CSI-Glamour auf der Tour de France
Von Dr. Petra Thorbrietz - Drei Wochen lang in die Pedale treten, 3.500 Kilometer weit, sieben Bergetappen hoch – die Tour de France ist das schwerste Radrennen der Welt und eine einzige Show der Sensationen. Wer wird als erster stürzen, wer schlappmachen? Wird Lance Armstrong erneut einen Sieg davontragen, zum achten Mal? Und – hat er gedopt oder besitzt er wirklich diese übermenschlichen Kräfte, die ihn bereits zur Legende gemacht haben?
Der Radsport ist längst kein Sport mehr, sondern eine kommerzielle Road-Show der Superlative, bei der Fans wie Funktionäre in Kauf nehmen, dass sich die Jungs auf dem Weg nach oben ruinieren, die Medien immer dicht auf den Fersen und die Objektive auf den gequälten Gesichtern. Die ARD ist nun doch dabei, nachdem sie eigentlich hatte aussteigen wollen aus dem Zirkus – doch es scheint unmöglich, sich den medienwirksamen Superlativen zu entziehen (für Radsportfans und Dopinggegner: www.cycling4fans.de/index.php?id=4593).
Die Beteuerungen der Verbände, diesmal die effizientesten Drogenkontrollen in der Geschichte des Radsports durchzuführen, soll die Tour de France wieder zur ehrlichen Sportveranstaltung machen. Doch die detaillierten Berichte über Hämokrit, Retikulozyten & Co. und wie die diversen Blutbestandteile noch heißen mögen, verleihen dem Ganzen nur noch CSI-Glamour, so nach dem Motto: Wer kann Biomedizin besser – die Täter oder die Fahnder? Hochleistungssport ist längst ein Wettlauf der Wissenschaft: Wie die Generation modernster medizinischer Medikamente auch, nutzen Doping-Substanzen körpereigene Botenstoffkreisläufe, die an den verschiedensten Stellen manipuliert werden können, was deshalb schwer nachweisbar ist. Nur die Abbauprodukte der Manipulation werden gemessen, die Beweisführung wird damit unsicher und anfällig gegen Klagen, wie von der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, die vor kurzem das erste „Opfer“ der neuen Doping-Diagnostik wurde.
Aus der Medizin kommen zum Beispiel Antikörpertherapien (zur Behandlung chronischen Muskelschwunds), welche die Muskeln wachsen lassen. Die Japaner arbeiten an einem Verfahren, die Genexpression – das An- und Abschalten einzelner Erbeigenschaften – über Proteine zu beeinflussen. Damit könnte bald die Produktion körpereigenen EPOs angekurbelt werden, ohne verdächtige Einstichlöcher. Eine riskante Versuchung: Nicht nur hat das Verfahren dieselben Risiken wie die verbotenen Spritzen, zum Beispiel Thrombosen. Auch weiß bisher kein Mensch, was solche chemischen „Schlüssel“ im weiteren Erbgut anrichten.
Doping ist ein hässliches Wort – „Enhancement“ klingt viel netter, das „Verbessern“ menschlicher Leistungen mit Hilfe der Wissenschaft. Wer würde nicht gerne schärfer sehen, sich besser konzentrieren oder – schneller Rad fahren? Einer von fünf Deutschen, so der jüngste DAK-Gesundheitsreport, kennt jemand, der Psychostimulanzien ohne Notwendigkeit einnimmt. Fünf Prozent der Erwerbstätigen versuchen, ihre Leistung im Job damit zu verbessern. 20 Prozent meinen, dass das Risiko kleiner sei als der Nutzen…
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Kommentare
Doping im Sport
Was das Doping im Sport angeht, gibt es doch ein so einfaches Mittel.
Einfach den "Athleten" den Beifall verweigern, ihnen keine Aufmerksamkeit schenken. Die Flimmerkiste ausschalten (oder garnicht erst einschalten).
Statt dessen die Zeit sinnvoll nutzen: z. B. sich aufs Rad schwingen und ins Grüne fahren...
;-)
Und ganz nebenbei (nicht weitersagen!): Radeln gibt Schwung für den Job!
Was?
Danke für den Kommentar, aber was will uns die Kommentatorin damit sagen. Alles auflisten, was medizinsch möglich ist und was noch geplant ist, das ist doch keine Kommentar. Wo bleibt die Reflexion, wo die kritsche Anfrage, wo die Auseinandersetzung mit der Sehnsucht nach Erfolg, Mehr, Höher, Weiter, Leistung? Ist das evangelisch.de? Solche Texte gab es auch bei zoomer zu lesen und was aus dem Portal geworden ist kann man ja selber nachprüfen.