Sex and the City 2 - Ein Erlebnisbericht

Carrie ist für mich eher eine Sofa-Bekanntschaft aus Zeiten, als ich mein Wohnzimmer und meinen Fernseher noch nicht mit meinem Mann teilte. Trotzdem habe mich gestern Abend auf eine phantastische Reise von meinem Sofa nach New York und in die Wüste von Abu Dhabi gewagt. Und zwar im Kino, um mir den zweiten Kinofilm von Sex and the City anzusehen, doch immerhin umringt von einer schützenden Truppe Mädels.

Wir hatten gemeinsam, daß wir alle mehr oder weniger Carrie-fest sind, also über ein solides Carrie-Grundwissen verfügen und den ersten Kinofilm in Hinterkopf hatten. Das war's dann aber auch schon, denn unterschiedlicher hätte unsere Gruppe, bestehend aus sieben Freundinnen und Kolleginnen, nicht sein können. Um uns etwas Gemeinsamkeit und Mut anzutrinken, schlürften wir vorher ein paar Cocktails, besserten unser Makeup auf und gingen vor Filmbeginn noch mal alle in Zweiergrüppchen auf die Toilette.

Soweit das Klischee, was konnte mich also noch erwarten? Eine ausgelatsche Fernsehserie? Ein konsumverherrlichernder Shoppingtrip? Ein humorloser Abklatsch vom ersten Kinofilm? Mit Salat runtergehungerte botoxgespritzte Karriereweiber und Supermütter? Eine schablonenhafte Darstellung der arabischen Welt?  Ich war auf alles gefasst, doch nichts davon flimmerte dann über die Kinoleinwand - und doch ein wenig von allem.

Amüsanter Abend mit Pluderhosen

Um es festzuhalten: Ich habe mich amüsiert! Ich sah einen unterhaltsamen Film, der mich lachen und die Haare raufen ließ. Ein zugegeben nicht besonders selbstironisches Kinoerlebnis, doch das Umfeld von schnatternden Mädelstruppen an der Kinokasse, Gesprächsfetzen, die sich um die rosa Sex-and-the-City-Schuhe bei Görtz drehen und quiekende Studentinnen in der Reihe hinter mir, die das Hotel in Abu Dhabi von ihrer ersten(!) Reise wiedererkennen, runden das Elebnis ab. Ich denke an meine erste Studentenreise mit meinem jetzigen Mann in das schmuddelige Hotelzimmer in Paris. Der sitzt jetzt im Kinosaal nebenan und sieht sich Holzblock Crowe als Held in Strumpfhosen mit seinem Chef zusammen an. Dann schon lieber ein Wiedersehen mit vier Serien-Freundinnen zu einem Abenteur in den Dünen, in schicken Wohnungen und auf Schwulen-Hochzeiten mit echten(!) Schwänen und in überdimensionierten Kleiderschränken.

Ist doch großartig, wenn Frauen um die 45 in Pluderhosen auf Kamelen reisen und runterfallen, weil der bessere Handyempfang jenseits der Kamelhöcker liegt. Oder wenn sich die Mütter Miranda und Charlotte durch beherzte Schlucke aus ihren Cocktailschalen ihre Rabenmutter-Eigenschaften hervorlocken. Oder Samantha, zurück im Land der Feiheit und Freizügigkeit, endlich ihren ersehnten Orgasmus zu Feuerwerk auf der Kühlerhaube eines Landrovers am Strand erlebt. Und die Heldin der Serie ? Carrie küßt fremd und der der gesamte Saal stöht entsetzt auf! Der vollbesetze Kinosaal lebt mit, lacht, kreischt, quiekt und klatscht beim Abspann begeistert Applaus. Wo erlebt man denn sowas mal im Kino? Das gibt's doch nur in Amerika.

Anika Kempf ist Fotoredakteurin bei evangelisch.de

 

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