Dialektische Bratwürstchen
Johann Peter Hebel hatte möglicherweise einen Hang zum Glückspiel. Jedenfalls hat er Spielbanken besucht, Karten gespielt, Geld gewonnen, welches verloren und dann wieder gute Trinkgelder gegeben. Und dann wieder für den Verstand plädiert. Und dann hat ihn doch das Glück fasziniert, sei es bei der Lotterie oder der guten Fee, der mit den drei Wünschen. Wer klug ist, der soll, wenn die gute Fee kommt, an dreierley denken. Er wünsche sich – so erklärt Hebel, nachdem er eine lustige Geschichte mit einer Bratwurst erzählt, die wunschgemäß und doch irgendwie aus Versehen an einer Nase festwuchs –
„Numero Eins: Verstand, dass du wissen mögest, was du
Numero Zwei wünschen solltest, um glücklich zu werden. Und weil es leicht möglich wäre, dass du alsdann etwas wähltest, was ein törichter Mensch nicht hoch anschlägt, so bitte noch
Numero Drei: um beständige Zufriedenheit und keine Reue.
Oder so: Alle Gelegenheit, glücklich zu werden, hilft nichts, wer den Verstand nicht hat, sie zu benutzen.“
Johann Peter Hebel wird in diesem Jahr seines 250. Geburtstags als alemannischer Dichter gefeiert, dabei ist er ein Klassiker der deutschen Sprache. Reduziert, wo es geht, ausufernd, wo es unterhält, witzig, präzise, weise. Kleine Anekdoten, Kalendergeschichten, Briefauszüge sind in diesem Bändchen gesammelt. Die Herausgeber Hansgeorg Schmidt-Berghaus und Franz Littmann freuen sich wie wir an der „Art und Weise, wie Hebel seine Leser zum autonomen Denken anregte. Sein Konzept des Dialogs mit dem Leser ist eine rhetorische Leistung, für die er nicht genug bewundert werden kann.“ Zu bewundern ist ferner die ethische Lebenshaltung, das dialektische Prinzip (das sich schon im Titel andeutet) und das kaleidoskopische Denken. Heißt: Das Personal ist ein wildes Durcheinander, es geht zu wie in einem Wirtshaus. Wunderbar.
Johann Peter Hebel: Glück und Verstand. Minutenlektüren. Hoffmann und Campe, 128 Seiten, zehn Euro.
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