LAN-Party im Bundestag: Kanzlerin siegt mit zwei Headshots
Ok, ich gebe zu: Die Überschrift ist geklaut, nämlich aus einem Interview mit Peter Schleußer auf eurogamer.de. Wem der Name nichts sagt – macht nichts, denn Peter Schleußer ist eigentlich nur im Internet berühmt. Denn er ist der Initiator der Online-Petition gegen ein Verbot von Action-Computerspielen beim Deutschen Bundestag, die morgen endet.
Bisher, also am Vorabend der Zeichnungsfrist, haben 72.669 Menschen die Petition unterzeichnet – übrigens doppelt so viele wie Liechtenstein Einwohner hat. Das Ziel der Petition ist, zu verhindern, dass der Bundestag der Empfehlung der gesammelten Innenminister folgt und in Deutschland sowohl das Herstellen als auch das Spielen von Action-Computerspielen einfach mal verbietet.
Mal ganz abgesehen davon, dass im Grundgesetz ziemlich unmissverständlich steht: "Eine Zensur findet nicht statt", und dass Deutschland in der Welt zusammen mit Australien die strengsten Jugendschutzbestimmungen im Bereich Videospiele hat: Morgen eröffnet in Deutschland die größte europäische Messe für Videospiele, die Gamescom in Köln (der Nachfolger der Leipziger Games Convention).
Während also auf der einen Seite die Politiker des Landes verhindern wollen, dass e-Sportler und Freizeitzocker ihrem Hobby nachgehen können, treffen sich in Köln hunderttausende Hardcore-Zocker, Gelegenheits-Spieler, Journalisten, Spiele-Macher und so weiter, um eine der wachstumsgeladensten Branchen weltweit zu feiern. Mit Sicherheit ist auch der ein oder andere Politiker da und freut sich darüber, dass Deutschland mit seiner starken PC-Spieler-Gemeinde, mit Spieleschmieden wie Crytek und Deck 13 und auch als Heimat des Erfinders der ersten Spiele-Konsole Magnavox Odyssey, Ralph Baer, eine wichtige Rolle spielt.
Irgendwie passt das nicht zusammen. Natürlich ist bei weitem nicht jedes Spiel von dem potentiellen Verbot betroffen, es sind eher wenige. Trotzdem wird es für den Standort Deutschland nicht besonders förderlich sein, wenn große Firmen wie Sony, Ubisoft oder Electronic Arts ihre neuen Bestseller auf der Gamescom nicht zeigen dürften – "Killerspiel-Verbot halt", müsste man ihnen dann schulterzuckend entgegnen.
Hoffentlich kommt es nicht so weit. Die Politiker, die jetzt ein Verbot fordern, sollten selbst mal zu Maus oder Controller greifen oder wenigstens ihren Kindern über die Schulter gucken und versuchen, zu verstehen, was beim Spielen passiert.
Leider ist ein Verbot aber viel einfacher als eine differenzierte Betrachtung. Sich selbst auseinandersetzen, viele Meinungen einholen, die Erfahrungen selbst machen – das ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was Luther von der Christenheit gefordert hat. Es wäre schön, wenn unsere Innenpolitiker in diesem Sinne handeln würden statt reflexartig die Verbotskeule zu schwingen, weil es sich gut in den Schlagzeilen macht.
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Kommentare
RE: LAN-Party im Bundestag: Kanzlerin siegt mit zwei Headshots
Bin erfreut eine so vernünftige Position von der Kirche wahrnehmen zu dürfen.