TRAUER-ARBEIT
Eine Userin fragte kürzlich in einem anderen Blog: »Wie kann man Trauerarbeit leisten, wenn man mit seiner Trauer alleine ist und die Hilfsangebote nicht wahrnehmen möchte/kann?«
Es ist nicht jedermanns Sache, über Tod und Krankheit zu sprechen, obwohl beides zum Leben wie »Essen, Schlafen und Trinken« gehört. In unserer Gesellschaft werden Themen über den eigenen Tod und das eigene Sterben eher verdrängt, obwohl es jeden treffen wird. Es ist nicht jedermanns Sache, über Tod und Krankheit zu sprechen, obwohl beides zum Leben wie »Essen, Schlafen und Trinken« gehört. In unserer Gesellschaft werden Themen über den eigenen Tod und das eigene Sterben eher verdrängt, obwohl es jeden treffen wird.
Vorhergehende Beiträge zum Thema »Trauer«:
► | TRAUERN
mit Anfügung aller Beiträge zum Thema »TRAUER«
Für viele Menschen sind Gespräche und Gedanken über Tod, Sterben und Trauer fast unanständig, weil Schmerz und körperlicher (und auch geistiger) Verfall keinen Platz in unserer erfolgsorientierten und dem »Jugendwahn verfallenen« Zeit haben, weil Trauer und Traurigkeit einfach ein zu negativer Beigeschmack beiwohnt. – Erst der Selbstmord eines populären verzweifelten und sich allein gelassenen fühlenden Fußballspielers rückt dieses wichtige Thema wieder kurzfristig in den Mittelpunkt unseres Interesses.
Dabei verliert jeder von uns irgendwann in seinem Leben einen geliebten, unverzichtbaren Menschen durch Unfall oder Krankheit. Ungekannte Verlustängste und tiefster Verlustschmerz lösen dann heftigste körperliche und seelische Krisen aus. Da der Umgang mit solchen Gegebenheiten in unserer Zeit selten thematisiert und noch weniger vermittelt worden ist, fühlt sich der Betroffene (und noch mehr seine Umgebung) um so hilfloser, sprachloser und mit seinem Verlust und seiner Trauer allzu alleingelassen.
»Wer kann mir helfen, wem traue ich Hilfe zu?!« Mit ungekannten Verlustängsten und den heftigsten Gefühlen seelischer Schmerzen konfrontiert, wie man sie zuvor so noch niemals erlebt hat, traut man dann oft keinem Menschen zu, Hilfe gewähren zu können. Am Ende glaubt der Betroffene gar, seine seelischen Schmerzen nicht mehr ertragen zu können, gar »verrückt zu werden«. – eine dann durchaus lebensbedrohliche Situation!
Dabei hat Trauer mit Depression oder Gejammer erst einmal gar nichts zu tun. Trauer ist keine Krankheit und kann auch nicht einfach wegbehandelt werden. Trauer ist ein ganz normaler Vorgang, eine lebenswichtige Reaktion des Organismus auf einen belastenden Verlust einer Liebe, einer nahestehenden Person, eines geliebten Wesens oder auch auf den Verlust unserer Gesundheit.
Trauer ist normalerweise eine Aufarbeitungsphase, trotz Schmerz eine lebenswichtige Erholungsphase hin zu neuer Lebensenergie. Trauer ist somit unsere menschliche Fähigkeit, Heilung zu erlangen, also ein notwendiger Gesundungsprozess.
Wie derzeit in unseren Breitengraden das Herbstende und der Winter: Alle Pflanzen ziehen sich zurück, schütteln alles Belastende ab, verharren in einem komaähnlichen Zustand, um neue Kräfte zu sammeln. – Und wenn der Winter vorbei ist, erwachen sie mit neuer Lebensenergie … kein Grund, nicht über unseren Winter zu sprechen.
Außerdem bleibt uns die Freude auf das nächste berauschende Frühjahr, das kommen wird …
Nachfolgende Beiträge zum Thema »Trauer«:
► | Zum Trauern kann man nicht gezwungen werden
► | Der Tod lehrt uns »loszulassen«
► | Feiern ohne Schuldgefühle
Herzlich,
Stephan
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© 2009 Stephan Wolters, Autor von: ►»Gras in den Dünen«
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Kommentare
Fortsetzung zur Trauerarbeit
Autoren-Beitrag vom 2. Dezember 2009
Zum Trauern kann man nicht gezwungen werden
Wenn z.B. ein Selbstmordgefährdeter sich nicht helfen lassen will, versucht man ihn von seinem Vorhaben abzulenken, abzubringen, das Leben schmackhaft zu machen …, ergreift dann aber Zwangsmaßnahmen, d.h. Einweisung in die Psychiatrie, wenn Gefahr im Verzuge ist.
Mit anderen Worten: Wer sich nicht helfen lassen will, dem kann man auch durch Zureden nicht wirklich helfen außer durch Abwarten oder Zwangsmaßnahmen.
Wenn nicht lebensbedrohlich, wird man abwarten, ihn begleiten, an die Hand nehmen, vorsichtig raten, immer wieder Angebote machen, am besten Angebote zur Selbsthilfe.
Für mich heißt Leben: Sich verändern, sich entwickeln, an sich arbeiten (im positiven Sinne), wenn etwas im Argen liegt. Ist alles harmonisch oder aber in einem gerade noch erträglichen Zustand, kann man sich auch mal treiben und gehen lassen, solange man ausgeglichen ist und seine Umwelt nicht gefährdet.
Wenn die körperliche, geistige und seelische Kraft fehlt, z.B. bei Depressionen, ist selbständige Trauerarbeit kaum möglich. – Solange aber der Geist noch aktiv und wachsam ist, sollte der Betroffene sich in solchen Situationen professionelle Hilfe holen und annehmen, wenn er selber zur Trauerarbeit nicht in der Lage ist.
Oder aber er muss den Zeitpunkt abwarten, ab dem er verständiger und einsichtiger ist, bzw. wird. Das aber kann sehr schmerzhaft sein und, wie eine Userin an anderer Stelle schrieb, in entzündliche Prozesse, in Zynismus und/oder Menschenverachtung ausarten und darüber hinaus sogar tödlich sein.
Wie in der Kinderwelt gilt dann auch für uns Erwachsene: »Wer nicht hören will, muss fühlen«, aber nicht durch Schläge der Eltern, sondern durch die Schläge verpasster Gelegenheiten, ungenutzter Möglichkeiten oder wie Gorbatschow es ausdrückte:
»Wer zu spät kommt, den straft das Leben«.
"Loslassen" ist eines der schwierigsten und wichtigsten Überlebensübungen für uns heute. "Loslassen" kann einer der schmerzlichsten Vorgänge im menschlichen Leben sein und Trauerarbeit hilft dabei, loszulassen. Seinen Zorn und seine Wut los- und ziehen zu lassen, seine Seele wieder für Luft zum Atmen und Überleben zu öffnen, Schmerz zu lindern, das kann Trauerarbeit leisten.
Herzlich,
Stephan
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© 2009 Stephan Wolters, Autor von: ►»Gras in den Dünen«
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