Jedes Schwein bekommt die Grippe

Am Wochenende verkündete das Robert-Koch-Institut (RKI): "Die Pandemie ist in Deutschland angekommen". Endgültig. Mehrere hundert Neuansteckungen werden täglich gemeldet. Glücklicherweise verlaufen die bisherigen Erkrankungen eher mild. Doch die Dunkelziffer der tatsächlichen Fälle ist wahrscheinlich 10 Mal höher, weil viele Menschen gar nicht merken, dass sie bereits infiziert und hochansteckend sind. Und mit der weiteren Ausbreitung der Schweinegrippe muss auch mit gravierenden Verläufen der Krankheit gerechnet werden.
Tja, das klingt in meinen Ohren nicht unbedingt beunruhigend, aber auch nicht gerade schön. Was kann ich nun tun? Über die Internetseite des RKI gelange ich auf www.wir-gegen-viren.de, wo das RKI eine Reihe von Hygienetipps auflistet, die für die eigene Gesundheitsvorsorge als sinnvoll betrachtet werden. Ein Videoclip zeigt, wie die Übertragung vor allem über die Hände abläuft.
Nun bin ich Redakteur, der an der Planung des neuen Portals evangelisch.de beteiligt ist. Ich eile zu vielen Meetings und lerne dort viele neue Menschen kennen.
Und ich muss zur Begrüßung viele Hände schütteln. Das macht man in Deutschland so. Aber nun ist das zwangsläufig wegen der Pandemie eine extrem ungünstige Geste. Kann ich ab sofort jedem, der mir die Hand entgegenstreckt, ein dezentes "Besser nicht, Schweinegrippe." zuflüstern und mich dabei wie die Japaner verbeugen? Wahrscheinlich würde mein Gegenüber denken, ich wäre selbst die Virenschleuder und er oder sie sucht verschreckt das Weite.
Absolute Übertragungsspezialisten dürften ja die Franzosen sein: Küsschen links, Küsschen rechts. O lala.
Würden wir in einem kommunistischen System alter Prägung leben, müssten wir eventuell den Bruderkuss anwenden. Au Backe.
In Thailand legt man die Handinnenflächen aneinander und hebt diese mit einer leichten Kopfverbeugung in unterschiedlicher Höhe vor die Brust oder das Gesicht - je nach sozialem Status des zu Begrüßenden. Klingt gut, aber wir sind keine Buddhisten sondern evangelisch. Wir könnten aber dafür vielleicht unsere Hände wie beim Gebet falten. Das hätte doch was.
Coole Jugendliche und Freunde könnten sich lieber wie Basketballer begrüßen: Die machen eine Faust und berühren sich dann nur mit den Knöcheln.
Alles soll mir recht sein, nur das Händeschütteln wäre ich gerne los. Am besten für immer. Dann sind wir bei den nächsten Pandemien gleich geschützter. Und wegen der ekelhaften über 50 Prozent Männer, die sich nach dem Pinkeln nicht die Hände waschen.
Ich jedenfalls trage ab heute auch vorsorglich mal lieber eine Atemschutzmaske, fühle mich dabei ein bisschen wie Michael Jackson und gehe auch gleich Hände waschen.
Hello, I love you.

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Kommentare

Verfasst von Pit am 31. Juli 2009 - 1:09.

Schweinegrippenalarm

Leider ohne Untertitel http://www.youtube.com/watch?v=68O1QAICn9U
Verfasst von Kateryna am 3. August 2009 - 16:16.

Der Artikel gefällt mir. Cool

Der Artikel gefällt mir. Cool geschrieben, finde ich. Wobei solche...

Der Artikel gefällt mir. Cool geschrieben, finde ich. Wobei solche Vorsichtsmaßnahmen werde ich nicht unbedingt ausüben. ;)

Verfasst von trixi am 5. August 2009 - 12:42.

Schweinegrippe

Danke Andreas, Du hast die Sache auf den Punkt gebracht. Ich habe mich ...

Danke Andreas, Du hast die Sache auf den Punkt gebracht. Ich habe mich auch schon dabei ertappt, dass ich mir die Hand verschämt an der Hose abputze um selbige von Viren zu reinigen, nach dem sie herzlich geschüttelt worden ist.

Also zwinkern wir uns doch alle künftig freundlich zu!

Trixi

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