Die Rettung ist nah - also fort von hier, irgendwohin, wo sie mich nicht finden kann

„Alles ist gut, alles. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, wird glücklich sein, sofort, im selben Augenblick... So hoffnungslos einfach ist die Lösung.

Das sind die letzten Worte eines kleinen Buches, das schon viele Aufräumaktionen in meinem Regal überstanden hat. Sie stammen von Dostojewski, aber zitiert hat sie Paul Watzlawick, in seinem Bändchen „Anleitung zum Unglücklichsein“, erschienen 1983. Vordergründig das ultimative Vademecum für ambitionierte Miesepeter ist das Buch in Wahrheit eine humorige Abrechnung mit den Glücksratgebern – von denen hat es offenbar schon vor 30 Jahren viel zu viele gegeben.

Watzlawick, 1921 in Kärnten geboren, 2007 in Palo Alto/Kalifornien gestorben, war ein großer Kommunikationstheoretiker, vielsprachig, großherzig, neugierig. Und ein guter Stilist. In seiner dünnen „Anleitung“ dreht er alles, was seine Wissenschaft wusste, sehr unterhaltsam einmal herum – und dann steht es da ganz neu, so dass man auch noch mal neu drüber grübeln mag.

Wie bringt man sich richtig in Schwierigkeiten, wie ruiniert man professionell seine Beziehung, wie schafft man es zuverlässig, von allen verachtet zu werden? Solche Fragen erwägt und beantwortet Watzlawick mit einer Fülle an Beispielen –Witze, Anekdoten, Paradoxien – und auf der Grundlage seiner bekannten fünf Axiome der Kommunikation. (Kriegen Sie die noch zusammen? Erstens: Man kann nicht nicht kommunizieren. Zweitens: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und eine Beziehungsaspekt...)

Das ist jetzt alles naturgemäß nicht neu, und wer Watzlawick und seinen radikalen Konstruktivismus näher kennenlernen will, findet auch spannendere Bücher von ihm („wie wirklich ist die Wirklichkeit“), aber dieses ist schön dünn und so wunderbar amerikanisch-pragmatisch, und es ist so ein gutes Gefühl, es dann zur Seite zu legen mit dem Vorsatz, sich selbst jetzt mal für eine Weile, eine Woche oder, so, nicht mehr so wichtig zu nehmen. Man schläft besser dann, ehrlich!

Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein. Piper Verlag, 135 Seiten, 7,95 Euro.

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (2 Bewertungen)

Kommentare

Verfasst von Heiko am 27. Januar 2010 - 11:55.

Danke fürs Erinnern

Danke für den Anstoß. Dieses Buch, vor 16 Jahren gekauft und mit...

Danke für den Anstoß. Dieses Buch, vor 16 Jahren gekauft und mit Genuss gelesen, hatte seitdem einen Ehrenplatz im - nun ja, im Keller. Immerhin wusste ich genau, wo's lag. Heute früh entstaubt und beim Frühstück die ersten Seiten gelesen. Es ist nach wie vor köstlich! :-) 

Verfasst von HenrikSchmitz am 26. Januar 2010 - 12:14.

Die Sache mit dem Hammer

In der Tat ein wunderbares Buch. Ich liebe diese Stelle, wo jemand darüber...

In der Tat ein wunderbares Buch. Ich liebe diese Stelle, wo jemand darüber nachdenkt, ob ihm der Nachbar wohl einer Hammer leihen würde, zu dem Schluss kommt, dass der es vielleicht nicht tut und dann wutentbrannt beim Nachbarn klingelt und ihm nur entgegenschleudert: "Ich will Ihren Hammer gar nicht!"

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann an: "Behalten Sie Ihren Hammer".

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