Falscher Furz

Kaum eine andere Person hat so entscheidend den deutschen Sprachschatz geprägt wie Martin Luther.
Anderseits werden jedoch auch kaum einer anderen Person so viele überlieferte Aussprüche falsch zugeschrieben wie ihm.

Ein besonderes populäres Beispiel hierfür sind die Worte: "Hier stehe ich und kann nicht anders!“ Diese soll der Reformator angeblich vor den Reichstag in Worms ausgesprochen haben, als er sich weigerte, seine Schriftwerke zu widerrufen. Hier soll es allerdings bei der Verschriftlichung des Lutherwortes zu Verschiebungen gekommen sein.

Ähnlich verhält es sich auch mit dem Ausspruch "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen". Dieses Zitat wurde um 1944 von einem hessischen Landpfarrer in Umlauf gebracht und hat somit auch eher zweifelhafte Belege.
Es scheint, als wären auch gerade die Luther fälschlicherweise angedichteten Zitate gerade die populärsten, so auch der vulgäre Ausruf bei Tische "Was rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmacket?" Auch dieser ist nicht sicher gelegt.
 

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Verfasst von Falscher Fulz at Pastor Sandy in the boonies am 6. Juli 2009 - 20:51.
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[...] Artikel ist auch zu lesen auf evangelisch.de (spannend sind hier auch die...
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Verfasst von Ismael am 7. Juli 2009 - 8:42.
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Papstzitat

*schmunzel* DasZitat wird Johannes XIII., dem Reformpapst und Initator des...

*schmunzel*

DasZitat wird Johannes XIII., dem Reformpapst und Initator des Zweiten Vatikanischen Konzils angedichtet, der mit folgenden Worten ultrakonservative Kurienkardinäle in die Schranken gewiesen haben soll:

"Hier sitze ich. Und ich kann auch ganz anders. Gott helfe EUCH! Amen."

;->

Verfasst von useibert am 20. April 2009 - 13:47.
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Luther-Zitate

Nett ist auch das folgende Zitat, von dem ich auch nicht weiß, ob es wirklich...

Nett ist auch das folgende Zitat, von dem ich auch nicht weiß, ob es wirklich von Luther stammt: "Ich sitze hier und trinke mein gutes Wittenbergisch Bier und das Reich Gottes kommt von ganz alleine."

Verfasst von Heywood Floyd am 20. April 2009 - 17:51.
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Luther zum Papst: "Hier stehe

Luther zum Papst: "Hier stehe ich und kann nicht anders." Papst zu Luther: "...

Luther zum Papst: "Hier stehe ich und kann nicht anders." Papst zu Luther: "Hier sitze ich und kann noch ganz anders!" :-)

Verfasst von Gast am 20. April 2009 - 20:57.
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Luther-Grobian

Es gibt aber auch belegte Luther-Zitate, die heute zum Glück nicht mehr populär...

Es gibt aber auch belegte Luther-Zitate, die heute zum Glück nicht mehr populär, aber leider echt sind. Gegen die rebellierenden Bauern von 1525 hat er nur Gift und Galle und Verwünschungen der schlimmsten Sorte vorzubringen: "Drum soll hier zuschmeißen, wurgen und stechen, heimlich oder offensichtlich, wer da kann, und gedenken, daß nicht Giftigers, Schädlichers, Teuflischeres sein kann denn ein aufrührischer Mensch, gleich als wenn man einen tollen Hund totschlagen muß." (Zitat aus: "Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern"). Ich hätte es auch gern, wenn Luther solche Zitate nur angedichtet worden wären. Sind aber leider authentisch. Und populär waren sie auch mal: nämlich damals, in den Bauernkriegen von 1525, als Adel und ordnungsliebende Protestanten (Ausnahme: die Thomas Münzer´schen linken Protestanten) ideologische Munition für das große Gemetzel brauchten - und bei Luther fanden. Leider.

Verfasst von Daniel am 21. April 2009 - 20:00.
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Einbecker Bier?

Stimmt denn wohl, was in Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Einbecker#...

Stimmt denn wohl, was in Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Einbecker#Anekdote) steht, dass Luther nämlich gesagt haben soll: "Der beste Trank, den einer kennt, der wird Einbecker Bier genennt.“?

Verfasst von Nochgläubig am 21. April 2009 - 20:35.
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Und gleich von Beginn weg Zweifel streuen...

Soso, das Zitat soll also nicht von Luther stammen. Frage: Warum stellt Ihr es...

Soso, das Zitat soll also nicht von Luther stammen. Frage: Warum stellt Ihr es denn zugleich mit der Infragestellung an den Anfang des Blogs??? Soll der Zweifel zu eurem Programm werden? Es soll wohl darum gehen, sich von den "radikalen Gläubigen" in- und ausserhalb der Kirche abzugrenzen? Mich erinnert dies an die Infragestellung der 95 Thesen, die Luther nicht an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg genagelt haben soll. Wie lange wurde von Berufs- und Hobbyzweiflern genüsslich immer wieder in Abrede gestellt, dass dieses Ereignis stattgefunden hat. Und nun fand man heraus, dass es doch stattgefunden hat. Ätsch! Ja, dann stürzt man sich halt auf etwas anderes, das man in Frage stellen kann.

Verfasst von Henrik Schmitz am 21. April 2009 - 21:28.
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Bier

Wenn es nicht stimmt, hat es sich er Tourismusverband zumindest gut ausgedacht.

Wenn es nicht stimmt, hat es sich er Tourismusverband zumindest gut ausgedacht.

Verfasst von Gast am 7. Mai 2009 - 15:19.
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Oder zum Beispiel in Luthers

Oder zum Beispiel in Luthers antisemitischem Hetzpamphlet "Von den Jüden und...

Oder zum Beispiel in Luthers antisemitischem Hetzpamphlet "Von den Jüden und iren Lügen": "Ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes, durchteufeltes Ding ist’s um diese Juden, so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen."

Verfasst von Gast am 8. Mai 2009 - 14:30.
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Luthers Antisemitismus

Oder zum Beispiel aus Luthers 7-Punkte-Plan mit dem Ziel, die Juden zu...

Oder zum Beispiel aus Luthers 7-Punkte-Plan mit dem Ziel, die Juden zu vertreiben: "Ich will meinen treuen Rath geben. Erstlich, daß man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe, und beschütte, daß kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. (...) Zum andern, daß man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. (...) Zum vierten, daß man ihren Rabbinen bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren."

Verfasst von Burkhard Weitz am 8. Mai 2009 - 17:48.
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Luther

In seinen letzten Lebensjahren (er starb 1546) wurde Martin Luther zum...

In seinen letzten Lebensjahren (er starb 1546) wurde Martin Luther zum Judenhasser. Im Alter von 59 Jahren verfasste er die Schrift "Von den Juden und ihren Lügen" (1543). Vermutlich war Altersstarrsinn und zunehmende Reizbarkeit die psychologische Ursache hierfür.

Ganz anders war der "junge" Luther. Er ließ sich bei der Übersetzung des Alten Testaments (1523-34) von Juden aus Sachsen beraten. Anders als viele Zeitgenossen hatte er keine Berührungsängste mit ihnen, sondern suchte das Gespräch.

Als sich diese Juden später nicht der inzwischen erneuerten Kirche anschlossen, schlug seine Toleranz jedoch in Intoleranz um. Offenbar hatte Luther geglaubt, der Grund sich vom Christentum fernzuhalten (die Verdorbenheit der Kirche) sei ja mit der Reformation nun erfolgreich beseitigt. Auf Dauer erwies sich Luther somit als Rechthaber, der es nicht leiden konnte, wenn andere seinen Argumenten nicht folgten.

Nicht nur die Juden traf der Hass des alternden Luther. Ebenso impulsiv und hasserfüllt drosch er in seiner Spätschrift von 1545 "Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet" auf den Papst und seine Kardinäle ein.

Auch auf die Täuferbewegung zielte seine zunehmende Intoleranz. Hielt sich Luther 1519 noch an den Grundsatz: Ketzer verbrennen ist wider den Willen des Heiligen Geistes, so befürwortete er später mit markigen Worten die brutale Niederwerfung des Täuferreichs sowohl durch Altgläubige wie durch Anhänger der Reformation (1535).

Luthers Schrift gegen die Juden hatte fatale Folgen. Antisemiten beriefen sich seit dem 19. Jahrhundert und dann verstärkt im Nationalsozialismus auf sie, um ihren ausufernden Hass gegen Juden zu legitimieren.

Heute beruft man sich vor allem auf den jungen Luther. In seinen frühen Schriften entfaltet er seine um Vergebung und Gnade kreisende Theologie am eindrucksvollsten.

Luthers Spätwerk dagegen (etwa ab Mitte der 1530er Jahre) mit seinen Hasstiraden wird dagegen heute weit weniger rezipiert.

Verfasst von Gast am 13. Mai 2009 - 11:16.
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Luthers Hass auf Juden

Vielen Dank für Ihre ehrliche Einschätzung der Auswirkungen von Luthers...

Vielen Dank für Ihre ehrliche Einschätzung der Auswirkungen von Luthers Judenhass und dessen Folgen im 19. Jahrhundert und im Nationsalsozialismus. An einem entscheidenden Punkt möchte ich Ihnen jedoch widersprechen: Luthers Judenhass hat bereits spätestens Anfang der 1530er Jahre eingesetzt, z.B. erkennbar in Luthers Tischrede 1795 aus dem Jahr 1532 – damals war Luther 48 Jahre alt: "Wenn ich mer ein Juden tauff, so will ich ihn auf die elbbruckh furen, ain stain an hals hengen und hinab stossen et dicere: Ego baptiso in nomine Abraham". 48 Jahre – auch im 16. Jahrhundert kein Alter, in dem Altersstarrsinn einsetzte – und bis zu seinem Tod waren es noch 14 Jahre. Ein entscheidender Teil seines Lebens - und nicht bloß "seine[...] letzten Lebensjahre[...]". Kurzum, ich weiß auch nicht, was an einem antisemitischen Hetzer insgesamt positiv zu sehen ist, nur weil er erst mit 48 Jahren zum eifernden Judengegner geworden ist. Diese Zweiteilung funktioniert nicht. Und abgekehrt von seinem Judenhass ist er bis zu seinem Tod nicht. Um es deutlich, aber nicht überspitzt zu formulieren: Noch heute sind Hunderte von Kirchen in Deutschland nach einem antisemitischen Hetzer benannt. Aber was mich wirklich persönlich betroffen macht ist die Tatsache, dass ich in vielen Jahren des evangelischen Religionsunterrichts, des Konfirmandenunterrichts und vielleicht Hunderter besuchter Gottesdienste nicht von einem Pfarrer oder Religionslehrer Luthers Antisemitismus auch nur einmal erwähnt gehört hätte. Nicht ein Pfarrer oder Lehrer hatte den Mut, uns das zu erzählen, oder gar darüber zu diskutieren, was das für Konsequenzen für uns hätte. Die meisten Menschen in meinem Umfeld waren in einem antifaschistischen Geist erzogen, und ich glaube viele - ich gehöre dazu - hätten damals der evangelischen Kirche den Rücken gekehrt, wenn sie gewusst hätten, welchen Hass gegen Juden der Begründer ihrer Religion verbreitet hat. Ich habe keine Ahnung, wie sehr sich die evangelische Kirche in der Gegenwart mit Luthers Antisemitismus oder mit ihrer Schuld im Dritten Reich auseinandersetzt – eine längere Recherche auf den Internetseiten von etlichen Kirchen, die sich nach Martin Luther benannt haben, ergab nicht eine Seite, die sich kritisch mit dem Namen der Kirche auseinander gesetzt hätte – oder auch nur Luthers Antisemitismus erwähnt hätte. Auf der Internetseite des EKD steht zum Beispiel eine Lutherbiografie (http://www.ekd.de/lexikon/luther.html), die Luthers Antisemitismus nicht mit einem Wort erwähnt. Und dass Luthers Spätwerk "heute weit weniger rezipiert" wird ist mir schon klar. Anders formuliert: Es wird unter den Teppich gekehrt. Herr Weitz, was mich interessieren würde: Inwiefern hat sich zum Beispiel CHRISMON mit der Schuld der evangelischen Kirche im Dritten Reich auseinandergesetzt (z.B. mit dem thüringischen Landesbischof Martin Sasse, der kurz nach der Reichspogromnacht schrieb: "Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volke wird [...] die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiete im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zur völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt."), oder mit Martin Luthers Hass gegen Juden? Gibt es entsprechende Artikel aus der CHRISMON? Pastor Christoph Römhild sagte zum Hamburger Abendblatt: "Auch Luther hätte getwittert." Ja, wahrscheinlich. Und vielleicht hätte er damit eines seiner Ziele erreicht: Die Synagogen, Schulen und Häuser der Juden brennen zu sehen.

Verfasst von Burkhard Weitz am 13. Mai 2009 - 17:46.
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Luther

Ihre Informationen über Luther stimmen im Wesentlichen mit meinen überein. Nur...

Ihre Informationen über Luther stimmen im Wesentlichen mit meinen überein. Nur sind meine Erfahrungen bezüglich der Aufarbeitung dieses Themas andere als Ihre. Mein Religionslehrer hat seit der 11. Klasse Luthers antijüdische Haltung thematisiert, für meinen damaligen Pfarrer hat es zum Thema einer Jugendmitarbeiterfortbildung gemacht, ebenso ist mir Luthers antijüdische Haltung in meinem Theologiestudium gleich mehrfach begegnet. Ich habe seit meinem 16. Lebensjahr die Auseinandersetzung mit der schwierigen Frage, inwiefern der Antijudaismus schon seine Wurzeln in der frühchristlichen Christologie hat, als sehr intensiv erlebt - damals wurde in meiner Heimatstadt ein Ableger der deutsch-israelischen Gesellschaft gegründet - beteiligt waren ausschließlich engagierte Kirchengemeindemitglieder. Diese Frage hat mich wesentlich während meines Theologiestudiums geprägt. Was die Martin-Luther-Kirchen anbelangt: Benannt sind die Kirchen in Deutschland nicht nach Luther, dem antijüdischen Hetzer (diese Seite Luthers hat bis ins späte 19. Jahrhundert in der Wirkungsgeschichte nur eine marginale Rolle gespielt), sondern nach Luther, dem Befreier von religiöser Bevormundung. In chrismon empfehle ich die Lektüre dieses Beitrags (http://www.chrismon.de/vorbilder.php), erschienen in der aktuellen Ausgabe.

Verfasst von Gast am 20. Mai 2009 - 11:30.
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Luthers menschenverachtender Judenhass

Da haben Sie ja richtig Glück gehabt mit ihrem Pfarrer und ihrem...

Da haben Sie ja richtig Glück gehabt mit ihrem Pfarrer und ihrem Religionslehrer. Mir scheint jedenfalls, dass ihre Kirche zumindest ein schizophrenes Verhältnis zu Luthers menschenverachtendem Judenhass hat: Auf der Internetseite der EKD finden sich gleich drei Biografien Luthers - und nicht eine erwähnt auch nur mit einem Wort Luthers Antisemitismus: http://www.ekd.de/medien/film/martinluther/biograp... http://www.ekd.de/lexikon/luther.html http://www.ekd.de/reformationstag/reformationstag_... Wer dann tief genug gräbt, findet immerhin im Archiv des Jahres 2005 folgenden Artikel: http://www.ekd.de/vortraege/2005/050830_kock_segeb... Vielen Dank für ihren Link zum Artikel über Elisabeth Schmitz. Aber um einen Artikel, der sich eingehend mit der Schuld der Evangelischen Kirche im Dritten Reich auseinandersetzt handelt es sich ja gar nicht, allenfalls in Ansätzen. Und finden Sie noch einen Chrismon-Artikel, der sich mit Luthers Judenhass beschäftigt - schließlich kann ich mir nicht vorstellen, dass es eine evangelische Zeitschrift in den neun (richtig?) Jahren ihres Bestehens nicht ein einziges Mal geschafft hat, sich mit einem derart wichtigen und umstrittenen Abschnitt der Biografie Luthers auseinanderzusetzen? Über ihre Zerteilung Luthers in den, wie Sie schreiben, "Befreier von religiöser Bevormundung" einerseits und den antijüdischen Hetzer andererseits bin ich schon sehr erstaunt. Wie können Sie so tun, als ob der eine Luther mit dem anderen nichts zu tun hätte? Der Luther, der 1534 seine Bibelübersetzung abgeschlossen hatte, war bereits antijüdischer Hetzer. Auch in den späten Jahren war Luther noch daran beteiligt, die Reformation zu verbreiten. Und kritische Äußerungen gegenüber Juden gibt es bereits schon zu früheren Zeiten. Luthers Biografie lässt sich nicht sezieren in einen "guten" Teil und einen "schlechten" Teil, mit dem man glauben könnte, als Verehrer Luthers nichts zu tun haben zu müssen. Wie soll Luther einerseits als ethisches und moralisches Vorbild taugen, wenn er andererseits für verabscheuungswürdige, verheerende Hasspamphlete verantwortlich zeichnet? Das alles verwundert mich umso mehr, wo es doch durchaus vorbildliche kritische Auseinandersetzungen mit Martin Luther in der evangelischen Kirche gibt, jüngstes Beispiel die Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, die festgestellt hat, dass sich die "ELKB [...] ihrer historischen Verantwortung für die Entstehung von Antijudaismus und Antisemitismus" stellt. Dazu gehöre auch "eine intensivierte kritische Auseinandersetzung mit den antijüdischen Äußerungen Martin Luthers". Die weitere Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte - auch auf der Ebene der Ortsgemeinden - sei daher dringend notwendig. Aber das alles scheint wohl weder bei der EKD - siehe die drei verfälschten Lutherbiografien - noch zum Beispiel bei chrismon - gerne lasse ich mich noch eines Besseren belehren - angekommen zu sein. Auch nicht eine Internetseite der evangelischen Landeskirchen lässt eine solche kritische Auseinandersetzung erkennen - und jene, die auf ihren Seiten Luther-Biografien veröffentlicht haben, haben alle jegliche Hinweise auf Luthers antisemitische Phase unterschlagen. Wer öffentlich Luther, den Reformator, lobt, ohne sich öffentlich eingehend mit Luther, dem menschenverachtenden Antisemiten, der das Anzünden der Synagogen, Schulen und Häuser forderte, auseinanderzusetzen, läuft Gefahr, sich der Verharmlosung des Antisemitismus verdächtig zu machen. Kurzum: wenn ein Mitglied der evangelischen Kirche noch nie von Luthers antisemitischen Äußerungen gehört hat - dann wird es in den Internetangeboten der evangelischen Kirche auch nichts darüber erfahren - es sei den es gräbt gezielt in alten Archiven auf der EKD-Seite! Das ist beschämend. Wenn die evangelische Kirche widerlegen möchte, dass sie absichtlich die dunkle Seite ihres Kirchengründers unterschlägt, dann wird sie noch einiges an ihrem öffentlichen Auftritt tun müssen. Wie wird das auf evangelisch.de sein?

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