Sie hatte eine Farm - und Sinn für gutes Essen
Von Henrik Schmitz - Sie hatte nicht nur eine Farm in Afrika, sondern offenbar auch Sinn für gutes, französisches Essen. Die Autorin Tania Blixen, die eigentlich Karen Blixen hieß, ist vor allem für ihren Roman "Jenseits von Afrika" bekannt.
Nun, eigentlich für den Film: Meryl Streep schmachtet vor großer Kulisse und herrlichen Sonnenuntergängen Robert Redford an, der damals so ungefähr das war, was heute Brad Pitt ist. Die Idylle wird höchstens noch durch brennende Plantagen und einen herrlichen fiesen Klaus-Maria Brandauer gestört. Der Film wurde mit dem Oscar ausgezeichnet und löste auf dem "schwarzen Kontinent" einen Tourismusboom aus. Soviel an dieser Stelle zum Thema Verklärung.
Kommen wir zu den erfreulichen Dingen im Leben: essen (neben schlafen eigentlich mein liebstes Hobby)! Vor einigen Wochen erhielt ich von meinen Freunden die Einladung zu "Babettes Fest". So lautet der Titel einer Novelle Blixens, die ein wunderbares dünnes Buch ist. Wie nicht anders zu erwarten erhielt übrigens auch die Verfilmung dieses Werkes einen Oscar.
Babette ist Französin und landet auf der Flucht vor Unruhen in ihrem Land Ende des 19. Jahrhunderts bei den Schwestern Martine und Philippa, die man getrost als alte Jungfern bezeichnen kann. In frühen Jahren waren die beiden an Schönheit unübertroffen und hätten wohl auch leicht heiraten können, nur sind die zwei Töchter eines Pfarrers, der in einem dänischen Fischerdorf so eine Art pietsitische Sekte gegründet hat. Irgendwelche Sentimentalitäten waren Martina und Philippa selbstverständlich untersagt. Und entsprechend freudlos geht es eigentlich im ganzen Dorf zu, was Blixen aber mit ungeheurer Komik beschreibt. Als Babette zum Beispiel erwähnt, sie habe bei einem französischen Geistlichen gearbeitet, einem "Heiligen durch und durch", heißt es in der Novelle: "Die Schwestern beschlossen daraufhin, den französischen Gottesmann an Askese zu übertreffen."
Lotto-Gewinn
Das gelingt bis zu dem Tag, an dem Babette in der Lotterie 10.000 Franc gewinnt. Sie überredet die Schwestern, ein kleines Festessen zu veranstalten und fährt auf, was die Haute Cuisine hergibt. Unter anderem kredenzt sie Schildkrötensuppe und "Cailles en Sarcophage", wobei es sich hier nicht um frittierte Pharaonen sondern um Wachteln mit Rotkohl handelt - Novelle und Film gehen was die Menüfolge angeht allerdings ein wenig außeinander. Und natürlich gibt es reichtlich zu trinken, was die anwesenden Pietisten naturgemäß ein wenig überfordert: "Dieses Mal wußten die Brüder und Schwestern, dass es sich bei dem Getränk nicht um Wein handeln könnte, denn es sprühte. Es muss eine Art Limonade sein, die aufs beste zu ihrem angeregten Geisteszustand passte und sie gleichsam von der Erde emporhob in höhere, reinere Regionen."
Babettes Fest nachzufeiern macht übrigens mindestens so viel Spaß, wie die Lektüre der Novelle. Obwohl eine Freundin neuerdings stolze Besitzerin einer Schildkröte ist, wurde allerdings darauf verzichtet, diese gleich mal zu verköstigen. Stattdessen wurde "falsche Schildkrötensuppe" (Mock-Turtle-Soup) auf Basis von Pilzen gereicht, die aber ebenfalls recht schmackhaft war. Außerdem gab es Blinis mit Lachs und Kaviar, besagte Wachteln mit Trüffel, einige Zwischengänge und am Ende eine in Rum getränkte Torte, die allerspätestens dafür sorgte, dass man in Regionen stieg, die nicht unbedingt höher oder reiner, aber doch irgendwie beschwingt waren. Besonders viel Spaß macht so ein Abend, wenn dazu einige Stellen aus dem Buch rezitiert werden. Gemeinsam sprachen wir das Tischgebet und ein Gast übernahm es, die "Rede des Generals Löwenhjelms" vorzutragen, die in der Novelle ebenfalls wunderbar beschrieben ist. Es war ein zauberhafter Abend auf Basis eines zauberhaften dünnen Buches.
Tania Blixen: "Babettes Fest", Manesse (Neuauflage) 2003, 88 Seiten, 9,90 Euro
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Kommentare
RE: Sie hatte eine Farm - und Sinn für gutes Essen
Jenseits von Afrika ist - gelesen von Rosemarie Fendel - auch ein tolles Hörbuch. Diese Stimme passt einfach genial zum Text!!!
RE: Sie hatte eine Farm - und Sinn für gutes Essen
Super Idee, Babettes Fest nachzufeiern. Das war bestimmt ein netter Abend...
RE: RE: Sie hatte eine Farm - und Sinn für gutes Essen
Ein außergewöhnlich netter Abend sogar!