Fast fertig gefastet
Fast Food ist überall. Neulich war ich in einem großen Einkaufszentrum, und weil ich Fast-Food-Restaurants in der Fastenzeit meide, sind sie mir natürlich aufgefallen. Das goldene M, der Burgerbrater, der Fischfrittierer - sie alle ziehen nicht enden wollende Schlangen von Menschen an. Warum nur? Fast-Food-Sucht mag ein Grund sein, aber ich glaube, es ist vielmehr die Bequemlichkeit.
Die Fastenzeit soll ja auch dazu anregen, über sich selbst und sein eigenes Handeln zu reflektieren. Für Fast Food ist mir das sehr gut gelungen: Ich hab's über. Es will mir nicht mehr schmecken, schon beim Gedanken daran zeigt mir mein Hirn selbstgekochte Nudelsoßen, handgemachte Salate und selbst zusammengestellte Pfannengerichte. Nur weiß ich dann auch: Dafür muss ich eine Stunde einplanen, ich muss mir die Zeit dafür nehmen. Das ist bei Fast Food einfach anders. Kurz anstehen, zahlen, und schon bekommt man die gleiche pappige Kalorienbombe in die Hand gedrückt wie jeder andere auch.
Immerhin: Die meisten Fast-Food-Ketten bieten auch Joghurt und Salat an. Dazu dann ein Wasser statt des üblichen Softdrinks und schon ist man der Außenseiter im Schnellrestaurant. Das ist manchmal echt hart. Vor zwei Tagen rief mich ein Freund von mir an, er wolle ins Kino gehen, ob ich nicht Lust hätte, mitzukommen. Klar, sage ich, warum auch nicht. Der Haken an der Sache: Wir kamen beide direkt von der Arbeit, ohne die Chance eines vernünftigen Abendbrots. Die offensichtliche Lösung: KFC. Ich gebe zu: ich habe auch gegessen, wenngleich mit einem etwas schlechten Gewissen. Aber was sollte ich tun? Ich hatte Hunger und wollte nicht noch zwei Stunden mit knurrendem Magen im Kino sitzen und dann noch eine halbe Stunde nach Hause fahren, um da dann aus den spärlichen Vorräten ein Nudelgericht zu zaubern.
Den Kinobesuch zugunsten eines selbstgekochten Essens abzusagen war aber auch keine Option - sozialer Druck lässt grüßen. In einer Zeit, in der Verabredungen spontan getroffen werden, in der sich Pläne für den Abend an einem Nachmittag dreimal ändern können, habe ich verlernt, Essen vorzuplanen. Es ist schließlich immer und überall Nahrung verfügbar, egal wo man ist auf der Welt. (Und dazu gibt's meistens Cola.)
Zwei Dinge hat mir die Fastenzeit mitgegeben: Ein Bewusstsein dafür, wie allgegenwärtig industriell hergestelltes Essen in unserer Welt geworden ist. Und das Wissen, dass ich deutlich mehr tun muss, um diesem Essen auch in Zukunft so viel wie möglich aus dem Weg zu gehen. Denn ich merke, es tut mir gut. Meine Fastenzeit geht also weiter. Das heißt nicht, dass ich nicht doch ab und zu zur Fertigpizza greifen werde. "Guilty pleasure" nennen das die Amerikaner - etwas, an dem man sich freut, obwohl man weiß, dass man es nicht tun sollte. Trotzdem werde ich auch weiterhin ein kritisches Auge darauf werfen, was ich esse. Ich kann das nur weiterempfehlen.
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Bibelclip: Es ist gut zu fasten!

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