommentar zum Interview von Melanie Huber mit dem amtierenden Ratsvorsitzenden der EKD und Präses Nikolaus Schneider zu dem Thema »Kommunikation gelingt nur mit nötiger Ruhe«
 
► | Kommunikation gelingt nur mit nötiger Ruhe
 

 
Ruhe ist nie Stillstand

In eigener Sache und zu dem oben aufgeführten Interview mit Präses Nikolaus Schneider:



Ohne Ruhe keine Bewegung, ohne Bewegung keine Ruhe: Die dipolaren Zustände schließen sich nicht aus, sondern bedingen sich wie Leben und Tod, Gesundheit und Krankheit, Einatmen und Ausatmen, Pause und Aktivität: »Ruhe ist nie Stillstand und Bewegung ist nie Unruhe« können wir von fernöstlichen Weisheiten lernen. Je ruhiger die Bewegung, desto kraftvoller die Ruhe …
 
Evangelisch.de muss das Spagat zwischen Gläubigen und Suchenden (wobei sich beides nicht ausschließt) schaffen, einerseits tief im Glauben verwurzelte, andererseits auch entwurzelte Menschen ansprechen als ein Forum der Christlichkeit, Humanität, Offenheit und des Aufeinander-zu-gehens, ein Zugang zur Spiritualität und zum Glauben in den mannigfachsten Schattierungen, worunter die kräftige schillernde Farbe EVANGELISCH besonders und einladend hervorstechen sollte.
 
Dazu gehört auch lebendige Diskussion nicht nur im engen Raum und Dunst von Kleinkariertheit, sondern eine Atmosphäre von Weltoffenheit (»anders sein« und »anders lassen« eingeschlossen)! – Nehmen wir Jesus als Beispiel, der ganz offensichtlich gegen die festen Strukturen und Provinzialität seiner jüdischen Glaubensbrüder angegangen ist, sich diesbezüglich sogar bei seiner »Tempelreinigung« zur einzig überlieferten »Gewalttat gegen andere« hinreißen ließ, indem er Händler und Geldwechsler mit einer Geißel aus Stricken aus dem Tempel trieb. „Steht nicht geschrieben: Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker?“ (Mk 11,17)
 
Nun ist das Internet kein Gebetshaus, aber eine große Chance, Zugang zu vielen, meist sogar jüngeren Menschen zu finden. Gerade sie gehören zu unseren "aller Völker"! Sie werden die Zukunft bestimmen und nicht mehr so sehr wir Älteren!
 
Christus war weltoffen, das sollten wir beibehalten! – Dazu gehört Mut, Toleranz auch im Sinne von Nächstenliebe, Weitsicht, Unvoreingenommenheit, Erfahrung und wenn sich dazu noch Professionalität und darüber hinaus ein bisschen Weisheit gesellt, wird evangelisch.de - da bin ich mir sicher - erfolgreich (= reich an Erfolgen) sein und bleiben.
 
Wer wie ich von Anfang an als begeisterter Außenstehender den Werdegang von evangelisch.de beobachtet und mit Beiträgen mitzugestalten sucht, hat manchmal den Eindruck, dass die bisherige Offenheit an anderer Stelle zugunsten von Klientel-Bedienung zurückgefahren wird – hoffentlich nicht – hoffentlich gibt es weiter neben allen Gemeinsamkeiten auch lebendige Auseinandersetzungen …
 
Da evangelisch.de zumeist aus sehr jungen engagierten Redakteuren(innen) besteht und von einer ebenfalls jungen enthusiastischen und energischen Dame (Melanie Huber) geleitet wird, befürchte ich als Älterer, dass nicht das »junge Team« sondern andere Außenstehende auf irgendetwas den Daumen halten und unheilvoll einwirken könnten: Wandelt sich Evangelisch.de in eine nur administrative Medien- und Sammelstelle für (Landes-)Kirchenfürsten und Gemeinden, auf das Zitieren von Bibelversen und Ankündigungen von kirchlichen Terminen, wäre eine große Chance vertan.
 
Hoffentlich treten alle Verantwortlichen von evangelisch.de dafür ein, dass evangelisch.de keinem Klüngel und Klientel verfällt und nicht zu einer Nische, bzw. Kämmerlein der Bedeutungslosigkeit verkommt, sondern sich zu einem weltoffenen Portal einer einladenden Christenheit entwickelt.
 
Dazu gehören natürlich auch Abweichungen von gängigen Meinungen (mit Martin Luther als Vorbild), Korrekturen von Inhalt, Form und Stil: Vor allem aber gehört dazu Toleranz und Verständnis und die positive Annahme: Wer evangelisch.de anklickt, sich dort umsieht, sich dort in Beiträgen und Kommentaren beteiligt, hat – in welcher Art auch immer – Interesse, ist in Sachen Glauben ein Suchender, dem hier hoffentlich eine Heimat gegeben oder Asyl gewährt werden kann! – Evangelisch.de als offenes öffentliches Gebetshaus im großen World Wide Web nicht ausgeschlossen!
 
Ich wünsche allen Verantwortlichen von evangelöisch.de eine über jeden Tellerrand hinausreichende Weitsicht und das urbändige Vertrauen in die zukünftige Christenheit, die nicht dadurch weiterbesteht, dass sie sich einschließt und in ihrem gewohnten Umfeld vom Rest der Welt abgenabelt, sondern auch den Ansprüchen der Zeit (auch ZEIT und ZUKUNFT und sicherlich auch ein »freies, offenes INTERNET« ist Gott gewollt) genügt.

In diesem Sinne, mit Mut, Zutrauen und Zuversicht,  

herzlich,
 
Stephan
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© 2010   Stephan Wolters,     Autor von:   ►»Gras in den Dünen«
 
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