Kreisbogen der Generationen
Wie in der Natur, der Landschaft, der Pflanzen- und Tierwelt, so vollzieht sich auch bei uns Menschen ein steter Wandel, Entwicklung, Evolution in sich wiederholenden Zyklen: Und doch ist jeder Zyklus anders …
Mag sich alles auch wiederholen: Jeder Zyklus wird neu erlebt, durchlebt und durchlitten …
Siehe zum Thema »Geburt« auch vorherige Beiträge:
► | Eure Kinder sind nicht Eure Kinder
► | ▪ Als Wunsch an die Eltern: »Ein Kind kann …«
► | ▪ Als Gebet: »Ein Kind kann …«
«Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.» schreibt Khalil Gibran und weist damit auf den unbeschreiblichen Drang des Lebens nach steter Erneuerung hin.
Wer verspürt nicht beim Anblick von immer rackernden Kleinkindern diese unbändige »Sehnsucht des Lebens«, das beim Neugeborenen mit seinen fein geformten Fingerchen und den nur ab und zu zaghaft blinzelnden Äugelein in eine noch unbekannte Welt zwar noch nicht so wahrnehmbar ist, da die Umstellung von Mutterleib zur Erdatmosphäre, das Ausgestalten aller Sinnesorgane noch nicht ganz abgeschlossen ist. Aber bald schon nimmt das Kleinkind die Welterkundung auf, lernt mehr und schneller, ist neugieriger und wissbegieriger als es jemals später sein wird.
Die jungen Eltern erfahren es schon in der ersten Nacht zuhause: Das Kind schreit und keiner weiß warum: Vielleicht nur das Verlangen der Mutterbrust, oder die ungewohnte Einsamkeit und der Drang nach Zuwendung? – Oder einfach nur: Ich bin da und nehmt mich wahr!
Auf die Nachfrage seiner älteren Schwester, wie denn die erste Nacht mit dem Baby im Hause war?, antwortete der Kindesvater: "Kein Auge zugetan! – Aber das kannst Du nicht verstehen, krieg Du erst mal ein Kind!" – So schnell lernt zumindest der junge Vater: das Klagen über seine Brut … und merkt dabei nicht, dass er im Establishment angekommen ist …
Alle von der Geburt Betroffenen (das sind ja nicht nur das Neugeborene und seine Eltern) beginnen einen neuen Lebenszyklus: Kind, Eltern, Großeltern, evtl. Urgroßeltern.
Der eine seinen ersten Lebenszyklus, der andere schlägt den Mittelbogen, der nächste hat die Hälfte des Lebens schon weit überschritten und so mancher weiß nun: Ich bin die jetzt oder bald letzte Generation.
Durch die Geburt des Erstgeborenen einer neuen Generation steigen alle nun eine Generationsstufe höher und die meisten fallen damit im Lebensbogen wieder abwärts, wie man's nimmt:
Ohne Leben kein Tod - Ohne Tod kein Leben.
Das wissen alle Lebewesen, ja sogar jede unserer lebenden Zellen, die absterben, damit neue Zellen nachwachsen können: In jedem wachsenden Organismus müssen ständig Zellen sterben, um anderen Zellen das Leben zu sichern oder neuen Zellen, neuem Leben Platz zu machen, wie man uns Platz gemacht hat …
Das Recht haben, das Recht nehmen sich werdende Leben oder, wie man es bei Mikroorganismen beobachten kann: Ältere Organismen opfern sich jüngeren … Diesen Gedanken kann man auf vielen Ebenen weiter spinnen und dabei auf ganz neue und doch in der Natur so selbstverständliche Ergebnisse kommen.
Gott sei Dank zählen wir zu den größeren und höheren Organismen …
Siehe zum Thema »Geburt« auch nachfolgend:
► | Zum erstgeborenen Kind …
Herzlich,
Stephan
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© 2010 Stephan Wolters, Autor von: ►»Gras in den Dünen«
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