So ist das (evangelische) Leben
Der Kirchentag liegt hinter uns, der Twitter-Rekord ebenfalls, und so langsam nimmt das Portal Gestalt an – zumindest im Hintergrund. Ein wenig Ruhe ist eingekehrt in den fünften Stock des GEPs. Die Kollegen erkundigen sich vorsichtig nach neuen Aufgaben, um spätestens 19 Uhr ist Feierabend. Die Stimmung ähnelt der vor einem Marathon. Das Ziel ist klar, noch stehen wir nicht am Start, und doch müssen wir trainieren. Häufig und hart. Nicht gerade rosige Aussichten.
Umso wichtiger ist es, sich kurz zurückzulehnen, durchzuatmen und Kraft für das zu schöpfen, was kommt, morgen. Heute können wir alles nochmal langsam angehen lassen; ist doch egal, ob es noch 100 Tage bis zum Ziel sind oder 99, noch 100 oder 99 Tage voller Chancen, evangelisch.de so vorzubereiten, dass die Plattform am 24. September uns und unsere Leserinnen und Leser erstaunt. Ein Tag, was ist das schon? Heute muss evangelisch.de mal nicht im Mittelpunkt stehen. Morgen dafür desto mehr.
Der Wecker klingelt, zwei Hände finden sich, für eine Minute, bevor der Alltag angekommen ist. Unglaublich. Selbst das gemeinsame Frühstück, die Fahrt, die Blicke – wie wunderbar das Leben ist.
Im GEP angekommen führt der erste Weg in die Kantine, der Kaffee läuft schon durch – nur für mich, ein Lächeln und Smalltalk mit einer Kollegin inklusive. Ein perfekter Tag. Im Büro: Hallo, Hey, Morgen. – Harmonie-Gesäusel? Nein, kurz darauf wird gemotzt, geflucht, rumgezickt. Warum wurde die Rechnung nicht überwiesen, was will die, was soll das? Ich habe da nochmal eine Frage. So ist das Leben.
Ein Kollege schickt eine Mail mit einer Geschichte über ein Mädchen, das in einer neuen TV-Show gebetet hat, ein Dienstleister erzählt am Telefon, welche „Promis“ evangelisch seien. Dienstleister? Das ist definitiv der falsche Ausdruck. Wir haben keinen einzigen Dienstleister. Wer für evangelisch.de arbeitet, scheint es nicht als Dienstleistung zu sehen: „Wir kümmern uns.“ Geht es um mehr als Geld? Machen die das einfach gern? Das Leben ist merkwürdig.
Ein Anruf. Wann können wir uns verlinken? Bald. Über Xing eine Botschaft: Was kann ich für euch tun? Viel, demnächst Jeden Tag melden sich zahlreiche Menschen, die uns unterstützen möchten, die sich gern mit evangelisch.de verbinden möchten. Dabei gibt es das Portal doch noch gar nicht. Sind Sie sicher? Ja. Ich nicht. Schon verrückt, das Leben.
Abends auf dem Nachhauseweg. Ein klapperiger Opel schleicht auf der linken Spur vor uns, unbeirrbar. Der gehört bestimmt zu „uns“. Wir fahren auf die rechte Spur, und es ist egal, dass die Fahrt länger als sonst dauert. Wir haben Zeit.
Evangelisch.de hatte Zeit. Wir hatten uns eine Auszeit eingebildet, einen Tag professioneller evangelisch.de-Distanz vorgenommen, um dann durchzustarten. Doch: das ist zu spät. Wir sind alle mittendrin, evangelisch.de und alles, was damit verbunden ist, wird uns nicht mehr loslassen, ist ein Teil von uns (geworden); ganz früh morgens, während der Arbeit sowieso und im privaten Leben sehr weit entfernt von Rechner und Büro. Jeder Tag wird uns auf Neue und auf vielfältige Weise zeigen, wie evangelisch unser Leben bereits ist.
Na super, die nächste Auszeit wird besser vorbereitet. Aber erst nach dem 24. September.
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