"Unser Star für Oslo": Das Aus für Sharyhan
Ausgerechnet Sharyhan Osman, die mal wieder mit einem selbst geschriebenen Song überzeugte, musste am Ende die Show verlassen. Die Zuschauer wählten wie zu erwarten Lena Meyer-Landruth und Christian Durstewitz in die nächste Runde. Ebenfalls dabei: Kerstin Freking. Und auch Jennifer Braun schaffte es eine Runde weiter, obwohl sie an diesem Abend eigentlich die schwächste Performance ablieferte, mit ihrem Rocksound aber wohl nicht nur Bierzelte in Hessen (sie kommt aus Eltville), sondern auch die Zuschauer der ARD glücklich macht.
Nach fünf Ausgaben bei ProSieben ist "Unser Star für Oslo" nun also im Ersten angelangt. Moderator Stefan Raab konnte sich einige Seitenhiebe auf das aus seiner Sicht ältere ARD-Publikum nicht verkneifen, fand es aber immerhin mal "ganz spannend", eine Sendung ohne Werbeunterbrechungen zu gestalten. Er und die Moderatoren Matthias Opdenhövel und Sabine Heinrich waren bestens in Form und landeten den ein oder anderen flotten Spruch. "Der Schuldirektor von Jennifer wollte kommen, jetzt ist er nicht da, wahrscheinlich hat er Tafeldienst", erklärte etwa Opdenhövel während Raab nach einer Pfeifeinlage von Christian Durstewitz der Meinung war: "Deutschland hat nach Klaus Meine von den Scorpions endlich wieder jemanden, der pfeifen kann." "Und nach Ilse Werner", ergänze Opdenhövel.
Gesang wie immer erste Sahne
Gesanglich waren die Kandidaten, die diesmal jeweils zwei Song vortragen mussten, wie immer voll auf der Höhe. Sharyhan legte mit "You got the Love" etwas fetziger los als gewohnt, dafür versuchte es Jennifer mit "Soulmate" deutlich sanfter als sonst, womit sie aber einen echten Treffer landete. Kerstin Freking wiederum setzte ganz auf ihren skandinavisch anmutenden Charme und legte mit "If a song could get me you" einen tollen Auftritt hin. Auch Christian Durstewitz versuchte es in der ersten Runde noch balladig (Ochrasy) während Lena Meyer-Landruth bei "Mouthwash" wie immer ihren eigenen Stil präsentierte, mit dem sie bei Publikum und Jury so erfolgreich ist.
Die Jury war natürlich auch in dieser Ausgabe stets voll des Lobes, mit Anke Engelke und Adel von der Band "Ich und Ich" war sie durchaus hochkarätig besetzt. Vor allem Engelke bemühte sich redlich, auch das Haar in der Suppe zu finden, legte damit aber fast immer die selbe Platte auf, indem sie bei jedem Song Phasen identifizierte, wo Sänger oder Sängerin angeblich "ganz bei sich" oder "ganz bei dem Song" waren oder sich in bestimmten Phasen "wohlfühlten" oder eben nicht. Immerhin attestierte Engelke Jennifer Braun einen gelegentlichen Nervfaktor. Adel wiederum war der Ansicht, Braun singe alle Lieder "nah am Original" und mache aus den Songs nichts Eigenes. Wo er gerade war, als Jennifer in der vorigen Ausgabe "Ain`t Nobody" von Chaka Kahn ins Schreckliche verbogen hatte, blieb leider offen.
Zweite Runde ebenfalls gelungen
Auch in der zweiten Runde zeigten die Kandidaten, was sie können. Sharyhan trug ihre selbst geschriebene Ballade "Never felt the way I felt today" vor, die auch die Jury stark an einen Disneysong erinnerte. "Ich habe dabei auch zwei knutschende Delfine gesehen", kommentierte Opdenhövel süffisant. Jennifer Braun griff mit ihrem Song "Nobody's Wife" aber eher daneben - allein die Zuschauer sahen es beim Voting wohl anders. Kerstin Freking sang ("elfenhaft", wie die Jury kommentierte) "Somedays", Christian Durstewitz präsentierte eine Eigenkomposition mit dem Titel "Stalker" und Lena Meyer-Landruth versuchte es erfolgreich mit "Neopoliton Dreams".
Es wird wohl kein Weg an Lena oder Christian vorbei nach Oslo führen. Auch nach dieser Sendung sind die beiden die absoluten Favoriten. Ob sich dies für Deutschland beim Grand Prix auszahlen wird, steht auf einem anderen Blatt. Ob das europäische Publikum sich in drei Minuten von dem Charme Lenas und ihrer besonderen Art zu singen anstecken lässt, ist eher zweifelhaft. Und auch Christian ist nicht unbedinng der Typ, dem die Herzen aus Osteuropa zufliegen würden. International gesehen hätte vielleicht sogar Kerstin, die stark an die zweitplatzierte Isländerin Yohanna ("Is it true") vom vergangenen Jahr erinnert, die besten Chancen. Aber davon wird sich das Publikum in seinem Abstimmungsverhalten wohl kaum beeinflussen lassen.
And here the points from the evangelisch.de-Jury:
12 points: Kerstin Freking
10 points: Christian Durstewitz
8 points: Lena Meyer-Landruth
7 points: Sharyhan Osman
6 points: Jennifer Braun
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Kommentare
Ich find Christian und Lena
Ich find Christian und Lena hört und sieht man gerne zu. Die anderen sind zwar auch gut aber halt nicht ganz so unterhaltsam. Ob das bei Eurosong ankommt ist mir ehrlich gesagt Latte. Das ist für mich nicht der Maßstab … zumindest kein positiver.
Also Jennifers 'Ain't Nobody'
Also Jennifers 'Ain't Nobody' war großartig, von wegen ins "Schreckliche verbogen" - und auch wenn viele Kerstins Stimme engelsgleich finden, ich empfinde ihre Stimme als nervig, garnicht einem Engel gleich, vielmehr einer quietschenden Tür...