Trauernde Fans des King of Pop suchen Trost bei der Telefonseelsorge
Von Dorothee Kolnsberg, epd - «Ruhe in Frieden, Michael» und «Michael Jackson wird immer in unseren Herzen bleiben», schreiben Fans in Internet-Einträgen. Viele Menschen trauern um den fanatisch verehrten «King of Pop». Im Netz gibt es aktuelle Infos zur Trauerfeier und auch ein Sonderforum für diejenigen, die in Deutschland ihr Idol beweinen. «Wichtig ist, dass Ihr mit Euer Trauer nicht allein seid», heißt es da. Als Gesprächspartner wird ihnen die Telefonseelsorge empfohlen.
Unmittelbar nachdem der Tod Michael Jacksons bekannt wurde, riefen allein bei der evangelischen Telefonseelsorge in Berlin rund 20 trauernde Menschen an. Der Mega-Star biete viele Themen, mit denen sich die Menschen identifizierten, sagt Psychologin Sonia Müseler. Zum Beispiel die Sehnsucht nach Liebe oder die Probleme mit seiner Kindheit. «Manche fühlen sich sogar getröstet, weil sie jetzt hören, was für ein einsamer Mensch er war, obwohl man dachte, er sei der Größte», sagt Müseler.
Bei anderen Anrufern nehme die Trauer um den Star so viel Raum ein wie bei einem nahen Angehörigen. Die Ehrenamtlichen am Telefon reagieren darauf wie bei anderen Todesfällen auch. «Es ist nicht unsere Aufgabe, die Ernsthaftigkeit der Trauer infrage zu stellen», sagt Müseler, «sondern zu fragen, was dann tröstet.»
Den Anrufer mit seiner Trauer ernst zu nehmen, empfiehlt auch die Psychologin Nera Vukovic-Bringezu von der Psychologischen Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche der Caritas in Heidelberg. Sie hält zudem für wichtig, darüber nachzudenken, warum Michael Jackson so früh und so plötzlich gestorben ist. «Seinen Lebenswandel zu betrachten, dass er nicht sehr auf seine Gesundheit geachtet hat, das hilft zu entdämonisieren», sagt Vukovic-Bringezu.
Damit die Gefühle den Trauernden nicht überwältigen, rät die Psychologin zu Ritualen, zum Beispiel jeden Abend die Musik von Michael Jackson zu hören oder eine Kerze für ihn anzuzünden. Rituale zu einer bestimmten Tageszeit könnten helfen, der Trauer Raum zu geben. Dadurch sei der Trauernde nicht den ganzen Tag mit seiner Trauer beschäftigt, denn das Leben gehe ja weiter.
Einen Grund dafür, warum viele Menschen Jackson betrauern, sieht Vukovic-Bringezu auch in der Tatsache, dass er für viele auch einen Teil des eigenen Lebens verkörpert. «Wenn man Geburtstag gefeiert hat und hat immer dieses Lied gehört, dann hat man darüber eine persönliche Verbindung zu Michael Jackson aufgebaut.» Mit dem Star sterbe auch ein Stück der eigenen Jugend.
Zwar sei die Nachfrage bei der Telefonseelsorge in Berlin in den vergangenen Tagen etwas abgeflaut, einen neuen Anstoß könnten aber die Spekulationen um einen möglichen Selbstmord des Künstlers geben, meint Müseler. Dann fühlten sich andere «Lebenszweifler» angesprochen. Die Ehrenamtlichen in den Beratungsstellen sind auch auf solche Anrufe vorbereitet.
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