In Hamburg im Grünen
Dass Hamburg einiges zu bieten hat, das wusste ich schon vor meiner Reise in den Norden. Dass es so grün sein kann, das wusste ich noch nicht. Ich rede hier nicht etwa von Bäumen oder Wiesen, sondern von dem ziemlich komplett grün angemalten Studio, in dem wir am Dienstag unseren zweiten Werbespot gedreht haben. Anders als bei unserem letzten Werbespot, der ja in freier Natur spielte, wird diesmal der Hintergrund animiert.
Der Grund dafür war zum Einen das unbeständige Wetter, das einem schnell einen Strich durch einen geplanten Drehtermin machen kann. Zum Anderen gibt es in Deutschland zu wenige Wüsten, und auch die Hamburger Dünen sehen selbst im Film eher nach Hamburger Dünen als nach Wüste aus. Ohne nun wieder zu viel vorweg nehmen zu wollen, braucht man in der Wüste bei einem Werbespot von evangelisch.de natürlich eine biblische Gestalt, in unserem Falle Mose, der von niemand geringerem als Rolf Becker gespielt wird.
Die Dreharbeiten begannen also mit ihm, inmitten von unglaublich vielen und riesengroßen Scheinwerfern und allerlei sonstiger Technik.
Schon gleich am Anfang war klar, dass das Ausschließen eines Problems ein anderes Problem heraufbeschwört. So war es für den Ton fast unmöglich, im Studio eine gute Aufnahme von Rolf Becker zu bekommen.
Da dieser allerdings schon am nächsten Tage zu Dreharbeiten in die USA fliegen wollte, musste man sich etwas einfallen lassen. Ich präsentiere: die mobile Tonkabine.
Sonst wird dieses unglaublich schöne Vehikel von Produktionsleiterin Susanne gefahren und steht nicht immer in Studios herum.
Derweil wurden unsere Komparsen schon mal in das Volk Israels verwandelt und stellten sich seelisch und moralisch auf die Dreharbeiten ein.
Das Volk sollte sich später freuen, traurig sein und sich beschweren, und manchmal waren alle so in der Rolle, dass sie noch nicht mal hörten, wenn der Regisseur das Signal zum Aufhören gab. Das sah dann so aus.
Da, wie man unschwer erkennen kann, das Volk eigentlich nur aus ungefähr zehn Menschen bestand, musste natürlich wieder ein bisschen getrickst werden, damit man am Ende auch wirklich glaubt, da würde eine große Menschenansammlung stehen, das Volk Israels eben. Darum bekamen alle Schauspieler verschiedene Arten von Kopfbedeckungen, Bänder wurden anders verteilt, und es musste der Eine mit dem Andern schon mal seinen Überwurf tauschen.
Auch mussten sich die Schauspieler mal im Pulk aufstellen oder ein andermal nur zu dritt auf dem Boden sitzen.
Das alles war schon recht kompliziert, und man musste sich natürlich auch merken, ob nun bei der letzten gedrehten Szene die Frau mit dem blauen Gewand ganz vorne stand oder ob es doch eher der Herr mit dem braunen Turban war. Nicht immer ganz einfach, doch ich bin mich sicher, dass das Ergebnis grandios wird.
Konnte ich doch beim letzten Werbespotdreh schon gut erahnen, was am Ende im Fernsehen zu sehen sein würde, bin ich diesmal so richtig gespannt, denn wie die Fotos zeigen, war es wirklich sehr grün, doch von Wüste keine Spur. Also bleibt mir nur das Warten, aber ich bin mir sicher, dass sich auch hier mal wieder das Warten lohnt.
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