Alles Schwindel, oder was?

Von Dr. Petra Thorbrietz - Wer Fertigprodukte kauft, muss den Versprechungen der Hersteller glauben, denn welche Rohstoffe für das Lebensmittel verwendet wurden, ist im Endstadium kaum mehr zu erkennen. Doch das Vertrauen wird oft enttäuscht, zeigt eine aktuelle Untersuchung der Verbraucherschutzzentrale Hamburg: In vielen Lebensmittel verstecken sich statt den beworbenen wertvollen Rohstoffen billige Ersatzstoffe.

Pflanzenfett statt Kuhmilch, texturiertes (in Form gebrachtes) Eiweiß statt Fisch, Geschmacksverstärker statt Meerrettich – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. „und das nicht nur bei den Billigmarken, sondern auch bei teuren Markenartikeln", sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale. Die Tester fanden Schokoladenkekse ohne Schokolade und Vollkornbrot, das durch Weizenmehl gestreckt und dunkel eingefärbt wurde, obwohl sogar noch ein goldenes „DLG-prämiert“ darauf prangt. Pflanzenfette ersetzen als sogenannte „Analog-Käse“ immer öfters Milchprodukte, und Fleischreste gelangen als „Formschinken“, „Hähnchen-Schnitten“ oder „Surimi-Shrimps“ in den Handel.

Die Praktiken der Lebensmittelindustrie sind zwar häufig trügerisch, aber nur selten ein echter Etikettenschwindel, denn wer die Herstellerangaben genau liest, kann daraus entnehmen, dass zum Beispiel ein Pesto nur zu zwei Prozent aus Olivenöl stammt, der Rest aus Sonnenblumenöl. Doch die Deklaration von Lebensmitteln dient mehr der Verschleierung als der Aufklärung - um die Angaben richtig zu deuten, muss man sich im Lebensmittelrecht auskennen, vor Chemie keine Angst haben und nicht zuletzt Kleingedrucktes lesen können.

Der sicherste Weg, solchen Betrügereien zu entgehen, ist, Fertigprodukte gar nicht erst zu kaufen. Um solche Produkte haltbar zu machen, durchlaufen die Rohstoffe viele industrielle Fertigungsschritte: Bei einer Tiefkühlpizza zum Beispiel muss die Stärke des Mehls chemisch verändert werden, um sie zum Beispiel den Wechsel von minus 18 auf plus 150 Grad überstehen zu lassen. Die hitzeempfindlichen Vitamine in Obst und Gemüse werden bei deren Verarbeitung in der Regel zerstört und hinterher, meist aus synthetischer Herstellung, neu hinzugefügt. Empfindliche Aromen werden nach der Extraktion mit Zellulosehäuten überzogen, die später wieder ausgewaschen werden. Doch meistens werden fremde Aromen zugesetzt – das ist billiger, als die eigenen zu erhalten. Das Adjektiv „natürlich“ bedeutet dabei nur, dass die Substanzen nicht künstlich synthetisiert wurden: „natürliches Erdbeeraroma“.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat am Mittwoch in Berlin angekündigt, härter gegen die Lebensmittelschummelei vorgehen zu wollen. Bisher hat die Politik sich meist der Lobby der Industrie bebeugt: Das Verbraucherinformationsgesetz ist selbst Etikettenschwindel, so Thilo Bode von der Verbraucherorganisation Foodwatch in Berlin. Auskünfte würden in den meisten Fällen nicht erteilt, Fristen nicht eingehalten und zum Teil abschreckend hohe Gebühren verlangt (siehe die Protest-Aktion „Die Essensretter“).

Wenn die Verbrauchertäuschung nicht streng geahndet wird, fürchten die Verbraucherzentralen, wird der Preisdruck auf dem Lebensmittelmarkt sich noch mehr als bisher auf die Qualität der Produkte auswirken. Dafür spricht auch der Trend, den das Bayerische Landesamt für Gesundheit ermittelt hat, das seit 15 Jahren den durchschnittlichen Fleischgehalt in Wurst ermittelt: Von rund 82 Prozent sank er in den vergangenen Jahren auf unter 50 Prozent.
 

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Kommentare

Verfasst von Tom am 13. Juli 2009 - 23:49.

Lebensmittel

Was kann man heutzutage noch essen? Ja selbst Gemüse ist fast frei von...

Was kann man heutzutage noch essen? Ja selbst Gemüse ist fast frei von Vitaminen wenn es im Supermarkt gelagert wurde. Also am besten selber was anpflanzen und hoffen dass der Boden noch ein paar Mineralien in sich hat. http://www.center33.de/

Verfasst von Tom Noeding am 14. Juli 2009 - 10:16.

Schwarze Schafe sichtbar machen

Ich denke, man sollte jetzt nicht gleich in Panik oder gar in andere Extreme...

Ich denke, man sollte jetzt nicht gleich in Panik oder gar in andere Extreme verfallen. Die Liste der Verbraucherzentrale Hamburg "Lebensmittelimitate im Supermarkt: Mehr Schein als Sein" (PDF-Download) ist ein guter Leitfaden und wird hoffentlich stetig - und vielleicht ja bald sogar in Form einer komfortablen Datenbanklösung - weiteraktualisiert.

Verfasst von Eugen Roth am 14. Juli 2009 - 18:52.

Alles Schwindel oder was?

Die Industrie versucht über den Preis ihre Lebensmittel mit schönen...

Die Industrie versucht über den Preis ihre Lebensmittel mit schönen Versprechungen und Bildern zu verkaufen. Letztentlich muß der Kunde entscheiden: Ökoladen oder Billigfood ! Die Wertigkeit ist dabei entscheident. Essen wir was billig ist und mit Zusatzstoffen gestreckt ist, oder teure Produkte die nach alt bewährter Technik/Tradition hergestellt wurden. Im Einzelhandel wird immer alles über den Preis gergelt! Die Ökolandwirtschaft boomt, weil nur die Bauern garantieren können, wie Lebensmittel auch ohne Pestizide hergestellt werden können. Der weg zum Ökuladen ist da noch nachvollziebar. Wichtig dabei ist natürlich, wo Öko draufsteht muß auch Öko drin sein. Wenn man bei einem Metzger einkauft, dann wird auch Qualität angeboten. Im Supermarkt kann man bezweifel, das in Plastikfolie und Haltbakeitsdatum alles mit rechten Dingen zugeht. Auch dort wird alles über den Preis gemacht, egal wo etwas herkommt. Also denkt daran: "Der Kunde entscheidet dabei immer!"

Verfasst von Pit am 17. Juli 2009 - 10:13.

Geld wird fälschungssicher gemacht - Lebensmittel nicht!

Wer Lebensmittel nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte...

Wer Lebensmittel nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte Lebensmittel sich verschafft und in Verkehr bringt sollte mit Ächtung durch den Verbraucher nicht unter zwei Jahren bestraft werden http://tr.im/sKY5 .

Verfasst von Replica Louboutin am 24. Juli 2009 - 8:40.

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Wenn die Verbrauchertäuschung nicht streng geahndet wird, fürchten die Verbraucherzentralen, wird der Preisdruck auf dem Lebensmittelmarkt sich noch mehr als bisher auf die Qualität der Produkte auswirken. Dafür spricht auch der Tren gucci mens shoes

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